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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Lannie in 27. Juli 2008, 18:38:40

Titel: Der Geliebte der Königin - Philippa Gregory
Beitrag von: Lannie in 27. Juli 2008, 18:38:40
[isbn]340492293X[/isbn]  Verlag: BLT
ISBN: 978-3-404-92293-2
Seiten: 602
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,95
ET: 05.2008


Kurzbeschreibung

Herbst 1558

Elisabeth I. hat den Thron bestiegen. Die jungfräuliche Königin wird von allen Seiten bedrängt. Heiraten soll sie, einen starken Mann an ihrer Seite haben. Der einzige Mann, den Elisabeth begehrt, ist ihr Jugendfreund Robert Dudley. Doch Sir Robert ist bereits verheiratet...

Meine Meinung


Nachdem ich ,,Die Schwester der Königin" wirklich genossen habe (sieht man einmal davon ab, dass vieles nicht den historischen Tatsachen entspricht), und ich ein großer Fan von Elizabeth I. bin, musste ich ,,Der Geliebte der Königin" unbedingt lesen. Nur leider konnte mich der Roman nicht restlos überzeugen, dafür ist die Handlung und die Darstellung der Figuren einfach zu einseitig.

Sprachlich birgt der Roman keine Herausforderungen, aber er liest sich von der ersten Seite an recht flüssig und angenehm, auch kam ich schnell in die Geschichte rein. Allerdings habe ich mich an der Übersetzung gestört, da einige Personennamen eingedeutscht wurden. Ich bin generell kein Freund davon, Namen ins Deutsche zu übertragen, wenn dies schon unbedingt sein muss, dann aber bitte auch konsequent und nicht wie hier, wo einige Namen eingedeutscht wurden und andere nicht. Nun gut, dafür kann die Autorin nun nichts...

Die Handlung selbst ist zwar gut und auch interessant erzählt, war mir aber ab und an zu einseitig. Wer erwartet, in diesem Roman einiges über die ersten Regierungsjahre Elizabeth I., sowohl innen- als auch außenpolitisch, zu erfahren, wird enttäuscht werden. Zwar streift Philippa Gregory auch politische Bereiche und Ereignisse, allerdings nur im Zusammenhang mit der im Vordergrund stehenden Freundschaft zwischen Elizabeth I. und Robert Dudley. Während die gemeinsame Geschichte der beiden im Vordergrund steht, tritt die Politik deutlich in den Hintergrund und leider wird Elizabeth I. dadurch auf eine verängstigte, vor Liebe blinde und naive Monarchin reduziert, was mir überhaupt nicht zugesagt hat. Auch was die Autorin alles in das enge Verhältnis der beiden rein interpretiert, hat mir nicht immer gefallen, aber das ist eindeutig Geschmackssache. Robert Dudley kommt in meinen Augen recht unsympathisch daher, von seiner tiefen Liebe zur Königin habe ich leider nicht viel gespürt, egal wir oft die Autorin diese betonte.
Neben Elizabeth I. und Robert Dudleys Geschichte, werden die ersten Regierungsjahre auch aus der Sicht Amy Dudleys, Roberts Ehefrau, erzählt. Dabei wechseln sich die Perspektiven stetig ab, was ich manchmal als störend empfunden habe. Amy ist eindeutig die tragischste Figur dieser Geschichte und es ist interessant, einen Blick in ihr Leben zu werfen. Allerdings konnten mich die Amy-Passagen nicht immer fesseln. Wahrscheinlich bin ich dafür zu sehr auf die Königin und ihren Vertrauten Robert Dudley fixiert, da ich seit ,,Die Königin" von Susan Kay große Sympathien für beide hege. Da hat Amy natürlich einen schweren Stand bei mir, zugegeben.
Insgesamt ist die Geschichte aber sehr lebendig und farbenfroh erzählt, die meiste Zeit lief der Roman bei mir als Kopfkino. Auch wenn ich einen tiefer gehenden Roman erwartet habe, wurde ich gut und spannend unterhalten.

Die Darstellung der Protagonisten war mir teilweise zu oberflächlich und eindimensional. Hier hätte ich mir deutlich mehr Tiefe gewünscht. Gerade Elizabeth I. kommt in meinen Augen wirklich sehr schlecht weg, aber vielleicht bin ich da auch zu voreingenommen. Allerdings sind die Figuren äußerst lebendig, so dass ich mich ihnen nicht entziehen und trotz der Oberflächlichkeit ein loses Band zu ihnen knüpfen konnte.

Das Nachwort der Autorin hat mir gut gefallen, da es historische Fakten und künstlerische Freiheiten noch einmal beleuchtet, was mich doch ein wenig besänftigt hat. Begeistert bin ich von der angehängten Bibliographie, zumal (Dank der Übersetzerin) auch extra noch die Werke erwähnt wurden, die in deutscher Übersetzung erschienen sind.

Auch wenn mich ,,Der Geliebte der Königin" nicht restlos überzeugen konnte, werde ich sicherlich wieder zu einem Roman von Philippa Gregory greifen, da es schöne und unterhaltsame Romane sind, wenn auch nicht unbedingt historisch korrekt. Nur werde ich beim nächsten Mal meine Erwartungen ein wenig herunter schrauben.

Meine Bewertung


[note3]
Titel: Re: Der Geliebte der Königin - Philippa Gregory
Beitrag von: Meike in 28. Juli 2008, 20:41:18
Hallo Lannie,
danke für die tolle Rezi  :-B Du hast ja im Akkord Rezis geschrieben, Hochachtung  :flirt:!
Ich hab das Buch auch noch auf dem SUB, werde aber, wie du schriebst, nicht mit zuuu großen Erwartungen ran gehen. Ich habe aber durch deine Rezi "Die Königin" von Susan Kay noch weiter auf meiner WL hoch gesetzt!

Liebe grüße,
Meike
Titel: Re: Der Geliebte der Königin - Philippa Gregory
Beitrag von: Annette B. in 28. Juli 2008, 21:06:15
Hallo Lannie,

du bist im Moment aber wirklich fleissig was das Rezi schreiben angeht!!! Hut ab vor deinem Fleiß.  :schmusen:
Dieses Buch hatte ich auch schon im Auge, aber da ich die Autorin bisher nicht kannte bin ich vorsichtig gewesen und habe immer anderen Büchern den Vorrang gegeben.
Ich denke aber, nach dieser tollen Rezi könnte ich mir das Buch mal gönnen, auch wenn vielleicht vieles nicht ganz korrekt ist in diesem Buch.
Sooo genau muß man es auch nicht immer mit den geschichtlichen Hintergründen nehmen, wir sind ja nicht mehr in der Schule. :zwinker:
Liebe Grüße
Annette
Titel: Re: Der Geliebte der Königin - Philippa Gregory
Beitrag von: Lannie in 29. Juli 2008, 09:39:27
Hallo Ihr Süßen,

na, irgendwann muss ich ja mal meine ganzen Rezis nachholen, aber dank der Akkordarbeit sind sie auch nicht so ausführlich geworden.  :->

@Annette

Ich nehme auch schon lange nicht mehr alles für bare Münze, was in einem historischen Roman steht, schließlich ist es ja ein ROMAN, nicht wahr? Aber das Nachwort der Autorin gibt Aufschluss, warum sie sich für diese Fassung der Geschichte entschieden hat und das fand ich gut. So kann jeder am Ende seine eigenen Schlüsse ziehen. Ich finde, in "Die Schwester der Königin" hat sie die wahrheit weit mehr gebogen als hier.

LG
Lannie