Herausgeber : Aufbau Taschenbuch
Taschenbuch : 611 Seiten
ISBN-10 : 3746633672
Meine Meinung:
,,Männer erzählen Geschichten. Frauen machen mit dem Leben weiter. Für uns war es ein Schattenkrieg. Und nachdem er vorbei war, gab es keine Paraden für uns, keine Orden und keinen Platz in den Geschichtsbüchern. Im Krieg taten wir, was wir tun mussten, und nachdem er vorbei war, sammelten wir die Scherben ein und fingen noch einmal von vorne an."
Ich finde es meist recht schwierig an ein Buch heranzugehen, von dem man NUR begeisterte Stimme gehört hat, denn dann sind die Erwartungen schon ganz schön hochgeschraubt. Und genauso erging es mir auch mit ,,Die Nachtigall" von Kristin Hannah. Auch wenn es für mich nicht DAS Lebens-Lesehighlight war, wie für viele andere, so ist es aber auf jeden Fall ein super-lesenswertes Buch, das ich auch jedem empfehlen kann, der sich auf Geschichten einlassen kann und mag, die während des zweiten Weltkrieges spielen.
Kristin Hannah erzählt und hier die Geschichte von Vianne und Isabelle, zwei ganz besonderen Frauen und Schwestern, die früh ihre Mutter verloren haben und auch vom Vater nach dem Tod der Mutter zu einer entfernten Verwandten abgeschoben wurden. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht und Frankreich von den Nazis besetzt wird, schließt sich die jüngere Schwester Isabelle, die schon immer eine Rebellin war, der Résitance an, während Vianne in ihrer besetzten Heimat um ihr Leben und das ihrer Tochter kämpfen muss.
Ich muss sagen, dass ich den Einstieg in den Roman etwas zäh fand und es ein wenig gedauert hat, bis ich richtig in die Geschichte eintauchen konnte. Das wurde besser, als wir nach ein paar Kapiteln von Vianne zu Isabelle wechseln, deren Geschichte ich zunächst deutlich interessanter fand. Doch im Laufe der gut 600 Seiten wuchs mir auch Vianne immer mehr an Herz und auch sie kann man für das was sie in dieser schlimmen Zeit geleistet und ertragen hat, nur bewundern. Im Gegensatz zur lauten und aktiven Isabelle, ist sie ganz eindeutig die stille Heldin des Buches. Die totale Nähe zu den beiden Protagonistinnen konnte sich aber leider trotzdem nicht bei mir einstellen. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich den Kontakt zu den beiden verlieren, wenn ich das Buch mal zur Seite legen musste. Deshalb ist es auch kein Buch für mich, das ich klein-gestückelt (5 Minuten hier, 10 Minuten da) hätte lesen können. Da musste ich schon dran bleiben und ein Parallel-Buch wäre für mich sicherlich überhaupt nicht möglich gewesen.
Und dabei ist der Schreibstil von Kristin Hannah wirklich gut zu lesen. Ich finde ihn jetzt zwar auch nicht herausragend gut oder besonders, aber es fluppte schon recht gut. Die Autorin weiß was sie tut und was sie wann und wie detailliert erzählen kann. Trotzdem hat sie mir das ein oder andere Mal ein wenig zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt. Natürlich haben Vianne und Isabelle und ihre Lieben viel Schlimmes erleben müssen, aber vor allem eine Stelle, hätte ich so nicht gebraucht.
,,Die Nachtigall" ist auf jeden Fall ein Buch, das nachhallt und das ich so schnell nicht vergessen werde. Aber nur weil es ein wichtiges Thema, das nie vergessen werden darf, behandelt ist es für mich nicht DAS Lesehighlight schlechthin. Nichtsdestotrotz ist es ein Buch, das ich von Herzen gerne weiterempfehlen kann.
Bewertung:
[note2+]
Für Deine vielen, wenn auch vielleicht jeder für sich nicht so gravierenden, Kritikpunkte vergibst Du aber doch noch ganz schön viele Kisten. Das hat mich überrascht.
Ich hab letztes Jahr ein anderes Buch der Autorin gelesen (Was wir aus Liebe tun), das ich nur mittelmäßig fand, weil es doch oft am Rande einer Schmonzette entlangschrappte. Dafür hatte ich nur 3 1/2 Kisten vergeben.
Zitat von: Christiane in 05. Juni 2021, 12:36:23
Für Deine vielen, wenn auch vielleicht jeder für sich nicht so gravierenden, Kritikpunkte vergibst Du aber doch noch ganz schön viele Kisten. Das hat mich überrascht.
Ich hab letztes Jahr ein anderes Buch der Autorin gelesen (Was wir aus Liebe tun), das ich nur mittelmäßig fand, weil es doch oft am Rande einer Schmonzette entlangschrappte. Dafür hatte ich nur 3 1/2 Kisten vergeben.
Ich finde eigentlich nicht, dass ich soo viele Kritikpunkte habe und wie Du schon sagst, sind sie nicht gravierend. Die Geschichte in ihrer Gesamtheit und dieses Nachhallen und die Tatsache, dass es ein Buch ist, das ich nie vergessen werde, hat schon vieles wett gemacht. Eine Schmonzette ist es definitiv nicht. Ich bin ja relativ viel bei Booktube unterwegs und da wird das Buch schon sehr gehypt. Aber was die anderen Bücher der Autorin angeht, da hört man leider weniger gutes.
Das war einfach mein Eindruck beim Lesen Deiner Rezi, dass Du schon auf einige Kleinigkeiten hinweist. Deshalb und weil ich eben dies andere Buch von ihr nicht so gut fand, wollte ich nochmal nachfragen. Denn nach meiner eigenen ersten Erfahrung hätte ich kein weiteres Buch von Hannah gelesen. Aber 'ein Buch das ich nie vergessen werde' klingt doch deutlich positiver.