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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Lannie in 21. Mai 2007, 17:10:30

Titel: Jane Eyre - Charlotte Brontë
Beitrag von: Lannie in 21. Mai 2007, 17:10:30
[isbn]3423125403[/isbn]   Verlag: dtv
ISBN-10: 3-423-12540-3
Seiten: 654
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 07.1998
Preis: € 10,00

England im 19. Jahrhundert


Die Vollwaise Jane Eyre wächst im Haus ihrer Verwandten auf. Von allen verachtet und ungeliebt, wird sie in die berüchtigte Erziehungsanstalt Lowood gesteckt. Als Erwachsene nimmt sie eine Stellung als Erzieherin auf dem Herrensitz Thornfield des egozentrischen Mr. Rochester an, der sich von der äußerlich unscheinbaren, aber intelligenten jungen Frau sofort angezogen fühlt...

Meine Meinung


"Jane Eyre" ist das erste Buch der Brontë-Schwestern, das ich gelesen habe und ich bin mehr als einfach ,nur' begeistert.
Zunächst befürchtete ich, ich müsse mich erst an Sprache und Stil gewöhnen. Das war jedoch überhaupt nicht der Fall. Nicht ein einziges Mal hatte ich Probleme in dieser Richtung. Es mag an der neuen Übersetzung liegen, die ich gelesen habe, allerdings kann ich das nicht mit Gewissheit sagen.

Charlotte Brontë schreibt mit unheimlich viel Witz, Spritzigkeit und Charme und vergisst dabei weder die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen, die einem die Gegend bildlich vor Augen zaubern, in der sich Jane Eyre bewegt, noch hat sie ihre Figuren stiefmütterlich behandelt.
Ganz im Gegenteil. Ihre Charaktere, von der Hauptfigur der Jane Eyre angefangen, bis zu den Nebenfiguren, sind wunderbar facettenreich und wirken so realistisch, als stünden sie vor einem. Nie kam mir eine Figur überzogen oder zu blass dargestellt vor.
Gerade Jane Eyre ist nicht nur zu einer guten Freundin geworden, sondern ich fand mich ab einem bestimmten Punkt als Jane Eyre persönlich wieder. Ich habe die Geschehnisse wahrhaftig durch ihre Augen gesehen und dermaßen mitgelitten, als wäre ich sie.

Ganz klar steht in diesem Buch die Liebesgeschichte im Vordergrund, wirkt dabei aber nie realitätsfremd oder kitschig. Sie ist sehr wirklich und absolut nachvollziehbar dargestellt, mit all der Hoffnung, den Zweifeln, der Trauer, der Freude und Glückseligkeit. Vieles habe ich so oder in einer anderen Form schon selbst erlebt oder empfunden, so dass dieser Roman eindeutig zeitlos ist.
Aber es hat noch mehr zu bieten. Dunkle Geheimnisse und überraschende Wendungen, sowie entsetzliche Schicksalsschläge runden den Roman ab und geben ihm eine ganz gewisse Würze.

Um das Gesamtbild abzurunden, möchte ich einige Adjektive anführen, die dieses Buch besser beschreiben, als tausend Worte. Es ist romantisch, emotionsgeladen, gefühlvoll, realitätsnah, zutiefst berührend, sehnsuchtsvoll, überraschend, geheimnisvoll, unheimlich, grausam, spannend, und so vieles mehr, dass diese Aufzählung nahezu ins Unendliche gehen würde.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass mich dieses Buch von der ersten Zeile an in seinen Bann gezogen und mich erst mit dem Schlusspunkt wieder losgelassen hat. Ich empfinde den Roman als einzigartig, etwas ganz besonderes, das mit Worten kaum zu beschreiben ist.

Meine Bewertung


Note: 1+

[note1]
Titel: Re: Jane Eyre - Charlotte Brontë
Beitrag von: Nebelpriesterin in 17. August 2007, 14:39:59
Hallo Lannie,

ich habe das Buch vor kurzem bei Büchereule in einer Leserunde gelesen, mein erstes Buch von einer der Brontë-Schwestern und ich kann mich Deinem Lob nur anschließen.

Ich fand vor allem auch die Sprache überraschend modern. Gelesen habe ich die Ausgabe vom Bertelsmannverlag in der Übersetzung von Gottfried Röckelein.

Einzig mit dem Ende habe ich ein wenig Probleme Wo bleibt Janes Wille sich und andere zu bilden und ihr Potenzial nicht brach liegen zu lassen? Am Ende ist die Idealvorstellung der glücklichen Familie, so wie es dem Ideal der Zeit entspricht, wieder hergestellt. Ich frage mich, ob Janes geistigen Fähigkeiten und ihre Eigenständigkeit dabei nicht ein wenig verloren gehen. Auf der anderen Seite hat sie genau das getan was sie wollte und damit ihren Weg durchgesetzt. Sie lebt an der Seite Mr. Rochesters als dessen Ehefrau.

Alles in allem habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Für mich ist es ein empfehlenswertes Stück Weltliteratur!

LG, Frühlingsfee