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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Lannie in 08. Juli 2009, 12:48:04

Titel: Das Königsmal - Katrin Burseg
Beitrag von: Lannie in 08. Juli 2009, 12:48:04


[isbn]978-3-939674-06-1[/isbn]Verlag: fredeboldundfischer
ISBN: 978-3-939674-06-1
Seiten: 448
Ausgabe: Hardcover
ET: 04.2008
Preis: € 16,95

Kurzbeschreibung

Drohend ziehen die ersten Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken als Vorboten des Dreißigjährigen Krieges über Holstein hinweg. Da wird einem neugeborenen Mädchen mit einem C-förmigen Mal auf der Stirn von einer Zigeunerin prophezeit, dass es weite Wege gehen müsse, bis es schließlich sein Glück an der Seite eines älteren Mannes finden würde. Jahre später begegnet die zu einer schönen jungen Frau herangewachsene Wiebke König Christian IV. von Dänemark. Der ist von ihr bezaubert. Als Hofdame für seine Frau Kerstin Munk nimmt er sie mit sich an den Hof, wo Wiebke ihm nicht nur das Leben rettet, sondern ihm in den Wirren des Krieges auch eine kluge Beraterin ist. Der König verliebt sich leidenschaftlich in sie. Doch als er seine Frau verstößt und Wiebke als illegitime Frau an seine Seite holt, spricht er damit ihr Todesurteil aus. Denn von diesem Tage an hat sie in Kerstin eine unversöhnliche Feindin, die nur noch ein Ziel kennt: Rache.

Meine Meinung

,,Das Königsmal" war ein Notkauf, als ich im April 2008 meinen Buchclub-Quartalskauf tätigen musste und genauso habe ich es auch fast ein dreiviertel Jahr behandelt, bis ich es im Januar 2009 endlich gelesen habe. Es war keineswegs gerechtfertigt, den Roman so lange Zeit unbeachtet zu lassen, hat er mir doch wirklich kurzweilige Lesestunden geschenkt, mich mit Schauplätzen beglückt, die ich selber kenne und mir unglaublich viel Hintergrundwissen zum Dreißigjährigen Krieg geliefert.

Sprachlich und stilistisch hat mir das Buch wirklich ausnehmend gut gefallen. Ich brauchte keinerlei Eingewöhnungszeit, um in den Schreibstil der Autorin hinein zu finden und bin auch nicht über Umgangssprache oder kleine Ungereimtheiten gestolpert. Besonders gut gefallen hat mir, dass hin und wieder die erste Hofdame, Johanna von Krabbe, durch ihre geheimen Aufzeichnungen zu Wort kommt und man dadurch Wiebkes Leben auch aus einer anderen Perspektive betrachten konnte.

Inhaltlich verspricht die Kurzbeschreibung leider mehr, als sie halten kann, zumindest was Wiebke Kruse betrifft. In meinen Augen überwiegt eindeutig der Dreißigjährige Krieg, nicht nur als Schauplatz und geschichtlicher Hintergrund, sondern auch als zentrales Thema. Dabei sind die Einzelheiten des Kriegsverlaufs und dessen Hintergründe sehr gut verständlich geschildert, so dass ich wirklich eine Menge dazu lernen konnte. Bisher hatte ich immer so meine Schwierigkeiten, diesem Krieg zu folgen und ihn zu verstehen (soweit man Kriege verstehen kann), aber Katrin Burseg hat es geschafft, mir den Dreißigjährigen Krieg um einiges näher zu bringen und ihn mich begreifen zu lassen. Meine frühere Verwirrung hat sich weitestgehend gelegt. Die Autorin erzählt spannend, historisch fundiert und mit einem Auge fürs Detail.

Ein ganz besonderes Bonbon für mich persönlich sind die vielen Schauplätze in Schleswig-Holstein, von denen ich die meisten kenne. Ich liebe es, wenn ich an Orte geführt werde, die mir ein Begriff sind, vielleicht sogar eine Bedeutung für mich haben. Da der dänische König Christian IV. eine führende Rolle in diesem Roman einnimmt, kommt man häufig auf einen Abstecher in Schleswig-Holstein vorbei. Für mich hat das mit den Zauber des Romans ausgemacht, da es eine ganz wunderbare Zeitreise in mir bekannte Städte war.

Wiebke Kruse erhält leider erst sehr spät eine zentrale Rolle in diesem Roman. Zwar taucht sie von Beginn an immer mal wieder als Figur auf, so dass der Leser die Möglichkeit hat, sie Stück für Stück näher kennen zu lernen, aber eine tragende Rolle erhält sie erst ab etwa der Hälfte der Handlung. Durch ihre zunächst sehr kurzen Auftritte hatte ich große Schwierigkeiten, ihr als Person näher zu kommen, auch wusste ich selten, was ich von ihr und ihren Verhalten zu halten habe. Leider hielt die Distanz zwischen uns bis zum Schluss an.

Insgesamt hat mir der Roman wirklich gut gefallen, auch wenn ich von Wiebke Kruses Geschichte ein wenig enttäuscht war. Ihr Leben kam mir deutlich zu kurz und ich hatte keine Möglichkeit der Protagonistin auf den Grund der Seele zu schauen, sie nahe an mich heran zu lassen, sie zu einer Freundin zu machen. Daher konnte mich die Geschichte nicht so berühren, wie ich gehofft habe, auch wenn ich zum Ende hin doch sehr bewegt war. Ich habe durchaus mitgefiebert und die Handlung war spannend, aber hundertprozentig involviert war ich nicht. Ich habe Wiebke Kruses Geschichte gelesen, aber nicht erlebt.

Eindeutig am besten gefallen hat mir der historische Hintergrund – der Dreißigjährige Krieg –, der doch stark in den Vordergrund gerückt war. Katrin Burseg hat mir hier vieles näher gebracht. Dadurch, dass das Zeitfenster des Romans groß genug war, um den gesamten Krieg zu verfolgen, habe ich ihn endlich in seiner Komplexität und seines Verlaufs zumindest in den wesentlichen Zügen begriffen. Dafür vergebe ich eine Eins mit Sternchen.

Dass Katrin Burseg Legenden und Sagen mit den historischen Fakten verwoben hat, fand ich ein wenig bedauerlich. Aber da die Autorin darauf in ihrem ausführlichen Nachwort eingegangen ist, war dies für mich leicht verzeihlich. Schließlich handelt es sich bei ,,Das Königsmal" immer noch um einen Roman und nicht um ein Sachbuch.
Eine Karte hätte ich in diesem Buch äußerst nützlich gefunden, da regelmäßig die Schauplätze gewechselt werden und auch eine Zeittafel zum Dreißigjährigen Krieg wäre durchaus reizvoll gewesen. Aber Lesebändchen, ein wunderschönes Schriftbild, sowie das ausführliche Nachwort konnten mich entschädigen.

Fazit

Ein wunderbares, kurzweiliges Buch, das vor allem etwas für Interessierte am Dreißigjährigen Krieg sein dürfte oder für diejenigen, die ihn endlich verstehen wollen. Spannend, ereignisreich und lehrreich! Ein Roman, der mich leider nicht so tief berühren konnte, wie ich gerne gewollt hätte. Katrin Burseg ist eindeutig eine Autorin mit Potential und ich hoffe sehr, dass wir in Zukunft noch mehr Romane von ihr erwarten dürfen.

Meine Bewertung


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