| [isbn]978-3-442-46503-3[/isbn] | | Verlag: Goldmann ISBN: 978-3-442-46503-3 Seiten: 416 Ausgabe: Taschenbuch Preis: € 8,95 ET: 02.2008 |
KurzbeschreibungEmily hat die Nase voll von Männern, die entweder inakzeptabel sind, Angst vor Beziehungen haben oder noch bei Mama wohnen. Dabei will sie doch nur einen netten, gut aussehenden Mann mit Charme und Manieren. Ist das denn so schwer zu finden? Im wahren Leben anscheinend schon. In der Phantasie jedoch hat Emily ihren Traummann längst gefunden: Mr. Darcy aus Jane Austens Roman ,,Stolz und Vorurteil". Verglichen mit dem Journalisten, den Emily auf einer Englandreise kennen lernt, ist Darcy einfach perfekt. Aber ist die Phantasie wirklich besser als die Wirklichkeit?
Meine MeinungAls großer ,,Stolz und Vorurteil"-Fan konnte ich letztendlich nicht an diesem Roman vorbei gehen, obwohl er nicht zu meinen bevorzugten Genres zählt. Nachdem ich mit einem anderen Roman nicht so recht warm werden wollte, schob ich kurzerhand ,,Ein Mann wie Mr. Darcy" dazwischen, und musste schnell feststellen, dass auch meine Alternativ-Lektüre nicht gerade berauschend ist.
Ich hatte leider deutlich mehr von diesem Roman erwartet. Vor allem inhaltlich, aber auch sprachlich. Es liest sich wirklich gut und flüssig weg, und es gibt auch keine Durststrecken, das muss ich dem Buch positiv anrechnen. Man wird leicht, oberflächlich, aber nett unterhalten. Zwar habe ich gerade zu Beginn reichlich und herzlich gelacht, in vielen Details konnte ich mich wiederfinden, aber diese anfängliche Begeisterung ließ nach etwa siebzig Seiten schlagartig nach. Der Roman wurde platt, vorhersehbar und dann auch noch magisch-mysteriös, so dass die Handlung letztendlich wenig überzeugend und vor allem unglaubwürdig wurde.
Hin und wieder kann man zwar heraus lesen, dass Alexandra Potter in diesem Roman versucht hat, die gleiche Entwicklung der Figuren und der Ereignisse aus ,,Stolz und Vorurteil" auf ihre Protagonisten und Handlung zu projizieren, aber wirklich gelungen ist es ihr nicht. In so manchen Szenen hatte ich leider sogar das Gefühl, dass die Autorin Jane Austens Roman durch den Kakao zieht.
Das Ende war unsagbar dick und unglaubwürdig aufgetragen. Die vermeintlich witzige und originelle Überraschung des Finales hätte mich das Buch beinahe in die Ecke pfeffern lassen. Glück für die Autorin, dass es eh zu Ende war, ansonsten hätte ich bei diesen phantastischen Übertreibungen das Buch spätestens abgebrochen.
Die Figuren sind leider recht eindimensional. Em ist in ihren Handlungen meistens absolut vorhersehbar und die netten alten Damen hätten faszinieren können, hätte sich die Autorin sich die Mühe gemacht, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Begeistern konnten mich die vielen flachen Charaktere leider nicht.
Da ich "Stolz und Vorurteil" liebe, profitiert ,,Ein Mann wie Mr. Darcy" am Ende davon und bekommt noch eine recht hohe (eher unverdiente) Bewertung.
Bewertung[note3-]
Ich habe diesen Roman gestern begonnen und war ziemlich begeistert. Vielleicht lag es daran, dass ich einen anstrengenden Tag hatte und so leichte Lektüre gut gebrachen konnte. Jetzt finde ich hier Lannies Rezension und bin etwas ernüchtert. Ab S. 70 soll es richtig schlecht werden? Hoffentlich haben wir einen unterschiedlichen Geschmack :->
Jedenfalls habe ich diesen Thread deshalb heraufgeholt, weil ich euch einen wundervollen Ausschnitt aus Kapitel zwei nicht vorenthalten wollte:
"Der Rest des Morgens vergeht in der Hektik des Weihnachtsgeschäftes wie im Flug. Die meisten Buchhandlungen heutzutage sind riesige Läden mit Filialen großer Café-Ketten, die eher an "Nimm-drei-zahl-zwei"-Werbeaktionen, Absatzzahlen und dem Verkauf von überteuerten, fettarmen Latte macciatos interessiert sind, aber McKenzie'S ist anders.
Unser Laden ist klein, seit drei Generationen im Besitz derselben Familie und liegt in einer schmalen Seitenstraße, eingequetscht zwischen einem Hutmacher und einer italienischen Bäckerei. Die meisten Passanten gehen daran vorbei, weil sie zu beschäftigt sind, all die verrückten und wundervollen Hüte im Schaufenster nebenan zu bewundern oder beim nachbarn ein überbackenes Ciabatta-Sandwich zu bestellen. Sie bemerken die alte Mahagonitür mit dem nach Originalschablonen gravierten Glas nicht, durch das die Nachmittagssonne scheint und Lichtmuster auf den gebohnerten Holzfußboden zaubert. Aber für all jende, die uns besuchen, sei es aus Zufall oder auf Empfehlung, ist das erste Mal niemals das letzte.
Ich denke immer, durch diese Tür zu treten ist, als gehe man ducrch einen Wandschrank und komme nach Narnia. Draußen tobt die Hektik des New Yorker Alltags, aber sobald die Türklingel ertönt, lässt man die Realität hinter sich und betritt die Welt der Fantasie.
Mein Lieblingsplatz ist am Fenster. Dort, direkt neben den Zeitschriftenregalen mit Magazinen aus aller Welt, steht ein altes, lederbezogenes Chesterfield-Sofa. Abgenutzt und in der Mitte durchgesessen, ist dies der Platz, wo über die Jahre Tausende von Kunden für jene Augenblicke ihrem gewohnten Leben entflohen sind, die man braucht, um im ersten Kapitel des neuesten Thrillers zu schmökern oder sich von einer einzigen Zeile eines wunderschönen Gedichts anrühren zu lassen.
(...)
Alle sind auf der Jagd nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk. In dieser Jahreszeit steuern die meisten Kunden direkt auf den Tisch zu, weil sie sich einbilden, größer sei auch automatisch besser und nur ein großer, teurer Bildband könne gut genug sein. Zugegeben, diese Bücher machen Eindruck, aber normalerweise werden die dicken Hochglanzfotobände nur ein einziges Mal durchgeblättert und enden dann als Staubfänger, während ein heißgeliebtes Taschenbuch in der U-Bahn, in der Badewanne und unter der Bettdecke genossen und an Freunde und Familienmitglieder verliehen wird, um ein ums andere Mal wieder gelesen zu werden."
LG
Claudi
Claudi,
versuch es unvoreingenommen zu lesen. :-B Vielleicht findest Du es ja deutlich besser als ich.
LG
Lannie
Nachdem ich dieses Buch nun ganz gelesen habe, kann ich mich Lannies Meinung leider nur anschließen. Die ersten zwei Kapitel dieses Romans sind wirklich zauberhaft, danach wird es eher grauenhaft:
Die Protagonistin ist tatsächlich sehr durchschaubar. Sie lässt kein Fettnäpfchen aus und ihre kursiv gedruckten Gedanken sind wohl selbstironisch gemeint, aber eher peinlich. Ich finde außerdem, dass Emily nicht stringent ist. Erst heißt es, sie sei kein Modenarr, trage rosa Cordhosen. Dann erzählt sie plötzlich übers shoppen. Ich kann mir einfach kein Bild von ihrem Typ machen, die Autorin widerspricht sich da sehr selbst.
Neben der Protagonistin gibt es leider auch keine anderen Figuren, die man liebgewinnen könnte. Die Geschichten der älteren Damen werden angesprochen, sofort weitererzählt und sind dann auch schon, völlig unrelevant für den Verlauf der Handlung, wieder zu Ende.
Die übersinnliche Erscheinung passt auch nicht so recht. :gr:
Ein paar Punkte gibt es für den flüssigen Schreibstil und die Jane-Austen-Atmosphäre. Und das tolle zweite Kapitel.
[note3-]