Constanze Wilken - Schatten über den Highlands

Begonnen von Sagota, Heute um 00:43:11

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Sagota

Die Welt der (schottischen und irischen) Traveller

"Schatten über den Highlands" von Constanze Wilken ist nicht der erste (und vor allem nicht der letzte) Roman, den ich von der von mir sehr geschätzten Autorin mit Begeisterung gelesen habe. Ihre Romane zeichnen sich durch Tiefgang, sehr viel Atmosphäre und der Verbindung zu historischen oder wie in diesem Falle einer Bevölkerungsgruppe aus, die noch heute unter Ausgrenzung, Rassismus, Vorurteilen und Diffamierung zu leiden hat: Die Traveller (in Irland Pavees), die Fahrenden, die ihre Existenz durch Pferdehandel (sie sind excellente Pferdekenner!), aber auch dem Verkauf von Selbstgefertigtem, früher oftmals auch Töpfe und Pfannen, bestritten und eine jahrhundertealte Tradition und Kultur pflegen.

Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise mit den Travellern; hier stellvertretend die Familien Farland und MacMillen, aus der Lizzie Farland und Ronain MacMillen stammen: Die beiden sehr sympathischen HauptprotagonistInnen wurden einander vom nun gealterten und schwer kranken Clanchief Donnie Farland und seinem besten Freund, Lory MacMillen bereits zu Kinderzeiten versprochen und waren sich früher stets sehr zugetan. Bis Ronain einige Jahre im Gefängnis seine Strafe absitzen muss und Lizzy, die das beengte Leben der Traveller verlassen will, nach Glasgow geht mit einigen Ersparnissen, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Sie hat sehr viel Glück und Mr. Murphy, ein sehr lieber und alter Buchladenbesitzer gibt ihr eine Chance, denn gelesen hat Lizzy schon immer gerne! So wird sie mehr und mehr seine rechte Hand und auch der Buchladen profitiert von dieser hervorragenden und menschlich schönen Kooperation: Er wirft wieder mehr Gewinn ab, da Lizzie einige Neuerungen einbringt, die Gewinne abwerfen. Als ein Brief von ihrer Tante eintrifft, dass es sehr schlecht um ihren Vater Donnie steht, begibt sich Lizzy auf den Weg zu ihrer Familie; auch wenn das Verhältnis der beiden kein gutes war und der Vater die Familie zeitlebens mit strenger Hand regierte...

Dort angekommen, trifft sie auf Ronain, den sie Jahre nicht gesehen hat: Werden sich beide wieder annähern können?

Dies muss der geneigte Leser selbst herausfinden und es ist spannend, in die Vergangenheit zurückzukehren, in der Ronain und Lizzie zu einem Fest des vermögenden Adligen Cam eingeladen wurden, der aus einer anderen Gesellschaftsschicht stammt, aber auch eine Vorliebe für Pferde, wie sein Vater, Lord Grimmond, besitzt.

Die schwierige gesellschaftliche Lage der Traveller, die sich noch heute einmal jährlich in Appleby (Cumbria, NW England) zur Horse Fair treffen, kommt im Roman neben der schönen Liebesgeschichte zum Tragen und hat mich zu weiteren Recherchen veranlasst: In der arte mediathek gibt es dazu eine sehr aufschlussreiche, bewegende und teils auch traurige Doku namens "Ein Volk auf Reisen", wo man Bilder z.B. zur Appleby Horse Fair und auch dem bescheidenen Leben der Traveller am Rande der Gesellschaft erhält. Sie sind in Europa die am stärksten ausgegrenzte Minderheit und erleben oft Vorurteile, Diskriminierung, Probleme bei der Stellplatzsuche und haben einen erschwerten Zugang zu Bildung und Arbeit. Immerhin ist diese Minderheit in Irland seit März 2017 anerkannt.

Die Themen des flüssig zu lesenden, spannenden und sehr atmosphärischen Romans sind Freundschaft, Liebe, Traditionen, Außenseiter, Vorurteile sowie Gerechtigkeit . Ich kann (ebenso wie die anderen Romane von Constanze Wilken, wozu besonders auch die Wales-Reihe für mich zählt) "Schatten über den Highlands" sehr weiterempfehlen und freue mich bereits auf weitere Romane von C. Wilken!