Natalie Haynes: Stoneblind - Der Blick der Medusa

Begonnen von Kathrin, 10. Juni 2026, 15:42:41

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Kathrin

Inhalt:
Medusa - Schwester, Opfer, Monster?

Medusa wächst bei ihren Schwestern auf und merkt schnell, dass sie anders ist – eine Sterbliche in einer Familie von Göttern. Von ihrer Schönheit angezogen, bedrängt der Meeresgott Poseidon sie im Tempel der Athene. Die Göttin wähnt ihren Tempel entweiht und lässt ihre Wut an der Unschuldigen aus: Medusa wird in ein Monster mit Schlangenhaaren verwandelt, das kein Lebewesen mehr ansehen kann, ohne es zu Stein erstarren zu lassen. Aus Rücksicht verdammt Medusa sich zu einem Leben in der Einsamkeit. Bis der junge Perseus sich aufmacht, das Haupt eines Ungeheuers zu erlangen...

Meine Meinung:
Ein krasses Gegenteil zu den letzten Romanen die ich gelesen habe und die mich mitunter mit zwispältigen Gefühlen zurückgelassen haben, war mein nächster Ausflug in die griechische Mythologie mit Natalie Haynes Buch ,,Stoneblind – Der Blick der Medusa." Das mag zwar für viele Unterhaltung pur sein, aber ein tiefergehender Blick lohnt sich, denn am Ende ist klar, wer das wahre Monster dieser Geschichte ist.

Wer mich und meinen Lesegeschmack kennt, weiß, dass ich einen Faible für Göttergeschichten und Götter habe, sei es als Nebenfiguren wie in den Büchern von Christoph Marzi oder wie hier in den Nacherzählungen bekannter griechischer Sagen und Legenden. Götter und Göttinnen sind wie sie sind, Götter halt .... und Natalie Haynes schildert sie so, wie ich sie liebe: egoistisch, unsympathisch, fies, gemein, auf den eigenen Vorteil bedacht ...  aber auch sooo lustig. Was habe ich mich über Hera und ihre Wut auf ihren rumhurenden Ehemann amüsiert, über Athene und Hermes, wie sie Perseus piesaken. Großartig!

Aber neben meinen Amusement über die Götter und Göttinnen der griechischen Welt, steckt in dem Buch doch auch deutlich mehr. Es geht um die Selbstbestimmung der Frau und so viel kann ich verraten, Medusa ist nicht das einzige Opfer männlicher Gewalt. Das tritt in verschiedenen Weisen relativ oft auf.

Ich fand den Stil der Autorin richtig toll, und je intensiver ich darüber nachdenke, desto besser wird das Buch für mich. Es gibt unzählige Erzählperspektiven, jede Figur hat ihre eigene Stimme, ihre eigene Geschichte. Manche waren absolut wundervoll, bei anderen bin ich gedanklich etwas weggedriftet. So viele Nebenschauplätze  können auch schon mal verworren wirken und teilweise fragt man sich sogar, warum die Autorin jetzt einen bestimmten Aspekt erzählt. Es scheinen zeitweise zu viele Nebenschauplätze, alles etwas künstlich aufgebläht zu sein, aber alles in allem liebe ich es, wie sie am Ende die verschiedenen Geschichten und Perspektiven miteinander verwebt und zum Schluss alles in sich abgerundet ist.

Dennoch waren wir gefühlt zu wenig bei Medusa. Ich habe sie und ihre Schwestern so geliebt! Dort hätte ich gerne mehr Zeit verbracht. Das war mein Wohlfühlhafen! Auch wenn klar war, dass es so nicht bleiben kann.

Ich habe das Buch nur ungerne beendet. Ich habe mich wohlgefühlt, war traurig, entsetzt, habe aber auch gelacht und langsam aber sicher mutiert es zu meinem Liebling bei den Romanen über Sagen und Legenden der griechischen Mythologie. Das Buch werde ich sicherlich noch einmal lesen, genießen und ich bin gespannt, ob mich andere Bücher der Autorin auch so begeistern werden.

Note 2+  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box_halbgrau1:
Rock the Night!

sisquinanamook

Das klingt wieder gut.
Ich hab noch "Das Lied des Achill" von Madeline Miller auf meinem SUB.
Viele Grüße
Daniela

Christiane

Ja, hört sich wirklich toll an. Vielleicht wage ich es doch nochmal mit so einer modernen Sagen-Aufbereitung. Ich bin da ein bisschen heikel, weil ich als Jugendliche einen dicken Wälzer 'Die schönsten Sagen des klassischen Altertums' von G.Schwab wirklich verschlungen habe. Das sind daher für mich 'die einzig wahren Versionen' dieser Sagen, auch wenn ich natürlich weiß, dass das nur eine von vielen Versionen ist.
Von Zeus' Rumhurerei kann ich ein Liedchen singen, seit ich damals versucht hab, einen Stammbaum der ganzen griechischen Götter, Halbgötter und Helden zu basteln. Zeus hat die ganze schöne Ordnung immer wieder zunichte gemacht  :-) .
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)

sisquinanamook

Zitat von: Christiane in 10. Juni 2026, 16:54:13Zeus hat die ganze schöne Ordnung immer wieder zunichte gemacht  :-) .

Ja, das konnte er gut.  :-)

"Ich bin Circe" von Madeline Miller hab ich gelesen und mochte es sehr.

Also Christiane, nur Mut - auch andere Adaptionen der Sagen können echt gut sein.
Viele Grüße
Daniela

Inge78

Zitat von: sisquinanamook in 10. Juni 2026, 16:13:37Das klingt wieder gut.
Ich hab noch "Das Lied des Achill" von Madeline Miller auf meinem SUB.

Das ist hier genauso ;-)
Circe gelesen, Achill subt, Medusa macht mich neugierig
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

sisquinanamook

Zitat von: Inge78 in 11. Juni 2026, 08:32:40
Zitat von: sisquinanamook in 10. Juni 2026, 16:13:37Das klingt wieder gut.
Ich hab noch "Das Lied des Achill" von Madeline Miller auf meinem SUB.

Das ist hier genauso ;-)
Circe gelesen, Achill subt, Medusa macht mich neugierig

 :fivel:
Viele Grüße
Daniela

Christiane

Ich hab 'Ich, Ariadne' gelesen. Hab gerade mal geschaut - das hatte ich mit einer 2 bewertet, aber so mit Abstand hab ich es hauptsächlich als anstrengend in Erinnerung  :nixweiss1: .
Mal sehen, ob ich es mit der Medusa nochmal versuchen werde...
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)

Kathrin

Ich würde Dir vermutlich Medusa und Circe als nächstes empfehlen, Circe. Vielleicht sogar  erstmal Circe. Medusa ist erst mal ganz schön verwirrend.
Rock the Night!

sisquinanamook

Viele Grüße
Daniela

Christiane

Achill liegt hier im Regal (ein Buch von Volker) - der reizt mich kein Stück  :nixweiss1: .
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)