Marie Sabine Roger: Heute beginnt der Rest des Lebens

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Offline Kathrin

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Marie Sabine Roger: Heute beginnt der Rest des Lebens
« am: 12. Oktober 2021, 17:16:49 »
Inhalt:
Es ist Mortimers 36. Geburtstag, und er wird heute sterben. So wie alle Männer aus seiner Familie mit 36 gestorben sind, immer um 11 Uhr vormittags, zurückzuverfolgen bis ins Jahr 1623. Völlig unerwartet bleibt Mortimer jedoch am Leben. Bloß: Was nun? Job und Wohnung sind gekündigt, und bisher hat er keinerlei Ziele oder Ambitionen gehabt. Nun muss er also lernen zu leben. Zum Glück unterstützen ihn Nassardine und Paquita, die einen Crêpe-Stand an der Ecke betreiben. Und dann gibt es da auch noch Jasmine, die seltsame Hüte entwirft und manchmal auf Parkbänken zu weinen anfängt, damit es ihren Mitmenschen besser geht ...

Meine Meinung:
„Da siehst du’s, mein Sohn. Die Medizin mag zwar jeden Tag neue Fortschritte machen, aber gegen Blödheit hat sie noch kein Mittel gefunden. Wenn man sieht wie viele Leute davon betroffen sind, würde es sich doch lohnen, dafür ein paar Forschungsgelder locker zu machen.“

Dies ist eine der Weisheiten von Nassardine, die er seinem „Ersatzsohn“ Mortimer und auch uns Lesern gerne mal mit auf den Weg gibt in dem Roman „Heute beginnt der Rest des Lebens,“ geschrieben von Marie Sabine Roger. Und genau auf solche Menschen wie Nassardine und seine Frau Paquita habe ich gehofft, als ich fix und fertig mit den Nerven (aufgrund der vorherigen Lektüre) zur Buchhändlerin meines Vertrauens in den Laden gestürmt bin und sagte, dass ich was „für die Seele“ brauche und zwar am liebsten von der französischen Autorin, die ich mit „Der Poet der kleinen Dinge“ dank meiner Buchhändlerin erst vor wenigen Monaten für mich entdeckt habe.

Ich war mir sicher, dass mir die Autorin auch mit ihren anderen Geschichten Wohlfühlmomente schenken würde. Und auch hier hat sie mich mit ihrem sehr schönen, sehr warmherzigen Schreibstil überzeugen können, ein Schreibstil der sich gerne in ihren Figuren manifestiert. Nur leider war die Geschichte der Hauptfigur Mortimer nur bedingt etwas für mich. Das Buch beginnt mit seinem 36. Geburtstag, dem Tag an dem er sterben wird, so wie alle seine männlichen Vorfahren an ihrem 36. Geburtstag gestorben sind und das schon über Jahrhunderte hinweg. Aber er stirbt nicht und muss nun einen Weg zurück ins Leben finden, wobei ihm seine Nachbarn und „Ersatzeltern“ mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Autorin ein Händchen für ihre Figuren hat, aber bei Mortimer hat sie versagt. Den fand ich recht nervig und eigentlich war er mich auch egal, weil ich viel lieber bei Nassardine und Paquita sein wollte. Denn diese beiden sind nicht nur für Mortimer extrem wichtig, sondern ich empfinde sie auch als Geschenk an uns Leser.

Der Einstieg war echt stark, die Autorin hatte mich nach gefühlt der ersten Seite bereits auf einer rosa-roten Wohlfühl-Watte-Wolke schweben lassen, was aber niemand anderem als Paquita zu verdanken ist, die Mortimer beim Sterben stört und mein Herz im Sturm erobert hat. Während Paquita etwas durch das Leben poltert, ist Nassardine ihr ruhiger Gegenpol, den ich aber nicht weniger liebe als sie. Ich habe es wirklich nicht mit Liebesgeschichten und die von Paquita und Nassardine steht auch gewiss nicht im Vordergrund des Romans, aber ich fühle die beiden und ich fühle die Liebe die sie verbindet. So darf das gerne sein mit dem Liebesgedöns ;-)

Doch auch wenn das Buch mich aus meinem Gefühlschaos rausgeholt hat, das mein vorheriges Buch in mir ausgelöst hat und ich Nassardine und Paquita so sehr liebe, so war diese Geschichte leider nicht mehr als ganz nette Unterhaltung für zwischendurch. Und ich wollte doch so gern wieder begeistert sein.

Bewertung:


Rock the Night!