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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 11. Februar 2016, 12:52:51

Titel: Tilman Röhrig: Riemenschneider
Beitrag von: Kathrin in 11. Februar 2016, 12:52:51
[isbn]3492050557[/isbn]   Riemenschneider
Tilman Röhrig
hist. Roman, Deutschland
15./16. Jahrhundert
   
Seiten: 621

Inhalt:
Ein großer europäischer Künstler, der Licht und Schatten regiert; eine Zeit, die Deutschland für immer verändert; eine Liebe, die mit allen Grundsätzen bricht: der neue Roman des Bestsellerautors Tilman Röhrig. Wochenlang schon war Tilman Riemenschneider nach ihr auf der Suche gewesen: seiner Eva. Es war ein bedeutender Auftrag für die Stadt: die Skulpturen des ersten Menschenpaars vor dem Eingang der Marienkapelle. Doch nun geht der Bildschnitzer zu weit: eine Bäuerin, die ihm Modell steht – nackt! Im Würzburg des Jahres 1492 ein Skandal. Dabei ahnt noch niemand, welch viel gewaltigeres Beben die Stadt in den nächsten Jahren erwartet. Dass Reformation und Bauernkriege die bestehende Ordnung in ihren Grundfesten erschüttern werden. Auch Meister Riemenschneider, der einmal als einer der größten Künstler der deutschen Renaissance in die Geschichte eingehen wird, ist dem Sturm der Ereignisse schutzlos ausgeliefert. Er muss um sein Leben kämpfen, das so aussichtsreich begann – und in dem seine Eva eine schicksalhafte Rolle spielt.

Meine Meinung:
,,Riemenschneider" von Tilman Röhrig ist ein historischer Roman über das Leben des berühmten deutschen Bildhauers Tilman Riemenschneiders, der ab 1483 in seiner Wahlheimat Würzburg lebte. Ich habe das Buch seinerzeit bei einem Besuch in Würzburg als Hardcover gekauft, das sich zwar schön im Bücherregal ausmacht, mich aber leider inhaltlich nicht überzeugen konnte.

Dabei war der Anfang vielversprechend. Da ich selbst 3,5 Jahre in Würzburg gelebt habe, konnte ich den Figuren auf ihren Wegen durch die Stadt sehr gut folgen und mochte vor allem die Anfangszeit sehr, in der der Künstler sein Modell für die Eva – eine junge aber ärmlichen Verhältnissen lebende Bauersfrau namens Magdalena kennenlernt. Es war spannend zuzusehen, wie Riemenschneider seine Eva schuf.

Die anfängliche Freude über das Buch legte sich aber schnell, als es zum ersten Perspektivwechsel und neuen Erzählabschnitten kam. Schnell musste ich feststellen, dass die verschiedenen Erzählabschnitte nicht oder erst sehr spät ineinander übergreifen. Zu der großen Anzahl an verschiedenen Erzählperspektiven und -abschnitten, deren Sinn sich mir teilweise gar nicht oder erst sehr spät erschloss, kommt erschwerend hinzu, dass oft von einem Erzählabschnitt zu nächsten der Stil komplett wechselt. So sind z.B. einige kurze Kapitel, in denen es vor allem um die politische Lage in Europa geht, im Präsens geschrieben, was ich in Romanen überhaupt nicht mag. Die Riemenschneider-Passagen lesen sich gut aber alles andere, abseits von ihm und Magdalena, wirkt lieblos und ohne Zusammenhang in den Raum geschmissen. Ein Extrembeispiel sind für mich die Luther-Kapitel, die absolut unspannend sind. Klar, es geht in diesem Buch in erster Linie um Tilman Riemenschneider und nicht um Martin Luther, insofern darf Luther keine zu große Rolle spielen, aber so war es auch nicht gut gelöst.  Ich denke, Luther wäre über Diskussionen in der Werkstadt oder im Würzburger Stadtrat sinnvoller und besser in die Geschichte eingebettet gewesen

Der historische Hintergrund ist gut recherchiert – aber er ist nicht gut und nicht einprägend rübergebracht. Vieles kommt mit der Brechstange, einige Fragen bleiben für mich unbeantwortet, so dass ich mir die Antworten darauf selbst suchen musste.

Die Geschichte ist eher nüchtern erzählt, mir fehlen die Emotionen. Selbst mit Magdalena und ihrer hoffnungslosen Liebe zu Riemenschneider konnte ich nicht wirklich mitfiebern. Dennoch ist sie die einzige Figur, die ein wenig Profil hat. Alle anderen wirken statisch und eindimensional. Allerdings empfinde ich ihre Handlungsweisen und Stellungen passend zum 17. Jahrhundert. Es tut schon auch gut, wenn die weibliche Hauptfigur in einem hist. Roman mal keine kecke und emanzipierte junge Frau ist, sondern ein Schicksal hat und sich in dieses auch fügt. Nichtsdestotrotz sind mir die Frauen grundsätzlich zu einfach gestrickt und zu naiv,  was mich auf Dauer leider auch genervt hat.

Das Cover und die innere Gestaltung des Buches mit Landkarten und Personenregister gefallen mir sehr, allerdings fehlt ein erklärendes Nachwort des Autors über Realität und Fiktion in seiner Geschichte. Letztendlich muss ich mich doch ziemlich durch das Buch durchquälen was nicht Sinn und Zweck eines Hobbies sein sollte. Ich habe von Tilman Röhrig noch ,,Wir sind das Salz von Florenz" ungelesen im Regal stehen, dass mich inhaltlich sehr interessiert...ich hoffe, es kann mich mehr überzeugen.

Bewertung:
[note4+]