Akram El Bahay - Wortwächter

Begonnen von Annette B., 23. März 2022, 22:08:57

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Annette B.

Wortwächter

von Akram El Bahay


Herausgeber ‏ : ‎ Ueberreuter Verlag, Kinder- und Jugendbuch
Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 384 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3764151188
Lesealter ‏ : ‎ 11 - 13 Jahre

Klappentext:

Klug, witzig, mitreißend: ein spannender Kinderbuchschmöker vom Feinsten Im verwinkelten Anwesen seines Onkel David gibt es weder Internet noch einen Fernseher, nur jede Menge Bücher – absolut langweilig, findet Tom. Da stößt er im Keller auf etwas höchst Seltsames: eine Buchseite, auf der wie von Zauberhand Worte erscheinen und wieder verschwinden. Sie scheinen genau das zu erzählen, was er gerade sieht, denkt oder tut – und warnen ihn, sich rasch zu verstecken. Tatsächlich: Im selben Moment erscheint ein Fremder und entführt Toms Onkel. Ehe er sich's versieht, steckt Tom in einem Abenteuer, in dem ein alter Geheimbund, die Statuen berühmter Autoren und ein lesehungriges Mädchen eine große Rolle spielen. Vier Rätsel muss er lösen und an weit verstreuten Orten vier Teile einer mächtigen goldenen Feder finden, um großes Unheil zu vermeiden und Onkel David zu retten ...


Zitate aus dem Buch:

Ja, du solltest Angst haben, denn dies ist kein Film, nein, dies sind Worte. Und Worte sind die gefährlichsten Dinge der Welt!
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Selbst in toten Büchern steckt eine ungeheure Magie. Und wenn du einmal von ihr berührt wurdest, lässt sie dich nie mehr los.
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Meine Meinung:

Ich habe dieses Jugendbuch mit großem Vergnügen gelesen. Es war für mich - als etwas ältere Leserin - eine wunderbare Zeitreise durch meine persönliche Lesevergangenheit.
Ich bin vielen bekannten Autorinnen und Autoren begegnet, die mich mehr als einmal an wunderbare Lesestunden mit ihren Büchern erinnert haben.
Mehr als einmal habe ich während des Lesens zu meinem Bücherschrank geschaut und gedacht: ,,Ach ja, dieses Buch könntest du auch mal wieder lesen oder auch nur in die Hand nehmen, weil das Cover so schön ist."
Es wurden beim lesen für mich immer wieder Erinnerungen angekratzt.
Eines muss man dem Autor El Bahay lassen, er schreibt tatsächlich humorvoll und die Handlung ist auch Abwechslungsreich. Nicht immer zum Nägel kauen spannend, aber auch nie zäh oder langweilig.

Der Einstieg in die Geschichte ist schon sehr zum schmunzeln.
Diese magische Seite ist nicht nur eine sehr weise Seite, sondern sie hält dem Hauptdarsteller Tom, ganz gemein einen Spiegel vor Augen. Diese Seite schreibt alles was Tom gerade macht oder denkt in die Handlung eines Buches.
Diese Seite schreibt Toms Lebensgeschichte im Echtzeitmodus und vergisst natürlich nicht zu erwähnen, wann Tom besonders blöd aus der Wäsche schaut.
Jedoch schreibt diese Seite auch lobende Worte, somit überrascht sie nicht nur Tom, sondern auch den Leser der auf diese Feinheiten achtet. Es macht wirklich Spaß die Worte dieser Seite zu lesen, auch wenn sie manches mal ein wenig vom Schreibstil her an Toms berühmten Vorfahren erinnern.
Ein Junge aus unserer Zeit, der Bücher nur für die Schule zur Hand nimmt und ansonsten lieber am PC und Handy herum zappt, wird in eine Welt geworfen in der Autoren und Bücher eine große Rolle spielen.
Dieser Junge muss nun einsehen, dass Bücher und Worte eine große Macht besitzen und einen bleibenden Wert darstellen.
Irgendwann bemerkt dieser Junge auch, welche angenehme Wirkung die Geschichten in Büchern haben.
Jedoch ist es für Tom ein turbulenter und beschwerlicher Weg bis sich ihm diese vielen Weisheiten tatsächlich erschließen.
Immer wieder greift Tom zu seinem Handy um etwas zu googlen, nur um festzustellen, dass sein Handy schon längst einen leeren Akku hat.
Fazit: Eigenes Wissen durch lesen erworben braucht keinen Strom und auch keinen Akku.
Dank der Begleitung von Josefine, ein Buchsüchtiges Mädchen in seinem Alter, kann Tom doch noch den richtigen Weg bei der Suche nach der golden Feder finden.

Nun könnte man vielleicht nach dem Ende des Buches sagen: ,,Na ja, es ist schon etwas einfach und abenteuerlich wie Tom an die verschiedenen Orte dieser Welt gelangt und welch gute Verbindungen er nutzen kann..."
Aber Hallo
Es ist erstens ein Jugendbuch und zweitens ein Fantasiebuch !!!
Da sollte man vielleicht auch nicht die Abenteuer des Bastian Balthasar Bux vergessen oder die Suche von Le Petit Prince. Spannende und tiefsinnige Fantasy vom feinsten für Jung und Alt.

Ein wenig hat mich dieses Buch verzaubert und mir schöne Lesestunden geschenkt.
Gerne werde ich bei Gelegenheit weitere Jugendfantasie Bücher von diesem Autor lesen.

[note1] mit ***
Liebe Grüße Annette

Inge78

Das klingt wirklich gut und ich werde das mal für die Patenkinder im Auge behalten (und vielleicht dann vorher auch selber lesen)
Danke für die Rezi
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Christiane

Annette, das klingt toll! Sowohl zum selbst Lesen als auch zum Verschenken. Du hast das Lesealter angegeben. Ist das Dein Eindruck oder Angabe des Verlages? Könntest Du Dir vorstellen, dass eine junge Vielleserin das auch schon eher mögen würde?
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)

Annette B.

Ja ich war sehr angetan von diesem Buch und auch von den vielen Autorennamen die in diesem Buch erwähnt wurden.

Man muss nicht die Bücher von Shakespeare oder M. Ende und all den anderen erwähnten Autoren gelesen haben um die Handlung zu verstehen.

Diese immer wieder kehrende Bemerkung:
"Das war nicht Shakespeare."
Ist eigentlich eine Art "Running Gag" der sich durch die Handlung zieht, wurde aber wohl nicht von jedem Rezensenten bei Amazon verstanden.  :rollen:

Und genau hier liegt nämlich auch der Hase im Pfeffer beim beurteilen von diesem Buch.
Man liest dieses Buch als Erwachsene unter Garantie mit ganz anderen Gefühlen und Eindrücken, als das die Kids tun.

Ich denke mal, die Altersvorgabe vom Verlag, die ich hier eingefügt habe, ist schon richtig.
Zu jung sollten die Kinder auch nicht sein, denn dann könnten sie mit diesem Abenteuer gar nichts anfangen.
Sie sollten schon verstehen können das Wörter, die in eine Handlung eingefügt, geändert oder gelöscht werden, über Gut und Böse entscheiden können oder auch über Leben und Tod von Hauptpersonen.
Ich würde mal sagen, frühestens ab 10 Jahren wäre wohl das Verständnis für dieses Buch vorhanden. Es gibt eine sehr zarte Liebesgeschichte und natürlich auch nette Leute die sich als böse entpuppen und die Erklärungen zum Geheimbund sind manches mal auch etwas länger.
Dafür sollten die Kinder dann schon das Interesse aufbringen beim lesen.

Ich war halt hin und wieder über die Sprache und die tiefsinnigen Sätze erstaunt, die ich auch gerne zweimal gelesen habe - wie eben diese beiden Zitate die ich hier eingefügt habe.

Ich glaube den Kids würden diese Sätze gar nicht so toll erscheinen, denn sie werden in einer spannenden Szene gesagt und von diesen Sätzen gibt es noch einige mehr im Buch.

Ich weiß nicht ob man diese Geschichte nun mit Cornelia Funke oder Michael Ende vergleichen kann. Diese Vergleiche passen nicht so richtig, aber für mich passte diese Geschichte einfach wunderbar, weil die Idee so toll war und auch gut umgesetzt wurde.

Es ist vielleicht eines Tages ein echter El Bahay von dem viele Erwachsene dann schwärmen und als gutes Jugendbuch bezeichnen.    :nixweiss1:
Mal abwarten.  :zwinker:


Liebe Grüße Annette

Christiane

Vielen Dank für Deine Erläuterung. So kann ich nochmal eher sehen, in welcher Liga das Buch mitspielt.
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
Ray Bradbury (1920 - 2012)

Marja

Ich finde auch, das Buch klingt toll. Ich liebe Bücher, in denen Bücher eine wichtige Rolle spielen - vor allem solche, die man als Kind gelesen hat. Damals konnten Bücher noch viel leichter zu Freunden werden, ich habe sie immer wieder gelesen (gut, ich kam auch nicht ständig an neues Lesefutter, Büchereien auf dem Land sind doch etwas kleiner  :->).
Deswegen steht "Wortwächter" jetzt ganz oben auf meiner Wunschliste.