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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 09. Dezember 2011, 13:02:15

Titel: [13. Jh, Deutschland] Die Buchmalerin - Beate Sauer
Beitrag von: Kathrin in 09. Dezember 2011, 13:02:15
[isbn]3442461782[/isbn] Verlag: Goldmann (April 2006)
ISBN: 3442461782
Seiten: 528
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95

Kurzbeschreibung:
onata hat es nicht leicht im rauen Eifelklima des Mittelalters. Denn die Buchmalerin befindet sich seit nunmehr schon vier Jahren auf der Flucht vor der Inquisition. Aber es kommt noch schlimmer, als Donata durch Zufall den Mord am Inquisitor Gisbert beobachtet. Denn der mächtige Kirchenmann wurde von Kardinal Enzio von Trient ins Jenseits befördert, der von Papst Gregor IX. den Auftrag erhalten hat, am Sturz Kaiser Friedrich II. mitzuwirken. Doch der machtversessene Enzio hat andere Pläne und schielt seinerseits auf den Papstthron. Um seine Absichten zu verdunkeln, muss er unbedingt Donata aus dem Weg räumen. Er lässt sie zur Ketzerin erklären und seinerseits jagen. Und dann taucht plötzlich auch noch ein Gefolgsmann Friedrichs II. auf, der Donata zugetan zu sein scheint. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt ...

Meine Meinung:
Ehrlich gesagt hatte ich meine Bedenken was das  Buch ,,Die Buchmalerin" von Beate Sauer angeht. Zum einen bin ich bei historischen Romanen doch sehr von meinen Lieblingsautoren verwöhnt und daher sehr wählerisch geworden und nur schwer zufriedenzustellen. Zum anderen waren die Kritiken zu dem Buch aus meinem Bekannten- und Freundeskreis auch nicht gerade die besten. Dann auch noch ein ,,Die ...-in"-Buch, was mich sofort Frauen in Männerkleidung befürchten lässt. Und tatsächlich ist die weiblichen Hauptfigur in Männerkleidung auf der Flucht und wird auch bereits nach vier Seiten von Dämonen verfolgt. Nein, mein persönlicher emotionaler Einstieg in das Buch war behaftet mit Vorurteilen und daher etwas steinig.

Aber ich bin dabei geblieben und als dann doch relativ der Mord begangen wurde, den die weibliche Hauptfigur Donata beobachtet hat, kommt auch langsam etwas Fahrt in die Geschichte, so dass ich das Buch eher als historischen Krimi sehe und weniger ein Buch über eine Frau und ihre Fähigkeiten als Buchmalerin. Dennoch ist der Roman für mich an der ein oder anderen Stelle etwas unlogisch bzw. unrund. Auch geht mir die ein oder andere Wendung, der ein oder andere Gedanke irgendwie zu schnell, so dass mir mitunter vielleicht auch nur ein kurze erklärende Überleitung oder ein einziger erklärender Satz fehlt, der das ein oder andere Fragezeichen in meinem Kopf getilgt hätte. Manche Passagen wirken ein wenig erzwungen und gekünstelt. Leider sind mir zwei-drei Ungenauigkeiten auch im historischen Sinne aufgefallen, zumindest halte ich sie für Ungenauigkeiten, denn nur weil ich gerne hist. Romane lese, bin da ja weiß Gott kein Experte. Aber wenn auf einem Marktplatz von den ,,Ständen der Beutelschneider" die Rede ist, dann frag ich mich jetzt doch was das soll. Gab es den Beruf eines Beutelschneiders im Sinne des Schneiderhandwerks wirklich? Ich kannte den Begriff bislang nur als anderes Wort für Dieb. Und kann man in einem hist. Roman, der im 13. Jahrhundert spielt wirklich von ,,Deutschland" als Land sprechen? Sagte man da nicht eher Reich dazu? Das sind Kleinigkeiten, die mich verwirren und auch ärgern können.

Auch die Figuren machen mich nicht wirklich glücklich. Sie sind mir zu einseitig zu stereotyp. Es gibt nur gut und böse, nur schwarz und weiß, die grauen Zwischenstufen gibt es nicht. Die Bösen sind einfach nur fies und intrigant und rotten sich auch noch zusammen und die Guten erleben zwar ein Auf und Ab, haben mal Glück und mal Pech, aber sowie sie im Schlamassel sitzen, sind sie auch ruckizucki wieder raus, weil irgendein guter Held immer zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist. Das finde ich für Figuren leider ziemlich langweilig. Lediglich eine Figur konnte mich überzeugen, die Äbtissin des Klosters, in dem Donata zwischenzeitlich Unterschlupf findet. Ihr Intellekt und ihre Menschlichkeit haben mich schwer beeindruckt. Über sie hätte ich wirklich gerne mehr gelesen.

Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich in diesem Jahr schon weitaus schlechtere Bücher gelesen oder gar nicht beendet habe. Hier habe ich aus irgendeinem Grund durchhalten können. Bei Beschreibungen der Gegend, der Gebäude oder was auch immer, drifteten meine Gedanken zwar sofort ab

Aber sowie es in der Geschichte zu Dialogen und wahrer Handlung kam wurde es interessant und lies sich gut lesen. Insofern ist das Buch für mich eine ganz nette Unterhaltung ohne den Kopf groß anstrengen zu müssen, aber mehr auch leider nicht.

Bewertung:
[note3+]