| [isbn]3453351525[/isbn] | | Verlag: Diana Verlag ISBN: 3453351525 Seiten: 719 Ausgabe: Taschenbuch Preis: € 8,95
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Inhalt:Hier werden Sie das Mittelalter sehen und fühlen Ein fesselnder historischer Roman über die Entstehung eines der berühmtesten Baudenkmäler der französischen Gotik. Frankreich um 1241: Einmal in seinem Leben will der Glasmaler Clément etwas schaffen, das der Schönheit Gottes angemessen ist. Und so zieht er mit seiner Familie nach Paris, um an der Erbauung der königlichen Sainte Chapelle mitzuwirken. Doch er wird diesen Traum teuer bezahlen - denn in der Kapelle der Glasmaler begegnet er Thomas, einem alten Widersacher um die Liebe von Cléments heutiger Frau Edwige. Dieser hat die damalige Zurücksetzung nie verwunden - und wittert die Gelegenheit zur Rache ...
Meine Meinung:Ich habe in den letzten Tagen nun mit ,,Die Kapelle der Glasmaler" den zweiten historischen Roman von Kirsten Schützhofer gelesen und bin wie bereits von ,,Die Tochter des Advokaten" wirklich überzeugt von Buch und Autorin, so dass ich mir doch auch direkt Roman Nr. 3 (Die Kalligraphin) bei amazon vorbestellt habe.
,,Die Kapelle der Glasmaler" erzählt in zwei Haupthandlungssträngen zum einen die Geschichte des Glasmalers Clément aus Chartres, der mit seiner Frau Edwige und seinen Töchtern Lise, Jehanne und Margaux auf dem Weg nach Paris ist, um dort beim Bau der Kapelle Sainte-Chapelle seiner Arbeit nachzugehen. Zum anderen wird die Geschichte von Ghislain erzählt, einem Jongleur, der selbst nicht weiß, wo seine familiären Wurzeln liegen und der Familie auf ihrem Weg nach Paris begegnet und eine große Hilfe ist, als sie von einem Wegelagerer überfallen und ausgeraubt werden. Auch wenn sich die Wege von Ghislain und der Glasmaler-Familie leider bald schon wieder trennen, so ist doch ein Erzählstrang so spannend wie der andere, so dass man als Leser eigentlich am liebsten an allen Orten zugleich sein möchte.
Sowohl in der Glasmaler-Familie als auch bei den Nebenfiguren, z.B. der Familie de Lucy sind die einzelnen Schicksale liebevoll ausgearbeitet und erzählt, so dass mir die Figuren sehr nahegekommen sind und es mir schwerfällt, einen besonderen Liebling herauszukristallisieren. Es ist wirklich egal, ob es sich um eine der Hauptfiguren (Jehanne bzw. Ghislain) oder um eine Randfigur wie Etienne und Alissende handelt, irgendwie hat jeder sein Päckchen zu tragen und oft musste ich mit den Tränen kämpfen, weil es einzelne Figuren doch manchmal arg grausam beutelt und sie dieses Schicksal einfach nicht verdient haben. Mein Lieblingscharakter ist jedoch letztlich Alissende de Lucy, vermutlich einfach, weil sie die meisten Facetten bietet und ungeheuer faszinierend und spannend auf mich wirkt. Deshalb war ich dann letztlich mit ihrem Schicksal zum Ende des Buches nicht ganz glücklich, auch wenn es so, wie Kirsten Schützhofer es gestaltet hat, vermutlich die realistischste, wenn auch nicht romantischste Variante war...und solche Worte von mir, einer Nicht-LiRo-Leserin. Auch in den anderen Handlungssträngen schleudert die Autorin nicht mit kitschigen ,,und-sie-lebten-glücklich-und-zufrieden-bis-an-ihr-Lebensende-Happy-Ends" um sich, sondern malt oftmals eine vermeindlich realistischere Variante des 13. Jahrhunderts in Frankreich. Es ist nicht so, dass ich total ernüchtert dieses Buch zur Seite gelegt habe, es ist nur so, dass nicht jeder Bösewicht am Ende des Buches tot ist und nicht jeder positive Charakter die Liebe seines Lebens gefunden hat, was man ihm vielleicht als mitfühlender Leser gewünscht hätte. Das weitere Schicksal ist nicht für alle Charaktere auserzählt worden, es bleibt für den Leser die Möglichkeit, sich seine eigene Version zu erspinnen, wobei ich auch nichts dagegen hätte, irgendwann einmal wieder auf Ghislain, Alissende, Jehanne und Etienne zu treffen.
Kirsten Schützhofer hat in meinen Augen ein besonderes Erzähltalent. Sie legt viel Wert auf vermeindliche Kleinigkeiten, die sich im Hintergrund abspielen (z.B. Hunde, die sich auf der Straße um Essensreste balgen), die für die Handlung zwar nicht wichtig sind, aber das Bild von Paris im 13. Jahrhundert sehr lebendig vor meinen Augen entstehen lassen. Im Gegensatz zu diesem lebendigen Paris, wirken vor allem die Abschnitte, in denen es um die Glasmalerei geht, wie kleine Ruhepole, ein wenig zum zurücklehnen und entspannen und doch sieht man die bunten Gläser und Fenster und Entwürfe sehr farbenfroh vor sich. Ich habe das Gefühl, dass sich die Autorin sehr intensiv mit diesem Beruf beschäftigt und vielleicht sogar selbst ein wenig Lunte gerochen hat. Ich zumindest habe mich mit der Glasmalerei eines Clément nie gelangweilt und konnte mir das alles wunderbar vorstellen. Einziger kleiner Kritikpunkt ist in meinen Augen, dass manche Hinweise und Andeutungen (z.B. in Bezug auf die Rolle der Familie de Lucy, oder Erbschaftsangelegenheiten bei der Familie de Faure) vielleicht etwas zu gut versteckt sind und bei mir teilweise doch ein wenig für Verwirrung gesorgt haben.
Für mich ist das wirklich wieder ein wunderbar gelungener historischer Roman, spannend und doch auch besinnlich, mit fröhlichen aber auch traurigen Momenten, Figuren, die einem sehr schnell ans Herz wachsen, so dass man den Roman kaum aus der Hand legen möchte. Das ganze wird in meinen Augen durch eine Specials am Ende des Buches (Zeittafel, Anmerkungen zu hist. Persönlichkeiten, Glossar und Anmerkungen der Autorin) abgerundet und macht Lust auf mehr Lesestoff von Kirsten Schützhofer.
Bewertung:[note1]
lg
kathrin