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Krimi => Rezensionen => Thema gestartet von: Aurian in 20. September 2009, 23:15:09

Titel: Ralf Isau --- Messias
Beitrag von: Aurian in 20. September 2009, 23:15:09
[isbn]9783492701426[/isbn]

Piper Verlag
419 Seiten
ET: 08.2009

Inhalt
Ein nackter Mann mit blutenden Wundmalen. Ein silbernes Kruzifix, dessen Jesusfigur verschwunden ist. Bizarre Todesfälle in einem irischen Dorf. Ist der Messias in die Welt zurückgekehrt? Hat das Jüngste Gericht bereits begonnen? Sonderermittler Hester McAteer muss das Wunder aufklären, ehe es die römische Kirche spaltet. Doch in seiner alten Heimat trifft Hester auch auf einige private ungelöste Probleme.

Meine Eindrücke
Von der ersten Seite an hat mich das Buch gefesselt. Erst kommt eine kurze Vorgeschichte aus der Vergangenheit, die so manches in der Gegenwart erklärt. Doch dann steigt der Autor gleich voll in die Geschichte um die Menschwerdung von Jesus ein.
Es ist interessant mitzuverfolgen wie schnell sich das Wunder in der Welt verbreitet und wie die Medien, die Kirche und die Gläubigen darauf reagieren. Erschreckend daran ist die hohe Wahrscheinlichkeit der beschriebenen Reaktionen. Dass die Medien an der Vermarktung und Berichterstattung interessiert sind, ist ja normal, aber die Reaktionen der Kirche, wenn versucht wird Schadensbegrenzung zu betreiben und ihren Status zu erhalten, dürften so manchem strenggläubigen Katholik beim Lesen das Blut in den Adern gefrieren lassen. Doch wie heißt es so schön ,,Geschichte wiederholt sich immer wieder". Dieser Spruch ist hier sehr zutreffend.

Handelt es sich bei den Dingen, die geschehen, wirklich um ein Wunder? Um das herauszufinden schickt Rom Hester McAteer zu Ermittlungen an den Ort des Geschehens, dass zufällig auch seine alte Heimat ist. Die privaten Verwicklungen, denen er dort begegnet, lockern die Handlung auf. Mit McAteer ist ihm ein herrlich brummiger und bärbeißiger Charakter gelungen, der sich nicht so leicht unterkriegen oder einschüchtern lässt.

Anfangs tauchen sehr viele Personen in kurzen Abständen auf und ich hätte mir ein Personenregister zum Nachschlagen gewünscht. Doch nach und nach lernt man alle Beteiligten immer besser kennen, erfährt von ihren Vorgeschichten und ihren Ängsten. Man fiebert mit ihnen mit oder lernt sie zu fürchten. Vor allem Letzteres unterstützt der Autor mit teilweise sehr brutalen und ekligen Vorkommnissen.

Besonders gut hat mir folgender Ausschnitt aus dem Nachwort des Autors gefallen:
,,Unsere Welt ist voll von Wundern. Vielleicht sind es nicht immer solche, von denen in diesem Roman die Rede ist, doch Mirakulöses findet sich an allen Ecken und Enden. Leider nehmen wir davon im Alltag oft kaum Notiz. Wir sind zu beschäftigt. Zu abgelenkt ..."

Mit viel schwarzem Humor und Ironie hat Ralf Isau diesen spannenden Thriller geschrieben, bei dem der Leser lange schwankt, ob das Wunder echt ist oder nicht.

Zum Schluss hin wurde mir zwar manches zu abstrus, aber trotzdem gibt es von mir [note2]

LG, Aurian