| [isbn]3423204478[/isbn] | | Ikufar, Sohn der Wüste David Ball hist. Roman, Frankreich und Wüste Sahara 19. Jahrhundert Seiten: 894 |
Inhalt:,,Ikufar – Sohn der Wüste" von David Ball ist ein historischer Roman, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Paris und der Sahara spielt. Erzählt wird die Geschichte, der Familie de Vries. Da ist zum einen Baron Henri de Vries, der seine Frau Serena, eine Wüstenprinzessin, bei einem Ballonabsturz über der Sahara kennen und lieben lernt. Serena verlässt für ihre große Liebe ihre afrikanische Heimat, fühlt sich jedoch in Paris nie wirklich heimisch. Der gemeinsame Sohn Moussa, erlebt in Frankreich eine nahezu unbeschwerte Kindheit, wären da nicht die Ungerechtigkeiten, die er als ,,Mischlings"-Kind durch seine Mitschüler und auch durch Erwachsene erleiden muss. Halt findet er in der Liebe seiner Eltern und der Freundschaft zu seinem Cousin Paul, mit dem er zusammen aufwächst. Während der Belagerung der französischen Hauptstadt durch Bismarcks Truppen, werden Henri, Serena und Moussa zur Flucht aus Paris gezwungen, was Henri letztendlich das Leben kostet. Serena zieht darauf hin mit ihrem Sohn zurück zu ihrem Stamm in die Sahara, wo es nach einigen Jahren zu einem Wiedersehen zwischen Paul und Moussa kommt.
Meine Meinung: Der Einstieg in das Buch ist dem Autor extrem gut gelungen. Wir erleben die beiden 10-jährigen Lausejungen Moussa und Paul in ihrem imaginären ,,Schloss" im heimatlichen Wald, während ihre Eltern auf der Jagd sind. Die Situation spitzt sich schnell zu, als ein Keiler die Jungen angreift und Moussa schwer verletzt. Schon in dieser ersten kurzen Szene mischen sich Streiche der Buben mit der Dramatik der Jagd und bereits hier lernt man grundsätzliche Charakterzüge einzelner Figuren kennen.
Vor allem die erste Hälfte des Romans hat mich von David Balls Erzählkunst, die ich schon von ,,Asha" her kannte, überzeugt. Er schildert die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Bräuche und Sitten, die Mode dermaßen intensiv, dass man sich fast schon mitten unter der feinen französischen Gesellschaft wähnt. Auch die politische Lage und der Krieg mit Deutschland kommt informativ aber auch unterhaltend und nicht belehrend rüber, was vor allem lebhaften Diskussionen bei Festen der Pariser Gesellschaft geschuldet ist. Besonders gut gefallen haben mir die Erzählabschnitte aus Sicht der Kinder, die so herrlich lebendig und frech wie die Buben selbst sind und in denen auf die Dinge viel Wert gelegt wird, die für kleine Jungen wichtig sind. Ich liebe das!
Auch später der geschichtliche Hintergrund zu den Tuareg und deren Sitten und Bräuche ist gut geschildert, allerdings fühle ich mich bei historischen Romanen in Europa einfach deutlich wohler. Andere Kontinenten (egal ob Australien, Amerika, Afrika...) sind einfach nicht meine Welt, mit Ausnahme des alten Ägypten. Dadurch verliert das Buch auch mit Serenas und Moussas Flucht in ihre Heimat, leider deutlich an Schwung und Faszination. Es gibt zwar auch hier wunderbare und bezaubernde Szenen, aber den ewig langen Marsch der französischen Expedition, an der Paul teilnimmt und vor allem die Kämpfe der Franzosen gegen die Tuareg fand ich ermüdend, so dass ich hier teilweise nur noch quergelesen habe. Die aktuelle politische Lage in Ländern wie Syrien, Afghanistan etc. trägt leider zusätzlich dazu bei, dass ich bei den unterschiedlichen Glaubenseinstellungen der afrikanischen Stämme und Wörtern wie ,,Dshihad" nur mit schlechten Gefühlen in der Magengegend weiterlesen konnte.
Die Figuren des Romans sind ein großes Plus des Romans. Sie sind alle, egal wie groß oder klein ihre Rolle für die Geschichte auch ist, sehr fein charakterisiert, dass man selbst bei den weniger sympathischen Figuren verstehen kann, was sie zu dem hat werden lassen. Schon allein durch das Älterwerden machen gerade Paul und Moussa eine sehr deutliche Entwicklung durch. Den beiden 10-jährigen Buben bin ich regelrecht verfallen. Mir geht das Herz auf, wenn ich zuschauen darf, wie sie sich über ihre Streiche freuen.
Auch wenn der Titel und der Klappentext des Buches eher auf Moussa als Hauptfigur hinweist, so muss ich gestehen, dass sein Cousin Paul für mich die spannendere Figur ist. Als Sohn von Henris jüngerem Bruder Jules, steht ihm zunächst keine sehr rosige Zukunft in Aussicht, da Moussa Titel und Reichtum von Henri erben wird. Pauls Vater ist und bleibt der wenig erfolgreiche Zweitgeborene, der auch in seiner militärischen Laufbahn keine großen Taten aufweisen kann. Pauls Mutter hingegen ist vom gesellschaftlichen Ehrgeiz und Neid auf Schwager und Schwägerin zerfressen. Nichtsdestotrotz beweist Paul immer wieder, dass Moussa in ihm den besten Freund hat. Pauls Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen ist sehr gut greifbar, vor allem die Entwicklung von Faszination hin zum Hass auf die Tuareg. Denn letzten Endes ist er zum Schluss hin nicht weniger grausam als die schlimmsten der Tuareg-Krieger. Das alles macht ihn überaus spannend als Charakter.
Dass ich dem Buch nur eine durchschnittliche Bewertung geben kann, tut mir irgendwie leid, denn der Autor kann toll erzählen und lässt seine Leser die Geschichte über die Figuren hautnah miterleben. Aber es gab leider im zweiten Teil Passage, bei denen ich mich wirklich zwingen mussten weiterzulesen.
Bewertung[note3]
LG
Kathrin
Danke für die Rezi, dass Buch wandert mal auf meine Wunschliste. Klingt gut!
Kennst Du "Asha" von David Ball! Das fand ich RICHTIG toll...Rezi gibt es dazu aber leider nicht...glaub ich...oh doch...irgendwo...nur wo...muss ich suchen
hmmm :gruebel: hier nicht vielleicht auf der Buchcouch???? :gruebel: :gruebel: :gruebel:
Okay, nicht sonderlich lang...aber immerhin...
Rezi zu Asha auf der Buchcouch (http://buchcouch-forum.de/forum/index.php/topic,934.0.html)