Fitzek, Sebastian: Der Augensammler

Verlag: Droemer
erschienen:
2010
Seiten:
448
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3426198517

Klappentext:

Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken. Er spielt es mit deinen Kindern. Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden. Doch deine Suche wird ewig dauern. Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Kinderleichen fehlt jeweils das linke Auge. Bislang hat der Augensammler keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt…

Rezension:

Sebastian Fitzeks neuen Thriller habe ich innerhalb eines Wochenendes gelesen, was sicherlich auch an den für ihn so typischen kurzen Kapiteln liegt, die es einem schwer machen das Lesen zu unterbrechen.

Dabei geht es anfangs eigentlich erstmal ein bisschen gemächlich zu, was aber keineswegs negativ gemeint ist. Fitzek lässt sich Zeit, um die Handlung aufzubauen und legt dabei besonderen Wert auf die Gefühlswelt der blinden Zeugin Alina. Man merkt, der Autor hat sich mit dieser Materie eingehend beschäftigt und sicherlich mit Betroffenen gesprochen, um die Probleme eines blinden Menschen ohne jegliche Klischees wiedergeben zu können. Mein Verdacht bestätigte sich dahingehend übrigens im sehr originellen Nachwort. Manchen Leser langweilt das vielleicht, ich jedoch finde, es hat dem Roman eine ganz andere Qualität gegeben. Blindsein als lustige Zutat für einen Thriller, in dem jedes Mittel recht ist, um Spannung aufzubauen, braucht nun wirklich kein Mensch.Von daher – Chapeau Herr Fitzek!

Die Handlung wird schließlich immer spannender und obwohl der Autor meist auf psychologischen Grusel setzt, gibt es auch die ein oder andere ekelige Szene, bei der man besser nicht zu sehr das Kopfkino ankurbeln sollte. Letztlich schafft es Fitzek  erneut mich am Ende zu überraschen und mit einer Auflösung um die Ecke zu kommen, mit der ich nicht gerechnet hätte.

Interessant ist noch die Aufmachung des Romans. Sowohl Kapitelnummerierung, als auch Seitenzahl laufen umgekehrt. Sprich, das Buch beginnt mit dem Epilog und mit Seite 448. Der Sinn dahinter erschließt sich erst am Ende und lässt den Roman erst richtig rund wirken.

Die Höchstnote gebe ich nicht, weil ich mit der Hauptfigur, dem Journalisten Alexander Zorbach, nicht so recht warm geworden bin. Seine ironische und alles kommentierende Art hat mich manchmal ein ganz bisschen genervt. Für mich wirkten besonders diese vielen kurzen gedanklichen Kommentare (auch zu erkennen an der kursiven Schrift) zu geplant. Dadurch blieb Zorbach für mich immer eine Romanfigur, mit der ich nicht zu hundert Prozent mitfühlen konnte.

Aber dafür hat Fitzek jede Menge andere Dinge außerordentlich gut gemacht und sich bei mir für den nächsten Thriller (2011 hoffe ich doch mal?) empfohlen.

Note: 2

  • Momentan lese ich, obwohl ich die ganze Zeit schon immer mit dem „Augensammler“ liebäugle, „Erbarmen“ von Jussi Adler Olsen … und in dem Roman ist es ähnlich. Ehrlich gesagt, hab ich mich durch die ersten Zeilen gekämpft. Aber nun ist es so, dass ich das Buch schon kaum aus meine Hand legen kann. Bin immer noch am überlegen, ob der Augensammler etwas für mich ist, weil ich keine typische Krimi/Thriller Leserin bin. Neben „Erbarmen“ an dem ich noch lese, hat mich der Roman von Vincent Kliesch „Die Reinheit des Todes“ richtig gut mitreißen können. Wenn ich nicht hätte arbeiten müssen, dann hätte ich diese gut lesbare Kost sicherlich an einem Tag durch gehabt. Ganz liebe Grüsse
    PS: Dein Blog ist wirklich sehr schön und vor allem abwechslungsreich, denn so wie du iese ich auch alles querfeldein.
    =)