Julie Kibler "Zu Zweit tut das Herz nur halb so weh"
[isbn]3866123256[/isbn]
Kentucky, Ende der 1930er: Isabelle will dem engen Korsett ihrer Familie entfliehen. Ausgerechnet der farbige Sohn der Hausangestellten eröffnet ihr eine neue Welt. Eine Welt allerdings, die sie nicht betreten darf. Doch Isabelle ist entschlossen, ihre verbotene Liebe zu leben, gegen alle Konvertionen - und gegen den erbitterten Widerstand ihrer Familie... (Klappentext)
Meine Meinung:
Dorrie begleitet ihre sehr viel ältere Freundin Isabelle bei einer Fahrt durch das halbe Land mit einem bestimmten Ziel... eine Beerdigung. Dorrie weiß nicht wer beerdigt wird, aber sie merkt, dass es Isabelle sehr wichtig ist dorthin zu fahren und deshalb lässt sie ihre eigenen Probleme hinter sich, um für die alte Dame den Chauffeur zu spielen. Auf der langen Fahrt erzählt Isabelle Dorrie die Geschichte ihres Lebens, über die Liebe ihres Lebens. Eine Liebe, die rassistischen Stürmen entgegentritt und sich über alle Konventionen hinweg setzt...
Das Buch wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Dorrie (in der Gegenwart) und Isabelle (in der Vergangenheit) erzählt. So bekommt man direkt Einblick in Dorries Gefühlswelt und natürlich auch in Isabelles, die für mich die eigentliche Hauptfigur des Romans ist. Natürlich spielt auch Robert eine große Rolle in der Geschichte, aber durch die Ich-Erzählperspektive bleiben seine Gefühle, Beweggründe und Gedanken doch relativ im Dunklen, was mich persönlich aber nicht gestört hat.
Isabelle ist eine mutige, wohlbehütete Frau mit einer Courage von der viele nur träumen können. Sie kämpft für und um ihre Liebe, muss sich vielen Widrigkeiten entgegensetzten und führt einen Kampf, den sie anscheinend dank der Gesellschaft nicht gewinnen kann. Dorrie ist eine sympathische, junge Mutter, die schon viele Enttäuschungen hin nehmen musste und die jetzt vor der Entscheidung steht einen Mann wieder in ihr Leben und ihr Herz zu lassen.
Beide Frauen sind mir ans Herz gewachsen in ihrer tollen Art, aber besonders fasziniert hat mich Isabelle in diesem Buch. Ihr Mut, ihr Wille und ihre Kraft sind einfach beeindruckend und trotzdem lernt man sie auch immer wieder von ihrer verletzlichen Seite kennen. Man empfindet so viele Gefühle beim Lesen dieses Buches von Freude und Entzücken bis hin zu Wut und Trauer. Es ist sehr flüssig zu lesen und zieht einen regelrecht in seinen Bann. Die wechselnden Perspektiven zwischen den beiden Frauen, geben einem die Chance zwischendurch Atem zu holen, wenn wieder alles aussichtslos erscheint.
Der Rassismus hat eine zentrale Rolle in dem Buch und wird greifbar durch die Anfeindungen die auch in der Gegenwart beschrieben werden. Ich finde es immer noch erschreckend wie schlimm die Menschen sich verhalten können, wenn sie mit Menschen mit einer anderen Hautfarbe in Kontakt kommen. Leider auch heute noch ein großes Thema in dieser Welt, was dieses Buch mit leisen Tönen zeigt.
Ich möchte nicht zu viel verraten, das Ende war für mich sehr bewegend und traurig, aber trotzdem rund. Ich wollte es nicht anders haben, auch wenn man sich zwischendurch sicherlich ein anderes Ende wünscht. Ich kann nur jedem, der eindrucksvolle, gefühlsintensive Bücher über eine kraftvolle Liebe mag, dieses Werk nur ans Herz legen, es ist ein absoluter Volltreffer!
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