Buchrebellin Forum

Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Inge78 in 20. Januar 2022, 07:32:59

Titel: Benjamin Myers - Der perfekte Kreis
Beitrag von: Inge78 in 20. Januar 2022, 07:32:59
Zitat1989 tauchen auf den immer noch großen Feldern im Süden Englands seltsame, kreisrunde Muster auf, mal in der Struktur einfach, mal aufwendig. Die wildesten Gerüchte machen die Runde. Manche glauben an Jungenstreiche, andere an Außerirdische. Ungerührt von der Aufregung, die bald nicht nur England erfasst, verfolgen zwei junge Männer ihren Plan, den perfekten Kreis zu schaffen. Redbone und Calvert, beide versehrt durch Erlebnisse in ihrer Vergangenheit, lernen sich zufällig kennen und fühlen sofort eine innere Verbundenheit. Während sie hoffen, dass ihnen der Kornkreis gelingt, kommen sie ihrem Land und seinen Bewohnern, ihren eigenen Wünschen und Hoffnungen näher; erleben sie sowohl ernüchternde als auch traumgleiche Begegnungen. So entsteht in ihnen ein tiefer Respekt für ihre Umwelt, und sie träumen von innerem Frieden und einer Freiheit, die sie die beengende Realität des täglichen Daseins vergessen lässt.

Benjamin Myers' Roman ist eine berührende Liebeserklärung an die englische Landschaft und an die Natur, aus der der Mensch unermessliche Kraft schöpfen kann.

" ... ...es gibt Felder voller Geschichten, Geschichten, die Jahrhundert für Jahrhundert erzählt wurden, alle übereinandergeschichtet, genau wie die Gebeine derer, die das Land einst pflügten und beackerten und die Ernten einbrachten und einander ihre Geschichten erzählten..."

Der obdachlose Hippie Redbone, voller Visionen (und manchmal auch voller Drogen) und der ehemalige Soldat Calvert, geprägt durch Drill und Krieg, erschaffen gemeinsam Kornkreise im ländlichen England.
Die Handlung konzentriert sich auf einen Sommer und spielt sich fast nur in den Nächten ab. Man erfährt kaum etwas über die Vergangenheit der Männer und wenig über ihr aktuelles Leben und wie sie zueinander gefunden haben. Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt, manchmal schon fast zu ruhig. Wie die Beiden ihre Kornkreise ziehen hat aber auch etwas sehr meditatives, und besonders die Landschaftsbeschreibung von Benjamin Myers sind wieder wundervoll. Denn "es geht nicht um die Muster oder die Kornfelder, es geht um das Land. Das Land. Es geht darum, den Menschen beizubringen, es zu lieben, damit sie es nicht einfach als gegeben hinnehmen, sondern den Drang haben, es zu schützen." Tatsächlich habe ich viele der angegeben Orte auch "ergooglet" und war so nah an der Handlung dran. Schade nur, dass die beschriebenen Kornkreise nicht als Piktogramme im Buch enthalten sind.
Lange Zeit war ich enttäuscht vom Buch, habe ich es doch unwillkürlich verglichen mit dem Buch "Offene See" des Autors, was ich sehr geliebt habe. Was dem perfekten Kreis gegenüber aber wirklich nicht fair ist, zumal ich auch in diesem Buch gelernt habe, dass eben nichts perfekt ist. Im letzten Drittel des Buches hat mich die Story dann richtig gepackt, ich mochte die kleinen verrückten Begegnungen und den feinen Humor des Autors.
Kein einfaches Buch, eine ruhige Geschichte mit wenig Höhepunkten aber mit feinen Details aber auch vielen bedrückenden Momenten bis hin zum bitteren Ende.
Aber "Dum spiro spero : Solange ich atme, hoffe ich."

[note2-]