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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 01. Oktober 2015, 15:03:24

Titel: Die florentinische Prinzessin - Christopher W. Gortner
Beitrag von: Kathrin in 01. Oktober 2015, 15:03:24
[isbn]3442475414[/isbn] Autor: Christopher W. Gortner
Verlag: Goldmann
ISBN: 3442475414
Seiten: 576
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,99 Euro

Inhalt:
pulent, packend, unvergesslich: das faszinierende Porträt der Caterina de Medici

Mit gerade mal acht Jahren wird Caterina de Medici im Zuge der republikanischen Unruhen zur Geisel genommen und gefangen gehalten, als junges Mädchen wird sie Heinrich dem II. versprochen und nach Frankreich, in eine ihr feindlich gesinnte, fremde Umgebung, geschickt. Am französischen Hof ist sie dann jahrelang den Demütigungen der Liebhaberin ihres Mannes ausgesetzt. Doch Caterina lässt sich nicht einschüchtern, und sie konzentriert all ihre Energien auf ein Ziel: den Thron für ihre Söhne zu sichern. Auch wenn dies bedeutet, ihre eigenen Ideale und die Leidenschaft ihres Herzens zu opfern ...


Meine Meinung:
,,Die florentinische Prinzessin" von Christopher W. Gortner ist eine Romanbiographie über Katharina de Medici, die im Alter von 14 Jahren mit dem späteren französischen König Henri II verheiratet wurde und Mutter von 10 Kindern war. Katharina de Medici ist für mich eine der spannendsten Figuren der französischen Geschichte. Dies gepaart mit der guten Meinung befreundeter Leserinnen über den Autor, von dem ich bislang noch nichts gelesen hatte, machte mich sehr neugierig auf das Buch, doch leider wurden meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt.

Zur Zeit Katharinas ist in Frankreich sehr viel passiert, sowohl innen- als auch außenpolitisch und auch in Katharinas Privatleben, da macht die doch eher durchschnittliche Seitenzahl des Buches (576 Seiten) eher stutzig. Die Gewichtung von Innen- und Außenpolitik und Privatleben an ist ausgewogen, aber gut erzählt ist es nicht. Irgendwie wird alles ziemlich oberflächlich behandelt. Die Religionskriege werden beispielsweise lange Zeit nur in Nebensätzen runtererzählt und auch der brutalen und blutigen Bartholomäus-Nacht wird nicht die Bedeutung beigemessen, die sie verdient. Der historische Hintergrund ist mir für dieses komplexe Thema viel zu einfach gehalten. Um das wirklich alles historisch zu verstehen und einordnen zu können, fehlen zu viele Hintergrund-Informationen. Auch das Privatleben von Katharina wirkt auf mich nicht rund. Sie hatte wirklich keine einfach Ehe und wie gesagt 10 Kinder mit Henri II, das kam bei mir aber alles nicht wirklich an. Der angeblichen Affaire Katharinas mit Coligny hingegen hat der Autor in meinen Augen zu viel Bedeutung beigemessen. Immerhin hält er diesen Aspekt in seinem Buch konsequent durch – nichtsdestotrotz bezweifle hier die historischen Wahrheit, was auch für andere Stellen in Gortners Geschichte gilt. Das gipfelte in einem Fehler im beigefügten Stammbaum, was wirklich nicht sein muss. So was muss doch auffallen.  Auch sonst vieles unrund. Es wird beispielsweise  sehr viel Wert darauf gelegt, dass Katharina unter Rheuma litt (was ja auch bekannt ist) und nach 10 Schwangerschaften eher rundlich war...und doch kann sie kurz darauf durch die Gänge des Palastes eilen???

Leider liegt mir auch der Erzählstil des Autors nur bedingt auch wenn sich das Buch leicht und flüssig liest. Die Ich-Form, die der Autor verwendet, schafft es nicht Katharina mir als Leser nahe zu bringen. Auf mich wirkt sie unpersönlich und unnahbar. Zudem ist sie mir zu eindimensional und gut dargestellt. Sie war bestimmt mehr als nur der mordende Teufel, der die Bartholomäus-Nacht und somit den Tod vieler Menschen zu verantworten hat. Sie war Frau und Mutter und nicht nur Politikerin und sie hatte bestimmt auch ihre Fehler – wie jeder Mensch - die wir hier jedoch kaum präsentiert bekommen. Auch wenn das Bild des Autors auf seine Hauptfigur geschönt zu sein scheint, wirkt der Erzählstil auf mich eher lieblos und emotionslos. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, als ob der Autor sehr an seinen Figuren, insbesondere seiner Hauptfigur hängen würde. Nur frage ich mich dann, warum er das Buch überhaupt geschrieben hat.

Alles in allem ist dieses Buch für mich leider nur durchschnittlich. Ich war mehrfach kurz davor, das Buch abzubrechen. Warum ich letztlich bis zum Schluss durchgehalten habe, weiß ich gar nicht so recht. Über Katharina de Medici gibt es wirklich bessere Bücher. Ich werde sicherlich keine weiteren Bücher des Autors lesen.

Bewertung:
[note3]