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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Lannie in 24. Oktober 2008, 14:43:11

Titel: Die Glocken von Vineta - Charlotte Lyne
Beitrag von: Lannie in 24. Oktober 2008, 14:43:11
[isbn]978-3-442-36716-0[/isbn]  Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-442-36716-0
Seiten: 672
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 11.2007
Preis: € 12,00

Kurzbeschreibung

Vineta im 12. Jahrhundert

Die Perle der Ostsee – eine stolze, reiche Stadt voller Gegensätze. Hier wachsen die Zwillinge Warti und Bole als Söhne eines vermögenden Bernsteinhändlers heran. Als ihr Vater bei einem Schiffsunglück ertrinkt, tritt Warti als der Ältere das Erbe an, während Bole sich als Fischhändler verdingt. Nach einer verheerenden Sturmflut, die Bole um Hab und Gut bringt, heuert er als Spitzel für den verfeindeten dänischen Hof an. Die Rivalität der Brüder droht zu eskalieren, als Bole sich zu Wartis schöner Frau Natalia hingezogen fühlt. Und ihr Kampf um Liebe und Einfluss soll zu einem Ringen um Leben und Tod für die ganze Stadt werden ...


Meine Meinung

,,Die Glocken von Vineta" ist der Debütroman von Charlotte Lyne und nach ,,Die zwölfte Nacht" der zweite, den ich von dieser viel versprechenden Autorin gelesen habe. Zwar konnte das Debüt nicht ganz an ,,Die zwölfte Nacht" heran reichen, ist allerdings immer noch ein wirklich gutes, spannendes und bewegendes Buch.

Sprachlich hat mir dieser Roman äußerst gut gefallen. Er ist wirklich schön geschrieben und es ist schwierig, sich von diesem Buch zu lösen. Der Prolog beginnt schon äußerst viel versprechend und macht neugierig auf die weitere Handlung. Und, ich wurde keineswegs enttäuscht.

Ich hatte keinerlei Vorkenntnisse vom historischen Vineta, aber Charlotte Lyne hat für mich eine Geschichte gewoben, die sich tatsächlich so zugetragen haben könnte. Das hat mich wirklich beeindruckt und mich stark an das Buch gefesselt. Die wunderbare Sprache, zusammen mit den großartigen, bildhaften Beschreibungen, konnten mich ohne Schwierigkeiten an die Ostsee des 12. Jahrhunderts versetzen. Dabei lief der Roman wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab, gestochen scharf, realistisch und tief bewegend. Die Handlung ist spannend aufgebaut und mit wirklich überraschenden Ereignissen gespickt. Mehr als einmal wurde ich von den Wendungen eiskalt und unvorbereitet erwischt und sie ließen mich oft erschüttert und grübelnd zurück.
Allerdings war ich mit dem Ende nicht ganz zufrieden und dabei geht es nicht darum, wie der Roman endet, denn damit konnte ich wirklich gut leben, sondern vielmehr darum, dass es mir zu unvermittelt und zu kurz war. Ich hätte mir den Schluss einfach etwas detaillierter, ausführlicher gewünscht, auch wenn ich mir vorstellen kann, warum die Autorin gerade dieses schnelle Finale gewählt hat.

Die Figuren sind äußerst facettenreich, interessant, lebendig und absolut glaubwürdig. Charlotte Lyne beweist schon in ihrem Debutroman, dass sie ein glückliches Händchen bei der Ausgestaltung ihrer Figuren besitzt. Keiner der Pro- und Antagonisten wurde nach Schema F zusammen gestückelt, jeder Charakter ist einzigartig und etwas Besonderes. Mit Liebe zum Detail und  auch mit viel Mut, schafft die Autorin Figuren, die sowohl Sympathien, als auch starke Abneigungen hervor rufen. Aber ganz gleich wie sie sich charakterlich darstellen, ihr Handeln konnte ich zumindest (dank der großartigen Charakterisierungen) immer nachvollziehen. Und als wäre das noch nicht ausreichend, gibt Charlotte Lyne ihren Figuren ausreichend Raum, um sich weiter zu entwickeln, sich zu verändern, sei es nun zum Guten oder zum Schlechten. Vor allem Bole, der so krasse Veränderungen durchmacht, hat mich als Charakter tief beeindruckt. Warti, für mich die tragischste Figur, und die beeindruckende, undurchsichtige, aber liebenswerte Natalia mochte ich auf Anhieb und es war sehr bewegend und auch ab und an tränenreich, sie durch ihr Leben zu begleiten. Nur in einer einzigen Szene konnte ich mit der plötzlichen Entwicklung Natalias nicht besonders gut leben. Sie kam zu plötzlich und war für mich bis zum Schluss leider nicht nachvollziehbar. Hier fehlte mir ein wenig mehr Tiefgründigkeit, mehr Psychologie und vor allem Natalias Gedanken- und Gefühlswelt. Aber ansonsten habe ich Natalia auf ihrem Lebensweg mit großer Anteilnahme begleitet und Charlotte Lyne hat es geschafft, mir die Protagonisten so nahe zu bringen, dass ich am Ende nicht von ihr lassen wollte.

Ich kann dieses Buch jedem Freund historischer Romane wärmstens empfehlen. Durch die Unvorhersehbarkeit und die mutige Handlung, die die Autorin geschaffen hat, und dank ihrer wunderbaren Figuren, ist ,,Die Glocken von Vineta" etwas wirklich Besonderes. Hier und da hat es vielleicht einige kleine Schwächen, aber die verzeiht man Charlotte Lyne gerne. Karten, Glossar, Übersetzung der lateinischen Sätze, sowie ein ausführliches Nachwort der Autorin runden das Buch wunderbar ab.

Bewertung

[note2]
Titel: Re: Die Glocken von Vineta - Charlotte Lyne
Beitrag von: DG7NCA in 24. Februar 2009, 19:29:44
So hier nun meine Meinung dazu.

Mich hat "Vineta" als Handlungsort angesprochen, darum habe ich mir das Buch in erster Linie gekauft, da ich archäologisch sehr daran interessiert bin.
Charlotte Lynn`s kraftvoller, ungekünstelter Erzählstil war so, das er mich von Anfang an in den Bann zog. Die Figuren die sie erschaffen hat sind nicht lieb und nett, sondern haben Ecken und Kanten, sind nicht logisch und einfach. Manche, obwohl nicht Hauptfiguren, drücken der Geschichte doch ihren Stempel auf.
Die Verbindungen, Entwicklungen und das über viele Jahre geschilderte Leben der Romanfiguren zeichnet ein Bild der damaligen Zeit ohne zu heroisieren und ins Klischee zu verfallen.
Zum Beispiel der "biblische" Kampf der beiden Brüder der sich immer wieder Hochschaukelt.

Und über dem Leben der Figuren, wie ein Damoklesschwert der "Blanke Hans", die Urgewalten der Natur die alles bestimmt, von der Leben und Tod abhängt.

Manches kam mir aber auch zu spät oder kurz, z. B. als Natalia ihre Sprache wieder erlangt. Der Anstoß dazu war mir zuwenig "traumatisch" obwohl der Grund warum sie sie verloren hat sehr intensiv unter die Haut ging!

Auch die Historie fiel mir an manchen Stellen zu oberflächlich aus und die Einflechtung historischer Personen, welche nur angedeutet wurden. Das ist aber meine Subjektive Meinung weil ich geschichtlich da mehr in Erinnerung habe.
Und höchst wahrscheinlich wären es dann locker mal 150-200 Seiten mehr geworden.

Alles in allem hat mich das Buch gefesselt und in seinen Bann gezogen. Vor meinen Augen tauchte Vineta aus den Fluten auf und die Menschen zeigten sich mir in all ihren Facetten. An manchen Passagen stellten sich mir die Haare an den Armen auf und ich fühlte den Schmerz genauso mit wie die Freude.

Meine Bewertung [note2+]
Titel: Re: Die Glocken von Vineta - Charlotte Lyne
Beitrag von: El ratón de biblioteca in 17. Juli 2009, 21:47:21
utor: Lyne, Charlotte
Titel: Die Glocken von Vineta
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 2007 / 12
Seiten: 668
ISBN-10: 3442367166
ISBN-13: 978-3442367160
Cover: PB
Preis: 12,00 €


Inhaltsangabe:



Zitat:
Vineta im 12. Jahrhundert: die Perle der Ostsee - eine stolze, reiche Stadt voller Gegensätze. Hier wachsen die Zwillinge Warti und Bole als Söhne eines vermögenden Bernsteinhändlers heran. Als ihr Vater bei einem Schiffsunglück ertrinkt, tritt Warti als der Ältere das Erbe an, während Bole sich als Fischhändler verdingt. Nach einer verheerenden Sturmflut, die Bole um Hab und Gut bringt, heuert er als Spitzel für den verfeindeten dänischen Hof an. Die Rivalität der Brüder droht zu eskalieren, als Bole sich zu Wartis schöner Frau Natalia hingezogen fühlt. Und ihr Kampf um Liebe und Einfluss soll zu einem Ringen um Leben und Tod für die ganze Stadt werden

Quelle: Amazon .de

Meine Meinung:

Dies Buch habe ich signiert von der Autorin gewonnen und im Rahmen einer Leserunde gelesen. Es ist das Erstlingswerk der Autorin.
Und ich bin wirklich gespannt wie ihr zweiter Roman ist, denn dieser Roman ist in meinen Augen schon spitze.

Natalia wird als kleines Mädchen verschleppt und muss vorher zusehen wie ihre ganze Familie niedergemetzelt wird. Sie kommt in den Dienst bei einem russischen Bojaren und muss in der Küche arbeiten. Natalia spricht nicht ein Wort und lässt keine menschlichen Gefühle an sich heran. Menschen zu denen sie so was wie Zuneigung fasst verschwinden auf nimmer wieder sehen und die Männer in der Gesellschaft des Bojaren sehen nur ihre Gelüstobjekte in den Dienstmädchen.
Ein Kaufmann aus dem Sagenumwobenen Vineta verliebt sich in Natalia und kauft sie dem Bojaren ab.
So wird Natalia die Ehefrau eines Kaufmanns und Stadthalter, der nur gut zu ihr ist. Das muss Natalia nun erst mal verarbeiten zu leben ohne Hunger, Kälte und Schläge.
Der flüssige Schreibstil verführt einem dazu dies Buch erst aus der Hand zu legen wenn es gar nicht mehr anders geht. Die Beschreibungen der Umgebung so wie Land und Leute sind sehr schön ausgearbeitet und man lernt diese Dinge einfach lieben.
Natürlich gibt es hier auch die ,, bösen" die hier in weiblicher Natur auftreten und immer wieder möchte man diese Protagonisten zum Teufel jagen.
Alle Hauptprotagonisten werden einem sehr schön vorgestellt und die Entwicklung der einzelnen ist gut nachzuvollziehen.
Dies war unter den Erstlingswerken die ich in letzter Zeit gelesen habe einwandfrei einer der besten. Und diese Autoren habe ich mir natürlich vorgemerkt da ja schon bald der zweite Roman erscheinen wird.

Von mir eine volle Empfehlung, denn dies Buch lohnt sich wirklich für Freunde der historischen Romane


Dies Buch erhält 5 von 5 Sternen von mir

[note1]