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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 18. September 2008, 15:13:09

Titel: Die Ungehorsame - Andrea Schacht
Beitrag von: Kathrin in 18. September 2008, 15:13:09
(http://www.weltbild.de/media/ab/1/011/755/011.755.476.jpg)    Verlag: Weltbild
ISBN: 9783828992672
Seiten: 441
Ausgabe: Hardcover


Inhalt:
Bedeutungsschwanger bebt im Mai 1842 die Erde, als sich der Landvermesser Hendryk Mansel und die Aktionärstochter Leonie Gutermann das Jawort geben, denn beide Ehepartner bringen mysteriöse Geheimnisse in die Ehe ein. Woher stammt zum Beispiel die Narbe auf Leonies Bauch und welche Ereignisse verbergen sich hinter Hendryks Legionärszeiten? Und wer sind die neunjährigen Zwillinge, die Hendryk unbedingt in seinem Haushalt aufnehmen will? Doch angesichts der Bedrohung durch einen ägyptischen Geheimbund kommen sich Leonie und Hendryk mit der Zeit sowohl gegenseitig näher als auch den jeweiligen Geheimnissen auf die Spur......

Meine Meinung:
Nachdem ich im Frühjahr bereits ,,Göttertrank" von Andrea Schacht inklusive Unmengen an Schokolade und heißem Kakao verschlungen habe, habe ich nun auch mit ,,Die Ungehorsame" meinen zweiten Andrea-Schacht Roman beendet und mit meine persönliche Autoren-Neuentdeckung des Jahres gemacht und bestätigt bekommen, auch wenn mir der Einstieg in das Buch, vermutlich aber auch wg. meiner extremen Müdigkeit und Schlappheit, erst einmal etwas schwer gefallen ist.

Das Buch erzählt die Geschichte von Leonie, Tochter aus einem gut bürgerlichem, katholischen Haushalt, die mit knapp 30 Jahren Hendryk Mansel heiratet, den sie kaum kennt. Leonie scheint froh zu sein, aus dem elterlichen Haushalt ,,entkommen" zu können, nur warum? Auch Hendryk Mansel hat wohl das ein oder andere Geheimnis aus seiner Vergangenheit mit in die Ehe gebracht, u.a. auch die Zwillinge Ursel und Lennard, nur wer sind die Kinder und wie steht Hendryk zu ihnen. Immer wieder streut die Autorin Kapitel aus vergangenen Tagen ein, die von einem jungen Mann handeln, der in Nordafrika gefangen und misshandelt worden ist. Schnell keimte da der Verdacht in mir auf, dass es sich bei diesem jungen Mann um unseren Hendryk handeln könnte, insofern war da natürlich schon ein gewisser Grad an Neugierde meinerseits, wie diese Vergangenheits-Kapitel in die gegenwärtige Haupthandlung zu verweben sind.

Allerdings muss ich gestehen, waren diese Kapitel für mich dann doch irgendwie eher nebensächlich, denn alles was mich interessiert hat, waren Hendryk und Leonie und ob sie es irgendwann schaffen würden zusammenzuwachsen. Und das sage ausgerechnet ich, wo ich es doch mit Liebesgeschichten in Büchern gar nicht so habe, jedenfalls nicht als LiRo verpackt, wenn dann als nettes Beiwerk. Aber hier in diesem Roman waren die Szenen, die innerhalb der Familie spielen, also rund um Leonie, Hendryk und die Zwillinge, die Highlights schlechthin. Andrea Schacht hat ein wunderschön herzliches, warmes Zuhause geschaffen und es war wunderbar zu beobachten, wie die vier zusammenwachsen und anfangen einander zu vertrauen. Das Ganze wurde von der Autorin immer wieder mit einem wunderbaren Humor versehen, der gerade in den Szenen mit den Zwillingen aufblitzte und mich sehr oft schmunzeln lies. Schön hierbei fand ich vor allem, dass Andrea Schacht dieses Zusammenwachsen der Familie behutsam, langsam und somit auch realistisch geschildert hat. So sind mir Hendryk und Leonie zu Beginn nicht wirklich sympathisch. Ich hatte zwar aus einem Bauchgefühl heraus direkt Mitleid mit Leonie und Hendryk hatte auf Grund seines Verhaltens den Zwillingen ggü. schnell einen Stein bei mir im Brett, aber dennoch fand ich beide teilweise sehr kühl und distanziert, Hendryk herrisch Leonie gegenüber und Leonie herrisch den Zwillingen gegenüber. Aber die Zwillinge, die sehr schnell meine persönlichen Lieblinge des Romans wurden, haben nicht nur mein, sondern auch Leonies Herz erobert! Mit Hilfe der Zwillinge spielten sich Leonie und Hendryk, je weiter ich in dem Roman kam, immer mehr in mein Herz, gerade Leonie hatte wirklich grandiose Szenen!!! Ach und Hendryk, der hatte schon was Ritterliches an sich *hach*.

Neben den Hauptfiguren der Familie Mansel gibt es aber auch bei den Nebenfiguren einige Persönlichkeiten, die mir sehr wichtig und schnell ans Herz gewachsen sind. Andrea Schacht entwirft Figuren, mit denen man sich wohlfühlt die man gerne kennenlernen möchte, weshalb dann auch der Abschied am Ende des Buches schon schwer fällt. Allerdings waren die vielen Schauplätze und Handlungen und vor allem die vielen vermeintlichen Nebenfiguren, gerade zu Beginn für mich so gut wie gar nicht zuzuordnen und die hochwohlgeborenen Persönlichkeiten der Gesellschaft habe ich anfangs wild durcheinander geschmissen. Apropos hochwohlgeborenen Gesellschaft: ich finde Andrea Schacht hat ein sehr lebendiges und realistisches Bild der Gesellschaft entworfen und die gesellschaftlichen Umgangsformen sehr glaubhaft rübergebracht, selbst wenn ein ,,Siezen" zwischen den Ehepartnern uns modernen Menschen etwas verschroben und unnahbar vorkommen mag. Aber so war es wohl einfach zu dieser Zeit.

Wie bereits eingangs erwähnt habe ich mit Andrea Schacht meine persönliche Neuentdeckung 2008 gemacht. ,,Die Ungehorsame" ist für mich ein absolutes Wohlfühlbuch, dass man nur schwer aus der Hand legen kann, auch wenn mir ehrlich gesagt ein Hardcover von Blanvalet etwas lieber gewesen wäre als die Hardcover-Weltbild Ausgabe. Aber das hat rein optische Gründe für mein Bücherregal.

Bewertung:
[note1]

lg
kathrin