Lucy Maud Montgomery: Anne in Windy Willows (Anne-Reihe Band 4)

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Offline Kathrin

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Anne in Windy Willows von Lucy Maud Montgomery
Herausgeber ‏ : ‎ Loewe Verlag
Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 247 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3785522703

Meine Meinung:
„Anne in Windy Willows“ ist der vierte Band der Anne Shirley-Reihe von Lucy Maud Montgomery und gehört definitiv zu den Teilen, an die ich so gar keine Erinnerung mehr aus meiner Kindheit/ Jugend habe. Ich könnte noch nicht mal beschwören, ob ich es überhaupt gelesen habe, denn ich um die schöne „alte“ HC-Ausgabe des Loewe-Verlags vollständig im Regal zu haben, musste ich Band 4-6 im vergangenen Jahr nachkaufen. Ich sehe noch das Buchregal einer Schulfreundin vor mir, die die Reihe komplett  hatte, aber ob ich mir Band 4-6 jemals von ihr ausgeliehen habe … ich werde alt, ich weiß es nicht mehr.

Nach ihrem Examen am Redmond-Kollege verschlägt es Anne in diesem Band nach Summerside die High School, an der sie für 3 Jahre als Rektorin unterrichten wird. Sie stößt in der Stadt, an der Schule, bei den Schüler und anderen Lehrern auf heftigen Widerstand vor allem durch die Familie Pringle, die ihren eigenen Kandidaten für Annes Stelle vorgesehen hatten und ihr nun jegliche Steine in den Weg legen, die sie nur finden können. Das fing schon bei der Suche nach einer Unterkunft an, doch schließlich kann Anne ein Zimmer in Windy Willows bei zwei alten Damen – Tante Chatty und Tante Kate – und deren Hauswirtschafterin Rebecca Dew.

Wie schon im Vorgängerband „Anne in Kingsport“ fehlen mir Avonlea und seine Bewohner, allen voran Marilla sehr und auch Diana, Annes Busenfreundin aus der Kindheit taucht nur noch am Rande auf. Mag sein, dass das sogar realistisch ist, das erlebt man ja auch heute selbst noch, dass beste Freund*innen aus der Schulzeit sich aus den Augen verlieren, weil sich die Lebensmittelpunkte einfach verschoben haben. Aber traurig bin ich deswegen trotzdem.

Aber in einem ist die Autorin eine wahre Meisterin: sie schafft es immer wieder mich in ihre Bücher und die durchaus ziemlich heile Welt von Anne zu ziehen, was gerade in so heftigen Zeiten mit dem Krieg in der Ukraine und der noch immer herrschenden Corona-Pandemie wirklich gut tut. Auch wenn man schon sehr deutlich merkt, dass das keine modernen Kinder-/ Jugendbücher sind, sondern vor gut 90 Jahren geschrieben worden sind.  Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass meine Nichte mit ihren 13 Jahren die Bücher nicht mögen würde weil es einfach etwas altbacken und teilweise auch wirklich oberflächlich wirken könnte. Da reiht sich Episödchen an Episödchen, viele ohne großen Tiefgang oder Auswirkungen auf nur irgendwas. Und dann Annes Gedanken, wenn sie Menschen  zum ersten Mal begegnet,  und diesen erstmal nur auf seine Äußeres reduziert und sich über dessen Aussehen oft aus lustig macht. So plump würde das wohl kein*e moderne*r Autor*in mehr schreiben. Für mich sind die Anne-Bücher wohl genauso Nostalgie pur wie für meine Mama die Nesthäkchen-Reihe, die sie auch mit über 80 immer noch gerne liest. Also kann ich wohl davon ausgehen, dass ich mit über 80 noch über Anne Shirley  werde schmunzeln können und dass sie auch in  … naja … 30-40 Jahren noch den gleichen großen Platz in meinem Herzen einnehmen kann. Ich kann nicht anders, ich liebe Anne mit ihrem großen, großen Herzen, ihrer zupackenden Art und wie sie sich um ihre Mitmenschen kümmert, selbst wenn diese ihr gegenüber nicht immer freundlich gesinnt sind.

In diesem Sinne freue ich mich auf die weiteren Geschichten mit Anne und jeden einzelnen Re-Read den ich sicherlich noch unternehmen werde.

Bewertung:

Rock the Night!

Offline Marja

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Re: Lucy Maud Montgomery: Anne in Windy Willows (Anne-Reihe Band 4)
« Antwort #1 am: 09. April 2022, 20:53:29 »
Hallo Kathrin,

mir geht es mit "Anne" genauso, ein absolutes Wohlfühlbuch. Allerdings habe ich mich mit Anne in Windy Willows immer etwas schwer getan, als Kind/Jugendliche waren für mich in diesem Buch einfach zu viele Briefe und zu wenig Dialoge.
Und es mag altbacken wirken - ist dann aber doch ganz realistisch, man mag es nicht glauben.
Was habe ich damals über die Episode mit der klemmenden Vordertür gelacht, die dem hohen Besuch aufgestemmt werden muss und habe sie einfach für einen guten Witz gehalten. Dann ist vor einigen Jahren unsere Nachbars - Oma verstorben. Alle Nachbarn saßen in der (von der Hintertür erreichbaren) Küche versammelt, plötzlich, ganz alarmiert: "Der Pastor kommt...er geht zur Vordertür!!! Wer hat denn den Schlüssel?"