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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: nirak in 13. Dezember 2010, 18:42:56

Titel: Glencoe - Charlotte Lyne
Beitrag von: nirak in 13. Dezember 2010, 18:42:56
[isbn]9783431038194[/isbn]

1689. Im Streit um die englische Thronfolge ist das Hochland zutiefst gespalten. Die MacDonalds halten den Stuarts die Treue, die Campbells unterstützen den neuen König. Gegen den Willen ihrer Familien holt Sandy Og MacDonald die junge Sarah Campbell als seine Braut nach Glencoe. Zwischen ihnen ist es Liebe auf den ersten Blick. Als Sarah nach mehreren Totgeburten einen verkrüppelten Sohn zur Welt bringt, wird sie von den Frauen des Clans noch mehr verachtet. Sandy Og erntet ob seiner Sanftheit nichts als Hohn und Spott. Gleichzeitig spitzt sich der Zwist zwischen den MacDonalds und den Campbells zu. In einer eiskalten Winternacht kommt zu einem Blutbad, wie es das Hochland noch nicht gesehen hat. Können ausgerechnet Sarah und Sandy Og, die Außenseiter, ihren Clan vor dem Untergang retten?

Rezension

Ich gehöre nicht zu den Lesern, die sich unbedingt eine Hardcoverausgabe kaufen müssen. Ich greife eher auf die günstigere Taschenbuch Variante zurück. Charlotte Lyne aber ist eine meiner liebsten Autorinnen im Historischen Bereich und so wollte ich nicht noch 1 oder 2 Jahre warten bis die TB-Ausgabe erscheint. Es hat sich gezeigt, dass sich meine Investition gelohnt hat. Diese HC-Ausgabe ist mit viel Liebe im Detail gestaltet worden. Nicht nur das Cover hebt sich aus der Menge der historischen Bücher heraus sondern auch die Innengestaltung. So ist innen eine Karte Schottlands in der die Clan-Bezirke eingezeichnet sind. Im hinteren Teil befinden sich ein Glossar und ein Personenregister so wie ein kleines Nachwort der Autorin. Ein Lesebändchen rundet das Gesamtbild dieser Ausgabe ab.

,,Glencoe" erzählt die Geschichte eines Clans der MacDonalds aus dem schottischen Hochland im 17 Jahrhundert. Ihr Leben, ihr Lieben und leider auch ihr Sterben. Diese Geschichte ist mit historischen Fakten belegt. Die Protagonisten haben alle gelebt.
Nachdem ich mich erst einmal an den etwas schwierigen Stil gewöhnt hatte konnte ich komplett in diese Geschichte abtauchen. Charlotte Lyne ist es gelungen das Leben im schottischen Hochland glaubwürdig mit allen Höhen und Tiefen zu erzählen. Sie hat ein Bild voller Leben und Hoffnung gezeichnet, dass mich berührt hat.

Sie hat diesen Protagonisten leben eingehaucht, so das ich zeitweilig das Gefühl hatte mitten unter ihnen zu sein. Sandy Og, seine Frau Sarah und ihren Verwandten aus Glencoe sind mir ziemlich schnell ans Herz gewachsen. Auch wenn sie zwischen durch Stur und Mundfaul waren und irgendwie nicht wirklich vorankamen, so dass ich das Gefühl hatte ihnen immer mal wieder einen Schubs geben zu müssen. Aber gerade diese Sturheit und Verbissenheit in sich hat sie mir sehr sympathisch gemacht.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich zwischendurch immer wieder zu Taschentüchern greifen musste um mir die Augen zu trocknen. Die Autorin hat die dramatischen Verhältnisse um dieses geschichtliche Ereignis von allen Seiten beleuchtet und auch immer wieder die betreffenden Personen zu Wort kommen lassen. Fr. Lyne hat die Handlungsweisen von Robert Camphell aus Glenlyon, Alasdair MacDonald, der der zwölfte MacIain genannt wurde, so geschildert, das ich das Gefühl hatte, es könnte sich durchaus so abgespielt haben. Sie hat es geschafft, dass man auch mit den negativen Charakteren, wie Robert Camphell der in seinem eigenen Mitleid zu zerfließen scheint, Mitleid bekam.
Ich persönlich habe sehr viel Anteil an dieser Geschichte genommen. Mir ist es, als hätte ich die Menschen aus ,,Glencoe" persönlich kennen lernen dürfen. Von daher fiel es mir sehr schwer das schottische Hochland am Ende zu verlassen.
,,Glencoe" war für mich eines der besten Bücher die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich wünsche mir mehr solcher historischer Romane.

Bewertung: [note1]

Titel: Re: Glencoe - Charlotte Lyne
Beitrag von: Kathrin in 01. Oktober 2015, 15:17:20
Da ich gerade so fleißig bin, habe ich auch zu diesem wunderbaren Buch meine Meinung:

Der historische Roman ,,Glencoe" von Charlotte Lyne spielt in Schottland und thematisiert die Zeit rund um das politisch motivierte Massaker von Glencoe gegen Clan der MacDonalds am 13.02.1692. Eng verknüpft mit diesem historischen Ereignis ist auch die (ebenfalls historisch belegte) Heirat und Ehe von Alexander ,,Sandy Og" MacDonald mit Sarah Campbell, welcher die Autorin in ihrem Roman eine wichtige, aber auch tragische, verzweifelte, traurige und trotzdem auch wunderschöne Bedeutung und Note gibt.

Wie man es von Charlotte Lyne schon nahezu erwartet und wie man es angesichts des historischen Hintergrunds vermuten kann, ist ,,Glencoe" – ganz wie ein regnerischer, ungemütlicher Tag im Glencoe – kein historischer Roman, bei dem ein Ritter in glänzender Rüstung auf weißem Pferd die Prinzessin aus der Gefangenschaft befreit sondern eher bedrückend und melancholisch. Da musste selbst ich, als Fan der Autorin schon in der richtigen Stimmung sein, um mich voll in dem Buch verlieren zu können, was mir letztlich auch erst beim zweiten Lese-Anlauf gelang. Auch dieses Mal habe ich ein wenig gebraucht um in die Geschichte und die Stimmung reinzukommen. Den politischen Hintergrund musste ich erst einmal rekapitulieren und verstehen und auch die vielen gälischen Ausdrücken haben bei mir nicht wirklich zu einem zügigen Lesefluss beigetragen. Umso dankbarer war ich für den Glossar im Buch, der mir zwar nicht bei der richtigen Aussprache, aber inhaltlich bei diesen Begriffen helfen konnte. Auch über die Landkarte habe ich mich gefreut, obwohl ich die gerne noch etwas genauer gehabt hätte. Ich blättere oft und gerne zu solchen Extras in Büchern, habe aber hier einige Orte, die im Buch eine Rolle spielten,  nicht wirklich finden und zuordnen können, wie z.B. Robs heißgeliebtes Meggernie. Das ist aber auch schon alles, was ich zu bemängeln habe, denn genau wie alle anderen Bücher von Charlotte Lyne liebe ich auch ,,Glencoe".

Neben den extrem gut recherchierten und detailliert dargestellten historischen Ereignissen, besticht auch dieses Werk der Autorin durch unvergleichliche, ganz wundervolle Figuren, die mit all ihren Schwächen, ihren Fehlern, ihrer Hoffnungslosigkeit so menschlich, echt und lebendig wirken. Vor allem die beiden alten Clan-Chefs, der MacIain und Lochiel habe ich mit ihrer bärbeißigen Art ganz schnell in mein Herz geschlossen. Aber ich mag auch Ceana, Sarahs Konkurrentin um Sandy Ogs Herz, und auch den kleinen Duncan. All meine Gedanken an das Buch und die Figuren machen mir warm und wohlig ums Herz, und sie alle, vor allem auch die beiden Hauptfiguren, haben dort einen festen Platz gefunden, so wie auch Cathie und Tom aus ,,Die 12. Nacht". Gerade Sandy Og ist ein schwieriger Geselle. Von seinem Vater glaubt er sich nicht beachtet und nicht geliebt, wertlos. Er kriegt das Maul nicht auf und äußert somit nur allzu selten seine schlauen Gedanken und Ideen. Er ist so viel schlauer, als die anderem Clanmitglieder von ihm denken und er ist ein sturer Esel, dem so schöne Gedanken an seine Frau und seinen Sohn durch den Kopf rasen, der es aber nicht schafft, seine Gefühle zu offenbaren.

Gerade auch in Sandy Ogs Gedanken zeigt Charlotte Lyne wieder ihren wunderbaren, warmen Stil, wie sie Geschichten erzählt. Da steckt so viel Poesie, Liebe zu ihren Figuren und Wärme drin, das geht so tief und bleibt im Gedächtnis haften.

Trotz (oder vielleicht auch gerade durch?) die düstere Grundstimmung des Roman, den verheerenden Ereignissen und der schon fast bittersüßen Liebesgeschichte zwischen Sandy Og und Sarah, habe ich jede Zeile und jede Seite des Buches genossen und große Sehnsucht nach meinem geliebten Schottland bekommen. Adjektive wie düster, melancholisch, bittersüß, wunderschön, warm, traurig etc. können nicht im geringsten die Stimmung erfassen, die ich beim Lesen von Charlotte Lynes Büchern habe. Das alles wird den Büchern und der Autorin nicht gerecht, weil die typische Charlotte Lyne-Stimmung all diese Begriffe und noch so viel mehr umfasst! Lesegenuss pur!!!

Bewertung:
[note1]+++++++++++++++++++++++++++++++++
Titel: Re: Glencoe - Charlotte Lyne
Beitrag von: Kingsizefairy in 08. August 2016, 00:38:10
Ich werde jetzt nicht wiederholen, was meine Vorgängerinnen über den historischen Hintergrund und die Recherche geschrieben haben, weil es da nichts dran zu meckern gibt.

Dies ist nicht der erste historische Roman, den ich gelesen habe und generell lese ich diese Art von Romanen sehr gerne.

Allerdings muss ich sagen, dass ich vom Buch sehr enttäuscht war. Es fiel mir unglaublich schwer, in den Lesefluss zu kommen und vor allen Dingen am Ball zu bleiben. Für mich war es wirklich eine Qual, das Buch zu Ende zu lesen.

Mir gefiel der Schreibstil leider überhaupt nicht und ich weiß nicht, ob die Autorin ihr Deutsch verlernt hat. Für manche der schottischen Begriffe hätte sich durchaus ein anderer deutscher Begriff finden lassen, der im Zusammenhang wesentlich besser gepasst hätte. So wirkte mancher Ausruf doch ziemlich gequält auf mich.
Generell fand ich das Buch sehr langatmig um nicht zu sagen langweilig.

Würde ich es weiterempfehlen? Ich denke, nein. Jedenfalls werde ich es nicht noch einmal lesen und glaube auch kein weiteres Buch der Autorin in die Hand nehmen.

Bewertung:  :Box1: :Box1: