Buchrebellin Forum

Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: behind in 28. Juli 2007, 13:09:04

Titel: Olmi, Veronique: Meeresrand
Beitrag von: behind in 28. Juli 2007, 13:09:04
Hallo ihr Lieben,
hier nun meine Rezi-Premiere:

[isbn]3442732298[/isbn]  

Veronique Olmi
Meeresrand


Taschenbuch: 125 Seiten
Verlag: btb, August 2004
ISBN-10: 3442732298



Kurzbeschreibung
Einmal sollen ihre beiden Söhne das Meer sehen. Das hat sie sich fest vorgenommen. Es ist ihre erste Reise und die letzte.
Eine Reise ins Herz der Verzweiflung.

"Schonungslos zeichnet Olmi das dunkle Porträt einer namenlosen Frau,
die an allem scheitert, zuletzt an ihrer eigenen Angst vor dem Leben." kulturspiegel

"Eine Geschichte über tieftraurige, entsetzliche, überwältigende Verzweiflung,
eine Geschichte, die das Unglück mit so klaren Worten beschreibt, so präzise und beklemmend,
dass die Bewunderung für dieses Können das Mitleid zugleich beschwört und in erträglicher Distanz hält." Die Literarische Welt

"Ebenso schrecklich wie faszinierend." FAZ

Über den Autor
Véronique Olmi wurde 1962 in Nizza geboren und lebt heute mit ihren zwei Töchtern in Arles. Sie zählt in Frankreich zu den bekanntesten jungen Theaterautorinnen. Ihre Stücke werden auch in Deutschland und in der Schweiz gespielt. Ihr erster Roman "Meeresrand" wurde vom Feuilleton gefeiert und war Liebling der deutschen Leserinnen und Leser. Er wird gerade verfilmt, mit Sylvie Testud in der Hauptrolle.


Meine Meinung
Ihre geliebten Söhne sollen einmal das Meer sehen.
Die allein erziehende, überforderte Mutter packte eines Abends erklärungslos die Sachen und steigt mit Stan und Kevin in den Bus.  
Dort, so glaubt Sie, findet man Ruhe und Zufriedenheit, muss sich nicht den Erwartungen des Umfelds stellen.
Wegen der psychischen Erkrankung der Mutter, die an schweren Schlafstörungen leidet und erst morgens schläft,
wenn die Jungen aufstehen müssen,  kümmert sich Stan immerzu um den kleineren Kevin:
dass er aufsteht, frühstückt und in den Kindergarten kommt.
Sie spürt welche Bürde er trägt, Sie spürt die klagenden Blicke der Lehrerin, Sie weiß, was Sie tun müsste, aber Ihre Psyche lässt es nicht zu.
Statt der erhofften Stabilität am Meeresrand, zieht Sie der Sog immer weiter hinunter.
Sie fasst einen verzweifelten unwiederruflichen Entschluss.

Veronique Olmi beschreibt Gefühlausbrüche und Gedankensprünge aus der Seele dieser Mutter so lebensecht, dass man als Leser am Ende sehr beklemmt und deprimiert zurückbleibt. Man fragt sich warum keiner hingesehen hat, warum keiner geholfen hat.

Für mich als Mutter war der erste Eindruck: unvorstellbar und abstoßend.
Diese Buch kann man nicht einfach schnell lesen. Ich musste Sätze teilweise 3-4Mal lesen, weil ich nicht glauben wollte was da stand.
Am liebsten hätte ich es an die Wand geschmissen und gebrüllt: ,,NEIN ! WARUM... ?"
Ich fand es schrecklich, weil ich nicht verstand...

Dennoch möchte ich es weiterempfehlen, denn das Buch ist soviel, das man nicht erklären kann.
Eine persönliche Erfahrung. Es ist flüssig und schonungslos geschrieben, ein Stimmungsbad.

Note: 2-
[note2-]


Liebe Grüße,
behind