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Krimi => Rezensionen => Thema gestartet von: Aurian in 12. September 2009, 22:42:38

Titel: Carsten Sebastian Henn --- Blut & Barolo
Beitrag von: Aurian in 12. September 2009, 22:42:38
[isbn]9783471300039[/isbn]

List Verlag
Festes Taschenbuch
ET: 08.2009
Aus dieser Reihe bereits erschienen: Tod und Trüffel

Inhalt
Seit Jahrhunderten schon stehen Pharaonenhunde vor dem Turiner Grabtuch Wache, eine wahrhaft ehrenvolle Aufgabe. Der unerfahrene Amadeus hat seinen Dienst gerade erst angetreten, da wird das Tuch geraubt – und seine stolze Sippe verstößt ihn. Verzweifelt versucht er, den Tätern auf die Spur zu kommen – genau wie die beiden liebenswerten Schnüffler Giacomo und Niccolo. Giacomo gibt sich auf seine alten Tage zwar gern einmal dem Barolo hin, aber auf seine hervorragende Nase ist noch immer Verlass. Im beliebten Park eines Jagdschlosses nimmt er die Witterung des Grabtuchs auf. Doch wer steckt hinter dem Raub? Für die cleveren Vierbeiner beginnt eine wilde Jagd.

Meine Eindrücke
In diesem Buch stehen eindeutig die Hunde im Vordergrund. Giacomo ist ein alter Trüffelhund und ein wahrer Genießer, wenn es um italienischen Rotwein oder italienisches Essen geht. Zum Teil werden die Vierbeiner etwas vermenschlicht, doch anders wäre dieses Buch wohl wesentlich langweiliger geworden. Mit viel Humor beschreibt der Autor wie die verschiedensten Hunde sich auf die Jagd nach dem Grabtuch machen. Dabei versucht er ihr Verhalten ihrer Rasse anzupassen. Ihm sind wirklich ein paar interessante und unterhaltsame Charaktere gelungen, wie z.B. die Dachshunde, die im Untergrund leben. Über diese musste ich nicht selten herzhaft lachen.
Aber nicht immer geht es lustig zu. Denn sobald sie es mit Menschen zu tun bekommen, haben die Vierbeiner oft nichts zu lachen, werden manchmal sogar regelrecht misshandelt. Brutalität kommt in diesem Buch immer wieder vor, erschreckt durch ihr plötzliches Auftauchen wurde ich nicht selten aus dem angenehmen Lesefluss gerissen.
Wenn sich die Tiere von ihren Schicksalen erzählen kommen die Menschen nicht immer gut dabei weg. Doch leider ist das hier aufgezeigte Bild in der Realität immer wieder zutreffend.
Auch die Menschen müssen einiges einstecken, wie z.B. Giacomos Frauchen, die es im Gefängnis nicht einfach hat. Der Autor schont weder Mensch noch Tier.

So nebenbei wird erzählt, wie die Kirche auf den Verlust des Grabtuches reagiert und welche Ablenkungen bzw. Finten sie sich ausdenkt. Im Laufe der Handlung kommen diesbezüglich immer wieder kritische Untertöne vor, die gar nicht so unwahrscheinlich sind.

Anhand der liebevollen Beschreibungen gewinnt man den Eindruck, dass der Autor ein großer Fan von Hunden und von Italien ist, aber weniger ein Fan der Kirche. Wenn man diese Vorlieben mit ihm teilt, wird man seinen Spaß mit diesem unterhaltsamen und humorvollen Buch haben.

Lediglich der Schluss konnte mich nicht begeistern, denn die Motivationen der beteiligten Menschen haben mich nicht so richtig überzeugt. Außerdem wäre von dem Grabtuch nur noch ein schmutziger Lumpen übrig, nachdem was es alles mitmachen musste.

Sicher ist das Buch kein knallharter Krimi, und bei der Jagd nach dem Tuch ging es mir etwas viel hin und her. Trotzdem war ,,Blut & Barolo" für mich ein unterhaltsames und kurzweiliges Lesevergnügen.

[note2]

LG, Aurian