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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 02. Februar 2011, 13:06:30

Titel: Der Herr des Falken - Valeria Montaldi
Beitrag von: Kathrin in 02. Februar 2011, 13:06:30
[isbn]3404152433[/isbn] Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3404152433
Seiten: 476
Ausgabe: TB, 2. Auflage 2004

Kurzbeschreibung:
Gefährliche Liebschaften und mörderische Intrigen im mittelalterlichen Mailand. Mailand im Jahre 1226. Am Ufer des Vettabbia-Kanals wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Der Zustand des Leichnams deutet auf einen gewaltsamen Tod hin. Ein Medaillon gibt Aufschluss über die Herkunft der Toten: Es ist Caterina Gisalbertini, deren mächtige Familie enge Beziehungen zum Haus des Erzbischofs pflegt. Möglicherweise allzu enge Beziehungen, denn wie sich herausstellt, hatte Caterina kurz vor ihrem Tod heimlich ein Kind zur Welt gebracht. In einer Zeit, in der die Inquisition in vollem Gange ist und der Widerstand gegen den Stauferkaiser Friedrich II. für großen Aufruhr sorgt, gelangt nach und nach eine Tragödie mit weitreichenden Folgen ans Tageslicht ...

Meine Meinung:
,,Der Herr des Falken" von Valeria Montaldi ist vor einigen (fünf bis sieben Jahre würde ich schätzen) Jahren vermutlich ein einem Buchkaufrausch (der sich damals auf historische Romane aller Art beschränkte) schon nahezu wahllos in mein Bücherregal gelangt. Da ich im Laufe der Jahre jedoch gelernt habe, diese Kaufrauschattacken einigermaßen in den Griff zu bekommen und eigentlich nur noch die Bücher kaufe, die ich auch wirklich lesen will und werde, ist das Buch von Valeria Montaldi fast völlig in Vergessenheit geraten und hat mich auch nicht mehr brennend interessiert. Dass ich es nun hervorgezogen und gelesen habe, war eher Zufall, aber ein guter Zufall, denn es hat mir alles in allem gut gefallen. Wie ich im Nachhinein festgestellt habe, ist es die Fortsetzung von ,,Der Traum des Tuchhändlers" und zumindest auf Italienisch scheint es noch einen dritten Teil zu geben, der allerdings nicht mehr in Deutsche übersetzt wurde.

Anfangs dachte ich noch, das Buch kommt nicht richtig in Fahrt. Die Leiche einer ermordeten adeligen jungen Frau, die vor kurzem ein Kind geboren haben muss, wird aus dem Wasser gezogen und dann geschieht ein Zeitsprung von 17 Jahren, mit dem die eigentliche Geschichte beginnt. In den ersten Kapiteln bombadiert uns die Autorin mit vielen Figuren, die zunächst ohne Zusammenhang zu der vor 17 Jahren gefundenen Leiche oder zueinander zu sein scheinen. Auch Dialoge sind zunächst Mangelware, so dass das Lesen der Kapitel zunächst etwas zäh und anstrengend war und viel Aufmerksamkeit erforderte. Allerdings habe ich mich nie richtig von diesem Buch lösen können und dass obwohl der Mörder der jungen Frau eigentlich von Anfang an feststand.

Mit der Zeit wird das Buch lebendiger, die einzelnen Charaktere bekommen ihr eigenes Schicksal, ihre eigene Geschichte, die alle mit der Zeit zusammenlaufen, wie ein Puzzle aus vielen Teilen, dass nur zusammengesetzt ein ganzes Bild ergibt. Auch gewöhnte ich mich mit der Zeit an den Schreibstil der Autorin, mochte ihn sogar sehr gerne und habe vor allem die letzten Sätze ihrer Kapitel lieben gelernt, die mir viel Liebe zu kleinen Details oft kleine, unscheinbare Alltagsszenen zeigen: Eidechsen, Hunde. Gerade diese Schlusssätze haben etwas Friedliches, etwas Normales, etwas Ruhiges, und dass wo doch das ganze Buch geprägt ist von diesem Mord, vom Schrecken des Krieges und den Intrigen in Maiand. Generell schreibt Valeria Montaldi mit viel Liebe zum Detail – ohne das das Buch dadurch überfrachtet wirkt -und sehr bildreich, das Kopfkino funktioniert wunderbar, manchmal sogar schon zu gut.

Den historischen Hintergrund finde ich grundsätzlich sehr interessant. Da ist zum einen der Zusammenhang mit Kaiser Friedrich II, der einen Machtkampf mit der Kurie ausficht, einen Anspruch auf die Lombardei und Mailand erhebt und einen Reichskrieg gegen die Kommunen führt. Dann haben wir die Situation in Mailand und Intrigen in der oberen Schicht, die mit dem Mord zusammenhängen und zusätzlich noch die Geschichte von Guglielma von Mailand, die zur damaligen Zeit in Mailand nahezu als Heilige verehrt wurde und einen  Glaubensbund um sich gegründet hat. Grundsätzlich sind diese einzelnen Hintergründe sehr interessant, nur wirkt der Zusammenhang etwas konstruiert und nicht rund, denn wenn man nur ein wenig im Internet googlet, passen allein die Jahreszahlen auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen: Der Kaiser stirbt 1250 und Guglielma erscheint in Mailand zwischen 1260 und 1270. Es passt leider einfach nicht, wenn man genauer hinschaut und wirkt nicht rund. So interessant der Kaiser als historische Figur an sich sein mag, für die Geschichte um den Mord und dessen Aufklärung hätte es ihn eigentlich nicht gebraucht. Auch die Figur der Guglielma von Mailand – an und für sich hoch interessant – und die Entwicklung mit ihren Visionen hat mich letztlich doch ein wenig gestört, denn ihr Auftauchen im Bezug auf die Ermittlungen im Mordfall, wirkte etwas gestelzt. Nichtsdestotrotz finde ich, dass die Autorin die rein geschichtlichen Hintergrundinformationen sehr gut und interessant rüber bringt. Vielleicht würde mir ein historischer Roman über eine berühmte Persönlichkeit (Friedrich II oder Guglielma), so ein dicker Schinken von ihr besser gefallen, als ein historischer Krimi, selbst wenn der Kriminalfall an sich auch sehr schön erzählt wurde und spannend war. Fast könnte man sagen, die Mischung hat nicht gestimmt, aber die einzelnen ,,Zutaten" dieser Mischung waren in sich gut und es war in dem Roman viel enthalten: Liebe, Geschichte der Stadt Mailand, historische Persönlichkeiten, Intrigen, Mord aber auch schöne Szenen mit Tieren oder Kindern, die einem zum Lächeln bringen.

Auch wenn es jetzt in meiner Rezension so klingt, als ob die doch vielen Kritikpunkte die Bewertung eher zum Mittelmaß hinziehen, so kann ich alles in allem sagen, dass ich das Buch wirklich sehr gerne gelesen habe. Vielleicht sollte man die ein oder andere Sache nicht genauer hinterfragen und einfach nur die Geschichte genießen und das habe ich letztlich getan. Ich werde auch auf alle Fälle noch den ersten Roman der Autorin lesen und finde es schade, dass Band 3 nicht mehr ins Deutsche übersetzt wurde.

Bewertung
[note2]