| [isbn]380902600X[/isbn] | | Autor: Michaela Moritz / Udo Jürgens Verlag: Limes Verlag ISBN: 380902600X Seiten: 757 Ausgabe: Taschenbuch Preis: 14,99 Euro |
Inhalt:Udo Jürgens' Familiengeschichte, eine unter die Haut gehende Saga von Glanz und Elend, Aufstieg und Fall, Angst und Triumph, wird als TV-Zweiteiler am 29.09. und 30.09.2011 in der ARD ausgestrahlt.
Diese Filmsonderausgabe enthält viel Bonusmaterial: ein Exklusiv-Interview mit Udo Jürgens, zahlreiche Fotos und ausführliche Informationen zu den Dreharbeiten.
Die Jazzband des legendären Freddie Brocksieper geht von der Bühne. Ein junger Gast aus Salzburg darf ein wenig Pausenmusik spielen. Er nutzt seine Chance, spielt Blues, Jazz und Swing und singt dazu. Tosender Applaus erfüllt das Schwabinger Studio 15. Niemanden hält es auf den Stühlen, die Menschen umringen das Klavier. Es ist kurz nach Mitternacht. Udo Jürgens ist soeben 21 Jahre alt geworden, und in dieser Geburtstagsnacht beginnt eine der eindrucksvollsten Karrieren der deutschen Musikgeschichte.
Meine Meinung:,,Der Mann mit dem Fagott" erzählt die Geschichte der Bockelmanns und umspannt mehr als 100 Jahre Familiengeschichte anhand dreier Generationen: Großvater Heinrich Bockelmann, Vater Rudolf Bockelmann und Enkels Jürgen Bockelmann, der sein Leben der Musik gewidmet hat und als Udo Jürgens ein große Karriere erleben durfte. Gemeinsam mit der Ghostwriterin Michaela Moritz erzählt Udo Jürgens die Geschichte seines Großvaters, der Ende des 19. Jahrhundert nach Russland auswandert und als Bankier im zaristischen Russland Höhen aber auch Tiefen vor allem während des Ersten Weltkrieges erlebt, die seines Vaters, der u.a. Bürgermeister in der österreichischen Heimat Ottmanach war und die Grauen des Nazi-Regime und des Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie am eigenen Leib erfahren musste und die seines eigenen Werdegangs.
Es gibt sicherlich viele Familiengeschichten, die die Jahrhundertwende, die Weltkriege und die Nachkriegszeit in Europa schildern, aber natürlich hat mich vor allem die Geschichte eines Prominenten und seiner Familie gereizt. Aber auch die Geschichte des Musikers, denn auch ich fühle mich als Musikerin – wenn auch ,,nur" auf Hobby-Ebene. Umso spannender war es dann für mich, dass ich im Leben von Heinrich Bockelmann gewisse Parallelen zum Leben meines eigenen Ur-Großvaters finden konnte.
Der Erzählstil ist in meinen Augen jedoch leider nur bedingt gelungen. Kurze und prägnante Sätze können zwar gerne mal als Stilmittel eingesetzt werden, um das Tempo oder die Spannung zu erhöhen, aber auf Dauer stört es den Erzählfluss. Auch den Präsenz als durchgängige Zeit zu nutzen ist gewöhnungsbedürftig und in Romanen eher eine Ausnahme. Man kann sich in den Stil zwar einlesen, aber gefallen muss es einem nicht. Spannenderweise fand ich gerade diesen Stil in dramatischen Passagen während der beiden Weltkriege extrem gelungen. Da hatte ich das Gefühl, mitten drin zu sein in den Ereignissen – und war froh, dass es letztlich doch ,,nur" ein Buch ist.
Die Geschichte der drei Generationen ist in drei Handlungssträngen erzählt, die sich mal in kurzen, mal in längeren Einheiten miteinander abwechseln. Die Zeitsprünge machen mir dabei mitunter zu schaffen und zwar nicht nur weil ich inhaltlich komplett umdenken muss, sondern auch weil ich immer am liebsten in der aktuellen Geschichte drin bleiben möchte und wissen will, wie es da nun weiter geht. Da jedoch alle drei Handlungsstränge extrem spannend sind, habe ich mich irgendwann damit arrangiert und mich sogar auf den nächsten Wechsel gefreut. Dennoch gab es auch Episoden, die mir zu ausschweifend waren, wo weniger mehr hätte sein können.
Einen Favoriten unter den Handlungssträngen habe ich nicht, inhaltlich finde ich sie alle äußerst fesselnd. Allerdings war ich überrascht, wie faszinierend ich den Werdegang von Udo Jürgens fand und auch die Tatsache, wie ehrlich er mit sich und seinem Leben war. Besonders gelungen fand ich die Passagen, in den Udo Jürgens Musik macht oder seine Lieder komponiert hat – und das auch schon vor seinem Erfolg beim Grand Prix de la Chanson. Er zieht mich in diesen Passagen so sehr in seinen Bann wie er das auch mit seiner Musik schafft. In einigen seiner Hits sehe seit der Lektüre dieses Buches mehr als nur gute Songs, die auf keiner Party fehlen dürfen.
,,Der Mann mit dem Fagott" ist eine bewegende und spannende Familiengeschichte und damit auch verknüpft die Geschichte von Udo Jürgens, die dem Leser den Menschen hinter dem Star näherbringt – auch ohne Fan zu sein. Mit einem anderen Erzählstil hätte das Buch zu einem meiner absoluten Lesehighlights werden können.
Bewertung:[note2-]