Buchrebellin Forum

Liebesromane => Rezensionen => Thema gestartet von: Marja in 25. Januar 2014, 13:08:32

Titel: Halva, meine Süße - Ellen Alpsten
Beitrag von: Marja in 25. Januar 2014, 13:08:32
[isbn]978-3649605980[/isbn]

Klappentext

Als Halva auf einer Party Kai kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Während die beiden sich immer näher kommen und Pläne für eine gemeinsame Zukunft schmieden, ahnen sie nicht, welche Tragödie sie mit ihrer Beziehung ins Rollen bringen. Plötzlich erhalten Halvas Eltern seltsame Briefe aus ihrem Heimatland, dem Iran, und versuchen, ihre Tochter mit allen möglichen Ausflüchten von ihrem Freund fernzuhalten. Halva begreift zu spät, was noch alles für sie und ihre Familie auf dem Spiel steht. Hat ihre Liebe zu Kai dennoch eine Chance?

Meine Meinung

Wieder mal ein Buch, bei dem ich hin - und hergerissen bin. Gepackt hat es  mich vom 2. Kapitel an, was für mich eine absolute Seltenheit ist, der Schreibstil ist schön flüssig und auch die Charaktere gerade tiefgründig genug.
In der ersten Hälfte des Buches wird sehr schön dargestellt, wie sich eine iranische Flüchtlingsfamilie eine neue Existenz in Deutschland aufbaut, die Kinder westlich aufwachsen und trotzdem auch im Alltagsleben die Kultur des Heimatlandes gepflegt wird. Und schon im Prolog hatte man das Gefühl, es mit lauter starken Frauenfiguren zu tun zu haben, die wissen, was sie vom Leben wollen, Halva, ihre Mutter, ihre Großmutter. Ebenfalls im Prolog wird aber schon angedeutet, dass den Preis für die Freiheit ihrer Familie Halva wird zahlen müssen - für die Hilfe bei der Flucht hat Halvas Vater seinem Vetter die einzige Tochter für einen seiner vier Söhne versprochen. Immerhin, Halvas Großmutter reagiert darauf ziemlich entsetzt und betrachtet eine solche Art des Versprechens als überholt. Das macht doch Hoffnung, oder?
Ab der zweiten Hälfte des Buches verwandelt sich Halvas Familie jedoch leider in die Klischee - Familie, deren Vater nur auf seine Ehre bedacht ist und die Frau natürlich hinter ihrem Mann steht. Gut, hätte ich vielleicht noch nachvollziehen können, zumindest Halvas Vater machte von Anfang an den Eindruck, sich in diese Richtung entwickeln zu können. Enttäuschend für mich war aber, dass auch Halvas Bruder, der immer der beste Freund seiner Schwester war, sie plötzlich beschimpft, kontrolliert, schlägt. Das war für mich nicht mehr glaubwürdig. Hin - und hergerissen sein und dann doch auf Seiten des Vaters stehen, bitte. Aber doch nicht gleich der Feind der Schwester werden und ihr das Wort verbieten. Da war dann plötzlich die gut integrierte Familie dahin, was ich sehr schade fand. Es gibt doch schon genug Hass und Vorurteile auf beiden Seiten, dass muss doch durch solche Geschichten nicht noch geschürt werden.
Vielleicht hätte Halvas Großmutter hier noch eine schöne Brücke schlagen können, aber die durfte leider nach dem Prolog nicht nochmal auftauchen, nicht einmal durch Briefe. Noch so eine verschenkte Chance.

Die Liebesgeschichte zwischen Halva und Kai war für mich eigentlich nebensächlich. Sie fängt sehr süß an, das Kennenlernen und erste Annähern war toll beschrieben. Aber gleich danach sehen die zwei sich als Romeo und Julia, die fürs Leben zusammengehören. Ich glaube, für so eine überschwängliche Teenager - Liebe bin ich zu alt.   :hmschild:
Aber na ja, bin ja auch nicht ganz in der Zielgruppe.  :->
Für mich geht es in erster Linie doch darum, ob Halva es schafft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, Kai ist da nur eine Art Katalysator.

Das Ende des Buches ist offen und zumindest beim ersten Lesen war ich fassungslos. Aber je länger ich nachdenke, desto besser kann ich die Entscheidungen der Figuren nachvollziehen. Das Buch würde sich sicher für eine Fortsetzung eignen, kann aber auch alleine stehenbleiben.

So, was sage ich denn letzten Endes zu dem Buch?  :kopfkratz:
Es hat mich extrem gefesselt, aber auch sehr traurig gemacht. Ein positiver, weniger klischeebehafteter Handlungsverlauf wäre noch um einiges besser gewesen.

Bewertung

[note2-]