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Unterhaltung => Rezensionen => Thema gestartet von: Aurian in 14. September 2015, 21:12:13

Titel: Lorenzo Marone - Der erste Tag vom Rest meines Lebens
Beitrag von: Aurian in 14. September 2015, 21:12:13
[isbn]9783866123960[/isbn]

288 Seiten
Pendo Verlag
ET: 14.9.2015
OT: La tentazione di essere felici
Aus dem Italienischen von Esther Hansen

Kurzbeschreibung lt. Amazon
Cesare ist 77 und zieht Bilanz. Von seinen einst hochfliegenden Träumen ist wenig aufgegangen. Seine Methode, mit den Enttäuschungen des Lebens umzugehen: Ironie und Sarkasmus. Das kommt bei seinen Mitmenschen nicht immer gut an. Bis Emma in die Nachbarwohnung zieht. Irgendetwas stimmt nicht mit ihr und ihrem Mann. Das sieht Cesare an Emmas traurigen Augen. Und plötzlich mischt sich Cesare ein. Er hat wieder Mut zu kämpfen. Für seine junge Nachbarin. Für die Liebe. Für das Glück, am Leben zu sein ...

Meine Eindrücke
Mit einem liebevollen Blick für das Wesentliche beschreibt der Autor die Personen, die dem Leser in diesem Buch begegnen. An vorderster Front ist da natürlich Cesare, der anfangs etwas grantig wirkt. Trotzdem hält er Kontakt zu seinem Nachbarn und Freund Marino, der schon seit Jahren seine Wohnung nicht mehr verlassen hat. Seine Kinder sieht er auch regelmäßig, auch wenn es ihnen der brummige Senior nicht immer einfach macht.

Schonungslos, aber auch humorvoll wird das Leben im Alter dargestellt. Jeder lebt auf andere Art und Weise. Manchmal einsam, dann wieder familiär oder auch mit Angst vor der Zukunft.
Beim Lesen entdeckte ich Aussagen, die viel Wahres enthalten und die ich mir am liebsten markiert hätte, um sie immer wieder lesen zu können. Das ist kein Buch zum schnellen Weglesen, sondern man sollte sich Zeit dafür nehmen.

Cesare erzählt nach und nach sein Leben in Rückblicken, die ihn als Mensch nicht immer positiv darstellen. Wir lernen einen Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen kennen und er schildert sich und seine Handlungen ehrlich und schonungslos. Er meint er wäre ein Egoist und ein Soziopath der menschliche Kontakte meidet.
Das ist sicher ein Teil seiner Persönlichkeit, aber man lernt auch einen anderen Cesare kennen, der sich Gedanken um seine Kinder und Mitmenschen macht und der es liebt zu leben und das Leben zu genießen.

Durch die Handlung rund um die junge Nachbarin Emma kommt Dramatik und Spannung in die Geschichte. Es wird ein erschreckender und leider auch realistischer Verlauf geschildert, der nach Ende des Buches noch nachhallt.

Diesen humorvollen, aber auch nachdenklichen Blick auf ein Leben, verpasste Chancen und das Alter habe ich sehr gerne gelesen. Es ist erstaunlich, dass der Autor erst 40 Jahre alt ist, denn beim Lesen hat ich das Gefühl, dass hier ein Mensch seine Lebenserfahrung einfließen lässt.

[note2+]

LG, Aurian