Marco Balzano: Ich bleibe hier

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Offline Kathrin

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Marco Balzano: Ich bleibe hier
« am: 09. Mai 2022, 11:55:22 »
Ich bleibe hier von Marco Balzano

Herausgeber ‏ : ‎ Diogenes
Taschenbuch ‏ : ‎ 288 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3257246102

Inhalt:
Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Die Leute werden vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.

Meine Meinung:
„Ich bleibe hier“ von Marco Balzano ist mal wieder ein Buch, bei dem mir eine Bewertung schwer fällt. Ich liebe Südtirol, wo das Buch spielt, habe dort wunderbare Urlaube verbracht und kenne natürlich auch das bekannteste Fotomotiv der Gegend: den aus dem Reschensee aufragenden Glockenturm der Grauner Pfarrkirche St. Katharina,  der auch auf dem Cover des Buches zu sehen ist.  Und eigentlich hat der Autor in meinen Augen nichts falsch gemacht hat, es ist ein spannendes Stück Geschichte und die Punkte, die mir persönlich nicht so gut gefallen haben, passen letztendlich hervorragend zu der Geschichte. Aber ein leises Gefühl der Enttäuschung (wenn auf wirklich hohem Niveau) kann ich nicht verhehlen.

Das Buch spielt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und handelt von Trina, einer jungen Lehrerin aus Graun im Vinschgau (Südtirol) und ihrer Familie. Die Bewohner Grauns und der umliegenden Gemeinden kämpfen gegen die Pläne eines Energiekonzerns an, der für einen neuen Stausee Felder und Häuser der Gegend fluten lassen will. Trina schreibt die Geschichte für ihre Tochter auf, die schon seit vielen Jahren nicht mehr bei der Familie lebt. Auf mich wirkt Trina in ihrer Erzählung ziemlich abgestumpft und resigniert, was auch nicht verwundern kann, bei dem was sie erlebt hat, aber eine wirkliche Nähe zu ihr kam trotzdem nie auf und das fehlt mir. Das Buch lässt mich zwar sicherlich nicht kalt und gefühllos zurück und es hallt auch nach, aber diese resignierte, so müde wirkende Erzählerin macht es mir wirklich nicht leicht, mit ihr mit zu fühlen.

Das Buch liest sich flüssig und sehr schnell weg. Die Sprache ist einfach gehalten, es gibt viele kurze Sätze und das passt richtig gut zu den eher einfachen Dorfbewohnern – wobei das nicht abwertend klingen soll. Ich finde es ist ein besonderer Stil, gerade für historische Romane, die ja gerne mal etwas ausufernder erzählt sind. Aber trotzdem ist es mir zu emotionslos – auch wenn ich davon überzeugt bin, dass das pure Absicht des Autors war. Insofern wirkt das Buch und die Art und Weise wie es erzählt ist extrem rund, aber mir fehlen einfach die Emotionen und die Nähe zur Protagonistin.

Die anfangs angedeuteten Schwierigkeiten in der Bewertung des Buches resultieren genau daraus: mein Verstand sagt mir, dass der Autor das perfekt und passend umgesetzt hat, aber dem Herz fehlt leider einfach das entscheidende Etwas.
 
Bewertung:

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