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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 10. September 2008, 12:37:04

Titel: Die Glasmalerin - Eric Walz
Beitrag von: Kathrin in 10. September 2008, 12:37:04
[isbn]9783442367184[/isbn]    Verlag: blanvalet
ISBN: 9783442367184
Seiten: 431
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,00


Inhalt:
Mitten im hektischen Treiben des Trienter Konzils im Oktober 1551 verliebt sich die Ulmer Glasmalerin Antonia Bender völlig unstandesgemäß: ausgerechnet in den jungen Jesuiten Sandro. Eine unmögliche Liebe - denn Sandro ist nicht nur der Halbbruder von Antonias langjährigem Verehrer Matthias, dem mächtigen Abgesandten des württembergischen Herzogs, er soll auch einen Bischofsmörder aufspüren. Daher ist Antonia froh, in der Kurtisane Carlotta eine Freundin in der fremden Stadt gefunden zu haben. Was Antonia nicht weiß: Carlotta ist nur aus einem einzigen Grund nach Trient gekommen: Sie hat vor, den Sohn des Papstes zu töten ... So bunt, farbenprächtig und detailreich wie die Glasfenster im Dom zu Trient.

Meine Meinung:
Nachdem es jetzt schon wieder ein paar Tage her ist, dass ich meinen zweiten Eric Walz-Roman beendet habe, komme ich nun endlich dazu, meine (etwas lang geratene) Meinung zu dem historischen Krimi ,,Die Glasmalerin" zu schreiben und ich kann gleich zu Beginn schon mal sagen: Danke Eric Walz, das war ein Buch voll und ganz nach meinem Geschmack!

Von der ersten Seite an hat mich das Buch gefesselt, ich habe die Seiten und die Geschichte regelrecht inhaliert und zwischenzeitlich war ich so nah an den Figuren dran, dass ich meinte, sie riechen zu können und nur noch die Hand ausstrecken zu müssen, um sie zu berühren. Und ich hatte mehr als einmal das Gefühl, in das Buch reinkriechen zu müssen, um den Hauptfiguren noch näher zu kommen und noch mehr über sie zu erfahren. Gleich zu Beginn bekommen wir einige Hinweise auf ihre Vergangenheit und sehr schnell verweben sich die einzelnen Handlungsstränge miteinander. Da haben wir die Hure Carlotta, die den Sohn des Papstes umbringen will und wohl die letzte Besucherin beim später ermordeten Bischof Bertoni war, wodurch sie zur ersten Tatverdächtigen wird. Gleichzeitig scheint Carlotta auch mit dem Glasmaler Hieronymus, Antonias Vater, anzubandeln. Antonia, selbst in die Fußstapfen ihres Vaters getreten, lernt den Jesuiten Sandro kennen, der wiederum mit der Klärung des Mordes an Bertani beauftragt wird. Hinzukommt, dass Antonia und Sandro, zunächst ohne es zu wissen, einen gemeinsamen Bekannten haben, Matthias Hagen. Für Antonia scheint es mehr als nur ein Kinderfreund gewesen zu sein, Sandro hingegen ist Matthias' Halbbruder. Und der gute Matthias ist Gesandter des württembergischen Fürsten und ein eher radikaler Protestant und hätte vermutlich beim Konzil mit dem ermordeten Bischof das ein oder andere Wortgefecht gehabt, wenn denn der Bischof nicht umgebracht worden wäre...Sehr interessant, diese ganzen Verwicklungen und ungeheuer fesselnd!

Auch wenn ich nicht so häufig Krimis lese, so kann ich hier zu dem Mord doch sagen, dass ich ihn ziemlich spannend fand und eigentlich von Anfang an ein eher ein kirchenpolitisches Motiv hinter der Tat vermutet habe, zumal es da auch den ein oder anderen Kirchenmann oder Vertreter gab, dem man zutraut, über Leichen zu gehen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Letzten Endes hat mich der Autor mit der endgültigen Auflösung des Falles total überrascht, diesen Täter hatte ich persönlich gar nicht auf der Rechnung. Prima, wenn man bis zum Schluss schön im Dunkeln tappt, denn bei einem Krimi dem Täter schnell auf die Schliche zu kommen wäre ja nun doch eher unspannend.

Viel wichtiger jedoch als die Klärung des Mordfalls, war für mich die Frage, wie es mit den einzelnen Figuren weitergehen wird? Die tief empfundene Verbundenheit mit den Figuren gepaart mit einigen wunderbar, tiefen, ruhigen Wohlfühlmomenten, wie ich sie bei ,,Die Herrin der Päpste" noch vermisst habe, haben dem Buch wirklich eine tolle Atmosphäre gegeben und mir auch ein paar Mal die Tränen in die Augen getrieben bzw. wohlige Schauer über den Rücken gejagt. Schön, dass es solche Momente gab und ich hätte wirklich gerne noch viel mehr davon gehabt! Gerade auch die Momente, in denen sich Antonia und Sandro ganz zaghaft näher zu kommen scheinen, waren wunderbar, denn vor allem bei Sandro merkt man diese Zerrissenheit zwischen Antonia und seinem Leben als Jesuit doch sehr. In meinen Augen wären Antonia und Sandro ein wunderbares Paar, auch wenn ich so einen wunderbaren Menschen wie Sandro den Hilfebedürftigen, Armen und Kranken nicht wegnehmen wollte. In seiner Aufgabe, sich um die Menschen zu kümmern, scheint Sandro seine Berufung gefunden zu haben, er hat da einfach ein Händchen für. So jemanden wie Sandro wünscht man sich für das eigene Leben, die eigene Gemeinde, dann würde vielleicht auch bei mir der Glaube und die Kirche wieder einen wichtigeren Stellenwert haben. Allerdings weiß ich nicht, ob ich den alten Sandro gemocht hätte, so ein verwöhntes, reiches Muttersöhnchen, aus gutem Haus, dem alles in den Schoß gefallen ist. Aber das ist ja auch nur gut so, dass auch dieser ,,Engel" seine Schattenseiten und Probleme hat bzw. hatte.

Auch die beiden weiblichen Hauptfiguren sind mir sehr ans Herz gewachsen. Antonia hat eine wunderbar aufgeschlossene, freizügige, sinnliche Lebensweise, gerade auch ihre Einstellung zu Männern war wohl für die damalige Zeit eher ungewöhnlich. Vielleicht ist Antonia dem ein oder anderen Leser zu modern geartet, mir persönlich hat sie gefallen, weil sie einfach herrlich anders und total unkonventionell ist, wie man sie nicht oft antrifft in hist. Romanen. Gerade auch ihre Zusammenspiel mit Carlotta, der Hure, die zarte Bande mit Antonias Vater knüpft, und ihre herrlichen Dialoge, so von Frau zu Frau,  finde ich großartig. Die zwei scheinen sich echt gesucht und gefunden zu haben, da kann man nur hoffen, dass sich die Beziehung zwischen Carlotta und Antonias Vater weiterentwickeln darf, das würde auch einer 30-jährigen Antonia gut tun.

Grundsätzlich ist es mir ziemlich schwer gefallen, einen Liebling aus den ganzen Figuren herauszukristallisieren, denn auch die Bösewichte und Randfiguren sind gut gelungen. Zwar hat von den Bösewichten keiner eine Chance, zu meinem Lieblingscharakter zu werden, aber immerhin sind sie clever und schlau und teilweise kann sogar eine klitzekleine Spur von Mitleid für den einen aufkommen. Bei den Randfiguren ist das schon etwas anderes, denn gerade Sandros Helfer, der junge Aaron (vorlaut, übereifrig, forsch) und auch Forli fand ich in ihrer Art einfach nur genial. Da hoffe ich sehr auf ein Wiedersehen in ,,Die Hure von Rom".

Und ich freue mich nicht nur auf das Wiedersehen mit Forli und hoffentlich auch Aaron, sondern natürlich auch auf das Wiedersehen mit Antonia, Sandro und Carlotta, denn das Ende von ,,Die Glasmalerin" lässt noch einigen Spielraum, wie es mit den Hauptfiguren weitergehen könnte. Und auch wenn es diesen Spielraum und die Frage, wie es wohl weitergehen wird, gibt, so wirkt das Ende doch rund auf mich, denn die Figuren reagieren so, wie es zu ihnen und ihren Geschichten passt und wie es realistisch erscheint. Und das ist auch gut so, denn eine heile Welt, wie hinter einer rosaroten Brille hätte einfach nicht gepasst.

Es tut wirklich gut, nach einigen Wochen, in denen ich nicht gut geschlafen habe, morgens in der Arbeit müde zu sein und einem Autor die Schuld dafür in die Schuhe schieben zu können, einfach weil er ein tolles Buch geschrieben hat, das mich nicht losgelassen hat!

Bewertung:
[note1]

lg
kathrin
Titel: Re: Die Glasmalerin - Eric Walz
Beitrag von: Mobi in 18. September 2008, 16:18:13
Hallo,

hier meine Meinung:

Zum Konzil versammeln sich viele Personen in Trient, die alle ihre versteckten Motive und manche eine geheimnisvolle Vergangenheit haben. Die politische Situation ist brisant, denn der Konzil ist die letzte Chance für eine Wiedervereinigung der katholischen Kirche mit den Protestanten. Es wird ein Bischof tot gefunden und ein jesuitischer Mönch soll ermitteln, während die Hure Carlotta den Sohn des Papstes töten will.

Eric Walz zeichnet ein farbenfrohes Bild der Stadt und der politischen Intrigen. Auch die Charaktere haben mir gut gefallen, jeder war lebensecht beschrieben und hatte seine Eigenheiten. Durch geschickte Hinweise auf die Vergangenheit der Figuren wird die Geschichte nicht nur durch die Morde und Intrigen spannend.

Es hat mich leicht gestört, dass einige Szenen im Präsens und nicht wie der Rest im Imperfekt geschrieben wurden. Außerdem hätte es mir bessergefallen, wenn persönliche Gedanken der Figuren in den Text eingearbeitet gewesen wären und nicht als Tagebucheintrag oder Andacht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, vor allem weil mich der Autor bezüglich des Mordfalls am Schluss total überraschen konnte, denn diese Wendung hätte ich nie erwartet.

[note2]

LG, Mobi