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Unterhaltung => Rezensionen => Thema gestartet von: Susanne in 19. Dezember 2008, 17:52:10

Titel: Clare Allan: Poppy Shakespeare
Beitrag von: Susanne in 19. Dezember 2008, 17:52:10
[isbn]345340565X[/isbn]Poppy Shakespeare
Allan, Clare
345 Seiten

Inhalt
Poppy Shakespeare ist ganz normal. Zumindest war sie das bis zu jenem Tag, als sie sich auf eine neue Stelle beworben hat. Beim Vorstellungsgespräch eröffnet man ihr, dass sie an einer schweren Persönlichkeitsstörung leide; das hätte der Eignungstest ergeben. Und schon fährt der Krankenwagen vor, der Poppy in die Psychiatrie bringt.

Meine Meinung
Unter diesem Buch hatte ich mir einen lustigen netten Roman vorgestellt bei dem ich mich gemütlich zurücklegen könnte und die Seiten nur so an mir vorbei rauschen würden.
Leider war das weit gefehlt und ich verstehe das Zitat auf dem Klappentext des Buches überhaupt nicht:

ZitatDieser Roman lässt einen lauf auflachen und dabei bricht er einem das Herz.

Gelacht habe ich bei diesem Roman kein einziges Mal, ich fand ihn einfach nur schrecklich und furchtbar deprimierend. Hätte ich gewusst was für ein Buch mich erwartet, wäre ich mit vollkommen anderen Erwartungen an das Buch heran gegangen und ich hätte das Buch vielleicht sogar recht gut gefunden. Auch wenn ich Bücher in denen Menschen so zugesetzt wird eigentlich nicht mag.

Poppy die in der Inhaltsangabe für mich als die eigentliche Hauptperson in diesem Buch vorkommen sollte, hat ihren ersten wirklichen Auftritt erst nach etwa 50 Seiten. Die Geschichte wird von ,,N" erzählt und ihrem Leben in einer psychiatrischen Einrichtung.
Ihre Erzählungen wirken deprimierend und teilweise durch die Sprache die die Schriftstellerin für sie wählt etwas schwer zu lesen und verwirrend.
Poppy wird nach einem Eignungstest in die Psychiatrie eingewiesen und versucht vom ersten Augenblick diese wieder zu verlassen. Was man natürlich verstehen kann, denn sie scheint wirklich nicht dahin zu gehören.

Spoiler zum Schluß:

Spoiler
Ich weiß nicht, ob das Buch provozieren sollte, mich hat es einfach nur aufgeregt, dass eine recht normale Frau langsam aber sicher regelrecht verrückt gemacht wird. Bis sie zum Schluß sogar versucht Selbstmord zu begehen und dann tatsächlich nachdem sie ihr Leben und ihr Kind verloren hat berechtigter Weise in diese Einrichtung ist.
[Schließen]


Dies ist eines der wenigen Bücher, wo ich das Ende gelesen habe, obwohl ich noch so weit war. Irgendwie hatte ich gehofft, daß das Buch zu einem anderen als dem von mir erwarteten Schluß kommen würde.


[note6]

Liebe Grüße
Susanne
Titel: Re: Clare Allan: Poppy Shakespeare
Beitrag von: Hans in 21. Dezember 2008, 01:34:35
Hallo Susanne,

obwohl das ja so gar nicht mein Genre ist, aber das ist auf jeden Fall ein Buch, das ich schon gar nicht anrühren werde. Ich rege mich gerade schon darüber auf, das ein Mensch nach einem Vorstellungsgespräch ins Irrenhaus eingeliefert wird. Was ist das denn für 'ne Firma? Wer gibt denen das Recht dazu?  - Oder stellt man solche Fragen bei so einem Buch nicht?
Okay, diese Handlung ist ziemlich weit hergeholt, aber nach dem zu schliessen, was so alles getrieben wird, um einen Menschen zu ruinieren, auch nicht völlig unrealistisch.
Warum ich mich so aufrege? - Nun, ich hab mal eine Reportage gesehen, wo über den Misbrauch der Psychiatrie berichtet wurde. Da haben welche versucht, eine Psychologin in die geschlossene Anstalt zu stecken, - ich weis nur nicht mehr, warum. Wahrscheinlich, weil sie der Mainstream-forschung, oder einigen derer Apologeten im Weg war, aber genau weis ich es nicht mehr. Und der Punkt war: wenn man einmal in der (geschlossenen) Anstalt drin ist, kommt man ohne fremde Hilfe nicht mehr heraus. Zum einen, weil jegliche sachlich-argumentative Gegenwehr als Teil der "Krankheit", bzw. des "Leidens" bewertet wird, das man kurieren soll, zum anderen, weil man mit Medikamenten vollgestopft wird, damit man auch die Leiden bekommt, wegen derer man angeblich dort ist. - Wenn man die Medikamente nicht freiwillig einnimmt (kontrolliert durch Urin- und Blutproben, die auf Rückstände oder sonstige Spuren der verordneten Medikamente untersucht werden) werden sie einem mit Gewalt eingeflöst. - Hier auch wieder der Fall: Wenn man Wiederstand leistet, gilt das als Symptom der Krankheit.

Das ist für mich kein Thema, über das man sich Lustig macht, sondern ein Fall für die Gerichte.

Hans,
dem gerade  :wah: wegen dieser Misbrauchsvariante einer eigentlich nützlichen Wissenschaft.

Titel: Re: Clare Allan: Poppy Shakespeare
Beitrag von: Susanne in 21. Dezember 2008, 12:41:07
Hallo Hans,

Im Nachhinein kann ich sagen, daß dies auch kein Buch für mich gewesen wäre. Ich hatte aber auch nicht mit so einem Buch gerechnet.
Mich wundern einfach immer noch so Schlagwörter die auf dem Buch stehen wie:

ZitatGeistreicht, wild und lustig


Für mich war es keinen Augenblick lustig mitzubekommen, wie verzweifelt Poppy versucht hat aus dieser "Anstalt" herauszukommen um zum Schluß Alles zu verlieren.

Liebe Grüße
Susanne