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Krimi => Rezensionen => Thema gestartet von: Marja in 07. Februar 2009, 16:33:04

Titel: F. Paul Wilson: Leiser Verdacht
Beitrag von: Marja in 07. Februar 2009, 16:33:04
[isbn]978-3442443963 [/isbn]


Inhalt/Klappentext

Ganz Amerika ist in heller Aufregung! Soeben hat US - Präsident Thomas Winston in einer Rede an die Nation die völlige Freigabe aller Drogen angekündigt. Doch was wie ein fortschrittliches Gesetz aussieht, ist in Wirklichkeit der verzweifelte Versuch, einen Teufelskreis zu durchbrechen: Trotz eines jahrelang mit Milliardenaufwand geführten Feldzuges gegen die Drogen konnte deren Verbreitung nicht gestoppt werden. Die Gefängnisse quellen über, die Sozialausgaben für Abhängige klettern in astronomische Höhen. Mit anderen Worten: Die bisherige Drogenpolitik ist nicht länger finanzierbar, die Regierung muss handeln. Ein Schrei der Empörung geht durch das Land, ist doch der konservative Teil der Bevölkerung überzeugt, der Präsident verrate die Ideale des Landes. Dass der Präsident weg muss, finden aber nicht nur die Tugendwächter der Nation, sondern auch die Drogenbosse. Ihnen geht es allerdings nicht um die Moral, sondern einzig und allein um Geld und Macht. Eine Liberalisierung der Drogen würde sie alle um ihre Pfründe bringen, deshalb muss dem ganzen Unsinn ein Ende bereitet werden. Und wer könnte den Präsidenten unauffälliger beseitigen als sein Leibarzt Dr. John VanDuyne? Har Dr. VanDuyne nicht eine reizende kleine Tochter, die er abgöttisch liebt und die wegen epileptischer Anfälle regelmäßig Medikamente einnehmen muss? Würde die Entführung des Mädchens den widerspenstigen Vater da nicht zu einem willigen Werkzeug der Drogenmafia machen?


Meine Meinung

Der Einstieg in das Buch fällt relativ leicht: die Kapitel sind äußerst kurz, so dass man sich immer denkt, "Ach, eins geht doch noch". Die Erzählperspektive wechselt mit jedem Kapitel, man lernt aus erster Hand Gedanken und Beweggründe aller Beteiligten kennen. Allerdings hat der Autor die sich so bietende Chance, auch für die "Bösewichter"  Sympathie zu wecken, nicht genutzt. Sie bleiben durchweg eindimensional, die Gründe für ihre Handlungen klischeehaft,wie zum Beispiel unstillbarer Rachedurst. Sympathieträger gibt es äußerst wenige, und wie im Fall des aufrechten Helden John VanDuyne haben diese kaum Möglichkeiten, in Aktion zu treten. Das Geschehen wird nahezu auschließlich von den Kidnappern und ihren Hintermännern bestimmt, der guten Partei bleibt meist nur das Warten. Einzig der Gewissenskonflikt, in den VanDuyne bei der Wahl zwischen seiner Tochter und dem Präsidenten gestürzt wird, bietet noch einiges an Spannung.
Die zweite Hälfte des Romans wird von einer wilden Verfolgungsjagd eingenommen, die zwischenzeitlich recht abstruse Züge annimmt - aber zumindest nicht langweilig wird.  :-> (Oh, hab gerade diesen Smilie entdeckt, der drückt meine Gedanken zu mehreren Kapiteln doch wunderbar aus:  :hau:).

Insgesamt war dies ein ganz nett zu lesender Roman, der aber an die Vorgänger "Die Prüfung" und "Die Komission" nicht mal annähernd heranreicht. Ich fürchte, meine Erwartungen waren da einfach zu hoch.

[note3]