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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 05. April 2009, 11:56:50

Titel: Die Hure von Rom - Eric Walz
Beitrag von: Kathrin in 05. April 2009, 11:56:50
[isbn]9783442367191[/isbn]  Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3442367191
Seiten: 442
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 12,00 Euro


Kurzbeschreibung:
Im Mai 1552 ist ganz Rom in Aufruhr: Die Geliebte des Papstes ist ermordet worden. Der junge Jesuit Sandro Carissimi, der im Auftrag des Papstes ermittelt, ahnt, dass sogar seine eigene, ihm seit langem entfremdete Familie die Hure des Papstes kannte. Dann aber erhält Sandro unerwünschte Hilfe: Ausgerechnet die lebenslustige Glasmalerin Antonia Bender - eine Frau, die Sandro seit ihrer ersten gefährlichen Begegnung in Trient unglücklich liebt - stellt für ihn in der Unterwelt der Huren und Verbrecher neugierige Fragen. Der Streit zwischen den Liebenden führt Antonia in die Arme eines Mannes, der sie Sandro und ihre Liebe vergessen lassen könnte - und der für Sandro und Antonia hoch gefährlich ist ...

Meine Meinung:
Da mich persönlich meine erste Begegnung mit einem Roman von Eric Walz (Die Herrin der Päpste) nicht in die totale Euphorie gestürzt hat, bin ich zugegebenermaßen eher skeptisch an seine hist. Krimis mit dem Ermittlerduo Antonia und Sandro herangegangen. Aber bereits der erste Fall ,,Die Glasmalerin" hat mir schon sehr gut gefallen und jetzt Fall Nr. 2 ,,Die Hure von Rom" fand ich absolut klasse! Auch wenn die Lektüre von ,,Die Glasmalerin" schon einige Monate zurücklag, so hatte ich doch jetzt mit Band 2 direkt das Gefühl, als ob ich Band 1 soeben erst beendet hätte. Ich war sofort wieder in der Geschichte drin, hatte die Figuren und Ereignisse während des Konzils von Trient sofort wieder parat und war somit auch direkt wieder im Lesefluss und der neuen Geschichte gefangen. Es ist so schön, auf altbekannte, sympathische Gestalten zu treffen, da hat schon was von Nach-Hause-Kommen und solch ein Wohlfühl-Gefühl möchte ich bei Romanserien eigentlich immer haben.

,,Die Hure von Rom" vereint perfekt einen spannenden Kriminalfall um die Ermordung Maddalenaa, der Geliebten des Papstes, mit dessen Sandro betraut ist, sowie die bittersüße und fast schon ausweglos erscheinende Liebesgeschichte zwischen dem Jesuiten Sandro und der freiheitsliebenden und unabhängigen Glasmalerin Antonia, die sich bereits in ,,Die Glasmalerin" kennen gelernt haben. Gerade die Figuren, die wir aus dem ersten Fall kennen liebe ich jetzt noch mehr als damals. Sandro menschelt von Beginn an, hat Alkoholprobleme und somit als Ermittler keine weiße Weste. Ich finde es grundsätzlich immer besser, wenn man einen nicht ganz perfekten Helden als Leser präsentiert bekommen, liebe ich ihn doch gerade aufgrund seiner Fehler umso mehr. Dass Sandro als Jesuit und damit Geistlicher und zudem in Diensten des Papstes Antonia heimlich liebt, gibt der Geschichte zusätzlichen Reiz und Spannung, denn oft ist eine heimliche, verbotene Beziehung doch spannender zu beobachten. Aufgrund von Missverständnissen und unausgesprochener Worte kommt es zu einem heftigen Streit zwischen Antonia und Sandro und alles scheint in Scherben zu zerbersten. Ich kann Antonias Gefühlsausbruch so gut verstehen. Ich glaube, ich bin da ähnlich. Ich kann ja vieles erst einmal schlucken, aber irgendwann bricht der Vulkan dann aus, irgendwann ist das Fass halt einfach voll und dann läuft es über. Dass Sandro in diesem Streit dann gerade das Bild zerstört, dass ihn und Antonia zusammen zeigt und das für mich ihre Liebe und ihre Beziehung ausdrückt, dass ausgerechnet dieses Bild zerstört wurde, das war schon sehr sinnbildlich. Das wirkt alles sehr hoffnungslos, irgendwie, vor allem als Milo dazwischenfunkt und Antonia sich in ihn verliebt. Auch hier kann ich Antonias Verhalten verstehen, denn Milo wäre vermutlich auch in mein Beuteschema gefallen, oder vielmehr ich in seins. Auch wenn ich es gar nicht mag, dass er sich zwischen Antonia und Sandro drängt, so liebe ich seine Leichtigkeit und dass er so unkompliziert wirkt...irgendwie genau das, was Antonia zu brauchen scheint. Die komplette Gefühlswelt der Figuren ist wunderbar lebendig und so gut nachvollziehbar, das beginnt mit dem Streit zwischen Sandro und Antonia, geht mit der ,,Brückenszene" zwischen Antonia und Milo weiter, findet sich aber genauso in den Gefühlen von Carlotta, von Forli  wie auch in denen des Papstes wieder. Ich finde mich so oft direkt neben den Romanfiguren wieder, möchte sie trösten, mich mit ihnen freuen, mit ihnen weinen und mit ihnen lieben.

Einen persönlichen Liebling kann ich in diesem Buch nicht für mich identifizieren, was ich aber auch nicht schlimm finde, da ich so viele der Figuren so unendlich gerne habe. Antonia hat wunderbar unkonventionelle Methoden, wie sie Sandro in der Aufklärung des Falles unterstützt, Carlotta  ist einfach nur wunderbar und dass ich zusammen mit Hauptmann Forli Hoffnung für ihn auf eine große Liebe schöpfen konnte, das habe ich auch sehr genossen. Es sind so viele sympathische Figuren dabei, die man alle in seinem Freundeskreis haben möchte, dass es mir manchmal doch arg schwer fällt, dem Autor die ein oder andere Wendung im Leben der Figuren verzeihen zu können.

Allerdings gibt es auch Figuren, die ich auf Anhieb nicht leiden kann, wie den päpstlichen Kammerherrn, Massa. Der ist mit derart unsympathisch, dass er eigentlich für mich der perfekte Mörder wäre...nur wäre das schon irgendwie zu einfach, oder? Der Fall wurde vom Autor wirklich genial verstrickt, mal hier einen Verdacht gelegt, dann auf einen anderen. Irgendwann hatte ich glaube ich alle Figuren des Romans als Verdächtigen durch, zumal ich auch überhaupt keine Verbindung zwischen dem ersten Mord an Maddalena und dem zweiten Mord gesehen habe, lediglich, dass das zweite Opfer einfach zu viel gewusst haben könnte. Die Auflösung des Falles hat mich doch ziemlich auf dem falschen Fuß erwischt, ein kurzer Verdachtsmoment gegen den Mörder hatte ich zwar schon auch ein mal, aber so wie der Fall sich dann aufgerollt hat, war ich doch vollkommen überrascht.

Da es sich bei diesem Roman um eine rein fiktive Geschichte handelt und es keine weiteren hist. Persönlichkeiten außer dem Papst gibt, ist für mich so vollkommen in Ordnung, dass dem Buch kein Nachwort, Landkarten oder sonstige Extras zugefügt worden sind, auch wenn ich im Normalfall total auf solche Extras stehe. Aber hier ist es einfach nicht nötig, insofern vermisse ich hier auch keine zusätzlichen Informationen. Im Gegenteil: auf Grund von privatem Stress konnte ich das Buch so wie es ist in vollen Zügen genießen, ohne mir Gedanken über den historischen Hintergrund machen zu müssen. Spannung und eine nichtkitschige Liebesgeschichte waren für mich Lesegenuss pur und genau das richtige Buch in der richtigen Zeit. Ich sehne mich jetzt schon wieder nach Antonia und Sandro und freue mich sehr darüber, dass es einen weiteren Fall für die Beiden zu lösen geben wird. Allerdings wird die Zeit bis zur Veröffentlichung des neuen Falls auch eine kleine Qual werden auf Grund des bösen und cliffhangermäßigen Endes dieses Buches, da wir zumindest einen Bösewicht jetzt schon kennen und wohl ziemlich um Antonia und vor allem Sandro bangen werden müssen. Auf der anderen Seite gibt es nun auch definitiv eine zweite Neuerscheinung im Herbst 2009, die ich kaum erwarten kann.

Bewertung:
[note1]

lg
kathrin