ZitatBerlin 1931: Sie ist der Shooting Star, die Sensation des jungen deutschen Tonfilms. ,,Ich bin ja heut so glücklich" singt sie und scheint es ernst zu meinen. Renate Müller, der Münchner Journalistentochter, die mit achtzehn nach Berlin kam, verfällt die Filmwelt quasi über Nacht, obwohl sie so gar nicht dem gängigen Leinwandideal entspricht und weder das süße Püppchen noch den männermordenden Vamp verkörpert. Sie ist gefragt, begehrt, selbst Hollywood ruft nach ihr. Renate könnte so glücklich sein, wie es ihr berühmtes Lied verspricht, doch ihre große Liebe hat sie einem Juden geschenkt und gerät damit ins Visier der braunen Machthaber ...
Mein Leseeindruck:Ein sehr gut recherchierter und einfühlsamer "Roman nach einem wahren Schicksal"; eine Hommage an die einst berühmte Schauspielerin Renate Müller, die unter mysteriösen Umständen zu früh gestorben ist.
Mich hat das Thema des Buches schon bei Ankündigung interessiert, da ich mich noch gut daran erinnern konnte, wie ich als kleines Mädchen bei meiner Oma übernachtet habe und alte Filme, wie z.B. auch "Die Privatsekretärin" mit gesehen habe. Das darin enthaltene Lied "Ich bin ja heut so glücklich" bleibt auch heute noch direkt als Ohrwurm im Kopf.
Alle Charaktere - sowohl die sympathischen als auch die unsympathischen - sind wundervoll authentisch herausgearbeitet und auch wenn man weiß wie der Roman endet, so habe ich mich dabei ertappt wie ich mit Renate gehofft habe und ihr - wider besseren Wissens - ein glückliches Leben gewünscht habe.
Ein außergewöhnlicher Roman über einen längst vergessenen Star der 1930er Jahre.
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"Alle Sorgen bin ich einmal los
Als ob es so sein müsst'
Und mir ist, als ob mit einem Nu
Mein Herz im Himmel ist
Ich bin ja heut' so glücklich
So glücklich, so glücklich
Ich fühl' mich augenblicklich
So glücklich wie noch nie"
Renate will unbedingt zum Film, doch ihr Vater möchte, dass sie zur Schule geht, studiert und Karriere als Journalistin macht. Doch als er merkt dass Schauspielen der größte Traum seiner ältesten Tochter ist, zieht die ganze Familie ins großartige Berlin, wo Renates Karriere beginnt.
Eine Hommage an die Schauspielerin Renate Müller und andere Künstler in den pompösen 1920er Jahren. Eine Verbeugung vor den Anfängen des Tonfilms und des Kinos. Und eine Anklage an die zerstörerische Kraft des Nationalsozialismus.
Wir erleben die wunderbaren der 20er Jahre mit, dürfen mit ins Kino, wir feiern, verlieben und verlieren uns. Und gleichzeitig wissen wir Leser, welche übler Schatten sich langsam erhebt und alles verdunkelt. Diese Bedrohung schwebt über Allem, auch wenn besonders Renate und ihre Künstler Freunde dafür keinen Blick haben. Renate geht vollkommen in ihrer neuen Welt auf, findet Freunde und lebt das wilde Berliner Leben, auch mit all seinen Nachteilen. Das Buch lädt zum Verlieben ein, lädt ein, das Leben mit all seinen Möglichkeiten zu feiern. Und der Roman holt einen sehr hart auf den Boden der Realität zurück. Charlotte Roths Romane über die Zeit rund um den 2.Weltkrieg sind immer großartig recherchiert, voller Details und niemals hält sie den Schrecken der Wahrheit zurück, auch wenn wir zum Glück selten mitten im übelsten Geschehen sind. Alles was angedeutet wird, was wir aus der Ferne erleben, alles, was man weiß und was nie vergessen werden darf, ist trotzdem viel zu präsent und grausam. Auch wenn das Buch keine Biographie der Schauspielerin Renate Müller ist, so habe ich sie kennen - und lieben gelernt und mittlerweile einige Film - und Tonaufnahme von ihr angesehen, die ja glücklicherweise noch erhältlich sind. Das Buch hat mich emotional gefordert , das ein oder andere Mal standen mir die Tränen in den Augen. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, wieder gelesen von der großartigen Elisabeth Günther, die sogar das ein oder andere Lied ansingt. Empfehlenswertes Buch über ein Thema, das niemals vergessen werden darf.
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Das hast Du sehr schön in Worte gefasst, Inge. :schmusen: