[isbn]3431037755[/isbn] | Verlag: Ehrenwirth ISBN: 3431037755 Seiten: 926 Ausgabe: Hardcover ET: 03.2009 Preis: € 19,95 |
Kurzbeschreibung:Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Die Pest grassiert in der Lagunenstadt. Sterbenskrank wird die junge Venezianerin Cintia auf eine Seucheninsel gebracht, wo sie dank des Kaufmannssohnes Niccolò überlebt. Ihr gelingt die Rückkehr nach Venedig, doch sie ist zu jung, um das Erbe ihres Vaters, eines reichen Seidenwebers, in Besitz nehmen zu können. Gegen die drohende Vormundschaft raffgieriger Verwandter hilft nur eine rasche Heirat, und so stimmt Cintia kurzentschlossen einer Ehe mit dem Schiffsbauer Paolo zu, zum Verdruss Niccolòs, der ebenfalls um sie geworben hatte. Aus der Vernunftehe wird wider Erwarten Leidenschaft, doch tödliche Konflikte werfen bereits ihre Schatten voraus ... Mitreißend erzählt und bestens recheriert, bringt uns dieser Roman von Charlotte Thomas die venezianische Renaissance auf spannende Weise nahe.
Meine Meinung:Mit ,,Die Liebenden von San Marco" knüpft Charlotte Thomas zeitlich/ historisch an ihre beiden Venedig-Romane ,,Die Madonna von Murano" und ,,Die Lagune des Löwen" an, allerdings sind die drei Romane in ihrer eigentlichen Geschichte unabhängig voneinder gut zu lesen und in sich abgeschlossen. Nichtsdestotrotz musste ich mich erst einmal wieder kurz in den hist. Hintergrund zurückversetzen: warum genau Venedig gegen Frankreich Krieg führte, die Liga von Cambrai, die Bedrohung durch die Osmanen...das musste alles erst wieder in Erinnerung gerufen werden.
Allein die Aufmachung des Ehrenwirth-Hardcovers mit den wunderbaren Zeichnungen von Jan Balaz, dem Personenregister etc. haben mich schon wieder jubeln lassen, da würde ich wirklich nur im Notfall auf ein Hardcover verzichten wollen. Auch der Anfang hat mir äußerst gut gefallen und mich schnell in die Geschichte von Cintia reinkatapultiert, auch wenn mir ein wenig schlecht war, da die arme Cintia von einem wildfremden Mann erst einmal von oben bis unten vollgekotzt wurde :->
Nur leider konnte mich die Geschichte von Cintia im Gegensatz zur ,,Madonna" oder zur ,,Lagune" nicht ganz so begeistern. Ob es einfach nur daran lag, dass ich eher in Fantasy-Laune war, dass es die falsche Zeit für das Buch war, dass ich zu sehr abgelenkt wurde, dass es fast ein wenig zu viele Zufälle und Parallelen zu den anderen Venedig-Büchern gab oder mir doch einfach nur der Zugang gerade zu den Hauptfiguren gefehlt hat, weiß ich nicht genau. Die Parallelen an sich haben mich weniger gestört und auch die Zufälle war an sich gut hergeleitet und so sind es alles in allem keine großen Kritikpunkte, aber zusammengenommen war mir das einfach ein wenig zu viel und hat eine klitzekleine Enttäuschung bei mir hervorgerufen.
Ich denke das Hauptproblem für mich waren wirklich Cintia und Paolo als Hauptfiguren des Buches. Grundsätzlich gut gefällt mir, dass sie beide nicht die Superhelden sind und ihre Fehler haben, an ihrem Schicksal zu knabbern haben dürfen. Eine zu toughe Cintia hätte ich als nicht echt, nicht realistisch empfunden. Ich finde es gut, dass wir miterleben dürfen, wie Cintia von der behüteten Tochter zu eine selbstständigen, jungen Frau reift, die ihr Leben in die Hand nimmt. Aber die totale Nähe zu ihr hat sich einfach nicht eingestellt, auch wenn ich mit ihr mitleiden und mitfühlen konnte. Grundsätzlich war es auch schön miterleben zu dürfen, wie sich Paolo und Cintia näher kommen, wobei mir ihre Liebesgeschichte fast schon zu süß war und Paolo teilweise echt zu dämlich war in der Anfangszeit mit Cintia, dass er für mich sogar schon ein wenig an Männlichkeit verloren hat. Zu weichgespült darf mir ein Mann einfach nicht sein (klar logisch, er soll schon auch seine Gefühle zeigen und ausleben) aber Paolo war mir echt zu übertrieben. Auch hat er in bestimmten Situationen gewaltig an Sympathiepunkten verloren. Ich finde es einfach schlimm, wenn er schon selber merkt, dass er unfair ist und sich und Cintia mit zweierlei Maß misst, aber nicht über seinen eigenen Schatten springen kann. Da hätte ich ihn echt an die Wand kloppen können.
Wesentlich besser gefallen haben mir Figuren wie Daria (Cintias Tante), Lucietta (Cintias Cousine) und Niccolo (Cintias Verehrer). Das waren für mich wunderbar faszinierende, spannende Charaktere, die mich bis zum Schluss begeistern konnten. Gerade Daria und Niccolo haben mich mehrfach überrascht. Eigentlich konnte ich mir nie wirklich sicher sein, ob sie nun zu den ,,Guten" oder zu den ,,Bösen" gehören. Sie haben ihren persönlichen Hintergrund, ihre persönlichen Probleme und Schicksalsschläge zu verarbeiten und handeln aus diesem Hintergrund heraus völlig verständlich, wenn auch nicht immer sympathisch oder richtig. Sie lieben aufopferungsvoll, fast schon zu sehr, sind intrigant, rachsüchtig, hasszerfressen und skrupellos, zeigen dadurch eine gewisse Gewaltbereitschaft, werden dann aber auch auf einmal doch von eigenen Skrupeln überrascht. Gerade auch vor Niccolo habe ich zeitweise wirklich Angst gehabt um dann in einer anderen Situation stolz auf ihn und seine mich überraschende Reaktionen zu sein. Gerade Niccolo ist für mich nicht eindeutig zu den ,,Guten" oder den ,,Bösen" zu zählen, sondern vielleicht eher zu den Mißachteten, die durch besondere -manchmal auch seltsamen/ unsympathischen - Taten die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen versuchen und dabei vielleicht einfach auch nicht die Grenze zwischen Gut und Böse erkennen/ realisieren. Er ist wirklich ein spannende aber sehr tragische Figur. Ich glaube sogar, ich könnte ihn zu meinem persönlichen Liebling in dem Buch ernennen, wobei er noch hart mit Lucietta konkurrieren muss, denn die finde ich auch extrem unterhaltsam in ihrer Art! Sie ist einfach herrlich emotional, vielleicht sogar zu emotional, aber einfach sehr lebendig und sie hat auch oft genug für einige Lacher gesorgt.
Wirklich gelungen fand ich das Ende des Romans. Zum einen habe ich bis zum Schluss nicht wirklich gewusst, wer für den Mord an Cintias Eltern verantwortlich ist und die Autorin hat es wunderbar verstanden, den Verdacht immer schön von einem auf den anderen zu lenken, wobei ich dann letztlich den tatsächliche Mörder doch nicht auf der Rechnung hatte. Zum anderen finde ich aber auch, dass Charlotte Thomas das Buch für die einzelnen Figuren schön hat ausklingen lassen. Das jeweilige ,,Ende" der einzelnen Figuren hat einfach gepasst und war rund und logisch und teiweise genau so, wie ich es mir erhofft habe. Außerdem hat die Autorin uns zum Schluss auch noch Raum gelassen für eigene Träume, wie es mit den Figuren weitergehen könnte und wenn ich an den historischen Hintergrund denke und wie es zwischen Europa und dem Osmanischen Reich weitergeht, doch ich finde da steckt noch viel Potential drin, auch wenn ich nicht weiß, ob ich jetzt zwingend eine Fortsetzung lesen wollte oder mir lieber selbst vorstellen will, wie es weitergehen könnte, Alles in allem war dieser Roman für mich nicht ganz so gut, wie die bisherigen Venedig-Romane, aber ich freue mich schon auf weitere Werke von Charlotte Thomas, zumal sie in unserer Leserunde angekündigt hab, dass sie Venedig in ihrem nächsten Roman einmal den Rücken kehren wird, was mit Sicherheit ebenfalls sehr spannend und auch mal eine Abwechslung für die Leser sein wird!
Bewertung:[note2-]
lg
kathrin