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Krimi => Rezensionen => Thema gestartet von: Aurian in 14. März 2010, 13:28:47

Titel: Stefan Valentin Müller - Schlachthof Symphonie
Beitrag von: Aurian in 14. März 2010, 13:28:47
[isbn]9783897056046[/isbn]

ISBN: 9783897056046
Preis: 9.90 EUR
Genre: Main Krimi
ET: 2008
Emons Verlag

Text auf der Rückseite:
Der Münchner Kommissar Richard Rose wird nach Aschaffenburg versetzt. Er soll die dortige Kripo bei der Aufklärung des brutalen Mordes an Schlachthofdirektor Dr. Junker unterstützen. Doch auch der Hauptverdächtige ist bald tot. Rose wird klar, dass auch die Provinz mit dunklen Machenschaften und skurrilen Typen aufwarten kann.

Bei uns in der Region sind Krimis rund um Aschaffenburg  groß in Mode. Doch nachdem ich vergangenes Jahr ein Buch einer ortsansässigen Autorin gelesen hatte und es einfach nur grottenschlecht fand, bin ich nicht mit besonders hohen Erwartungen an diesen Main-Krimi herangegangen. Auch wenn mich dieser Roman nicht in allen Punkten überzeugt hat, so ist er doch um Längen besser als so mancher andere Regional-Krimi.

Bei seinem Ermittler Kommissar Rose hat der Autor auf das beliebte Klischee des ausgebrannten Polizisten zurückgegriffen, ohne dessen Hilfe die ,,Provinzpolizei" den Fall nie hätte aufklären können. Roses private Probleme mit seiner Frau geben der Figur etwas mehr Tiefe, allerdings hatte ich mit seiner Frau mehr Mitgefühl, als mit ihm, wenn er sich mal wieder ,,typisch männlich" verhielt. Ans Herz gewachsen ist mir Rose nicht, wenn ich ehrlich bin ist er mir eigentlich sogar ziemlich gleichgültig geblieben.

Gut gelungen sind  die Beschreibungen der ortsansässigen Originale, der Lokale und  Sehenswürdigkeiten. Der Autor erzählt immer genau in welcher Straße oder an welchem Ort sich Rose gerade befindet, sodass ich mir seinen Weg sehr gut bildlich in meinem Kopf vorstellen konnte. Doch für Ortsunkundige wäre ein Stadtplan sehr hilfreich um Rose bei seinen Streifzügen durch die Stadt besser folgen zu können.

Für Zartbesaitete ist das Buch allerdings nicht zu empfehlen. Müller schwelgt regelrecht in brutalen Details über den Mord an dem Schlachthofdirektor und scheint sich auch daran zu erfreuen die Schlachtung eines Schweines vom Anfang bis zum Ende detailliert zu schildern. Da kann einem schon mal der Appetit vergehen. Mir war das oft eine Spur zu viel, hier wäre weniger mehr gewesen.

Die Auflösung des Falles konnte mich nur zum Teil überraschen, denn zumindest bei einer Person war ich mir ziemlich schnell sicher, dass sie in den Mord verwickelt ist. Da waren die Hinweise einfach zu deutlich.

Die Erklärung, warum das Buch ,,Schlachthof Symphonie" heißt hat mir sehr gut gefallen. Eine zarte Seele, die an der Brutalität der Schlachterei zu zerbrechen droht und für sich einen Weg findet damit zurecht zukommen. Hier zeigt der Autor eine fast poetische Seite, wenn er zeigt, wie ein Mensch sich von der Realität entfernt und eine ganz eigene Welt für sich entdeckt.

Insgesamt war ich angenehm von dem Buch überrascht und es hat mir Spaß gemacht Kommissar Rose bei seinen Ermittlungen durch Aschaffenburg zu begleiten. Für Auswärtige dürfte allerdings die häufige Erwähnung von Straßennahmen doch etwas nervig sein.

[note3+]

LG, Aurian