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Fantasy => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 02. Januar 2017, 16:29:00

Titel: Markus Heitz: Wédora - Staub und Blut
Beitrag von: Kathrin in 02. Januar 2017, 16:29:00
[isbn]3426654032[/isbn]
Wédora - Staub und Blut
Markus Heitz
Fantasy
Seiten: 608
Verlag: Knaur
Preis: 16,99 Euro

Inhalt:
Lebensspendend oder todbringend, geheimnisvoll oder verkommen - Juwel der Wüste oder Ende aller Hoffnung? Willkommen in Wédōra, dem Schauplatz von Markus Heitz' neuem Dark-Fantasy-Roman "Wédōra - Staub und Blut.
Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Sandsee zum Sturm auf die mächtige Stadt.
Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.

Meine Meinung:
Mit seinem 2016 erschienen Roman ,,Wédora – Staub und Blut" entführt uns Fantasyautor Markus Heitz in eine neue Fantasy-Welt.

Dieses Buch zu bewerten, fällt mir nicht ganz leicht, denn vom Grundsatz mochte ich das Buch und die Geschichte sehr. Aber es gibt auch kleinere Kritikpunkte, die den Gesamteindruck etwas eintrüben. Positiv fällt die Gestaltung des Buches auf mit den vielen Extras wie Land- und Stadtkarte, Glossar und Personenregister. Das ist toll! Allerdings hemmen die vielen, wédora-eigenen Begrifflichkeiten im Text auch meinen Lesefluss, da ich jedes "neue" Wort im Glossar immer wieder nachschlage und mir diese Worte nur schwer behalten kann. Erschwert wird dies durch ein unvollständiges Personenregister, in dem ich auch 50 Seiten vor Schluss noch Personen nachschlagen musste, weil ich sie einfach nicht zuordnen konnte. Auch auf den Karten fand ich mich nicht immer zurecht. Manche Beschreibungen im Buch fühlen sich für mich mit einem Blick auf die Karten einfach nicht ganz richtig an.

Auch andere vermeintliche Fehler/ Mängel sind mir aufgefallen, wo ich mich frage, ob das Absicht ist, oder ob da schlampig lektoriert wurde? Wer ist zum Beispiel die vierte junge Frau bei Chuccrus? Im Text und im Personenregister werden nur drei namentlich benannt, aber als Tomeija erwacht, sieht sie vier Frauen. Dann ist mal von Dorevo (mit ,,e") und mal von Doravo (mit ,,a") die Rede? Ist das ein Schreibfehler? Und das Büchlein, das Tomeija von Kardir bekommt, dass angeblich nur aus 10 dicken Pergamentseiten besteht und so klein wie eine Kinderhand ist. Was soll da alles drinstehen? Grundliegendes die Magie in/ aus Wedora betreffend, ein Verzeichnis mit Menschen, die plötzlich magische Kräfte hatten, Abhandlungen über die Vor- und Nachteile der Grundstoffe, Eigenschaften/Hinweise zu den Gestirnen ... das klingt alles ziemlich viel für so ein kleines Buch.

Und trotz dieser Kleinigkeiten konnte ich das Buch in vollen Zügen genießen. Eine ganz besondere Stärke des Autors ist für mich sein sehr intensiver, bilderreicher Stil. Das ganze Buch ist wie ein Film vor mir abgelaufen, den ich nicht stoppen konnte zu schauen. Es gab ganz wunderbare Szenen, lustige, grausame und auch ganz leise Szenen, bei denen ich eine heftige Gänsehaut hatte. Wer Bücher von Markus Heitz kennt, weiß, dass es bei ihm oft  brutal, grausam und blutig von Statten geht. In ,,Wédorà" habe ich das als etwas gedämpfter empfunden. Er verzichtet zwar nicht auf Szenen, bei denen es einem den Magen umdrehen  kann und er lässt auch liebgewonnene Figuren sterben, aber seine Figuren waren schon deutlich grausamer und blutrünstiger.

Die Geschichte selbst empfinde ich als sehr komplex. Sie wird aus unterschiedlichen Erzählperspektiven erzählt, was an sich ein gutes Stilmittel ist, um mich als Leser bei der Stange zu halten. Allerdings können zu viele Erzählperspektiven auch hinderlich sein. Auf Seite 200 (von 600) dachte ich beispielsweise, dass der Autor nicht recht in die Pötte kommt. 200 Seiten vor Schluss habe ich mich dann jedoch wiederholt gefragt, wie er das alles noch zu einem Ende bringen will, ohne zu viele Fragen ungeklärt zu lassen bzw. Ideen nur angerissen zu haben.


Die beiden Hauptfiguren, Liothan und Tomeija mag ich gern. Liothan ist sehr sympathisch und reiht sich wunderbar in die Reihe meiner Lieblings-Ganoven ein. Tomeija hingegen trägt das ein oder andere Geheimnis mit sich herum, was sie für den Leser sehr spannend macht. Nichtsdestotrotz waren andere Figuren für mich spannender und auch unterhaltsamer, Selbst der Schurke in dem Spiel, Durus, war auf  seine böse Weise unterhaltsam, auch wenn ich ihm nicht unbedingt begegnen möchte.

Leider sind am Ende tatsächlich viele Fragen ungeklärt und nach wie vor viele Knoten in meinem Gehirn unentwirrt. Aber irgendwie ist das Ende auch genial. Wahrscheinlich hat Markus Heitz noch so viele Ideen, dass er noch zwanzig Bände schreiben könnte und das angedeutete Potential aus Band 1 und die ganzen Ideen erst noch sortieren muss. Insofern hoffe ich wirklich sehr, dass es mir ,,Wédora" weitergehen wird, da es für mich deutlich überzeugender war als der erste Ulldart- bzw. der erste Albae-Band.

[note2]