ZitatMélanie war als junges Mädchen ein großer Fan von Formaten wie ›Big Brother‹. Sie hatte stets davon geträumt, gesehen und berühmt zu werden. Jahre später, als Mutter zweier Kinder, ist es ihr gelungen: Sie ist eine erfolgreiche Youtuberin mit Tausenden von Followern. Objekt ihrer Videos und Posts sind ihre Kinder, die auf Schritt und Tritt gefilmt werden. Seit Kurzem kommt ihre kleine Tochter dem Filmen jedoch immer unwilliger nach. Mélanie tut das als eine Laune ab. Denn wie könnte man die unendliche Liebe, die ihnen aus dem Netz entgegenkommt, als Last empfinden? Kurz darauf verschwindet Kimmy nach einem Versteckspiel spurlos. Wie, fragt sich die ermittelnde Polizeibeamtin Clara, soll man einen Verdächtigen ausmachen bei einem Kind, das Tausende Menschen kennen und mehrfach täglich sehen? Schnell begreift sie, dass ihre Methoden der Ermittlung in der virtuellen Welt vollkommen nutzlos sind ...
,,Eine Zeit, die sie auszuradieren versucht, über die sie nicht zu sprechen bereit ist. Denn wenn man weitermachen will, muss man manchmal so handeln, als hätte es die Dinge nie gegeben."
Happy Récré, also "glückliche Erholung" verspricht Mélanie Diore den Followern ihres gleichnamigen YouTube Kanals. Mélanie war schon als Kind Fans von Reality TV Formaten wie Big Brother, ist mit den sozialen Medien aufgewachsen. Und stellt nun ihre Kinder als Stars ins Internet. Der Kanal wird ein Erfolg, Millionen von Zuschauern schauen Sammy und Kimmy dabei zu, wie sie Geschenke auspacken, Fastfood blind bestellen müssen, Klamotten anziehen, die von den Zuschauern ausgesucht werden. Bis eines Tages Kimmy verschwindet. Die Polizeibeamtin Clara ermittelt mit in diesem Fall mit und entdeckt eine Online Parallelwelt, die ihr bislang nicht bewusst war
Autorin Delphine de Vigan thematisiert ein sehr aktuelles Problem. Den Schutz der Persönlichkeitsrechte von Kindern, besonders im WWW. Auch ich erwische mich dabei, wie sorglos ich manchmal mit privaten Dingen im Internet umgehe, fühlt man sich doch in einer sicheren Blase. Aber gerade professionelle Influencer gehen ja noch viel weiter, breiten ihr Leben vor der Online Welt aus. Und präsentieren dort auch ihre Kinder. Der Roman hat mich viel gelehrt und die Rechte im Internet und darüber, wie wenig Schutz es für Kinder im Internet gibt. Und wie sehr Kinder darunter leiden können und welche Folgen dieses mediale Auftreten für sie haben kann. Das Thema ist durchaus wichtig und es war für mich auch der erste Roman, der diese Thematik so beleuchtet. Dennoch konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen. Ich war nie nah an den Personen dran,und ich mochte keine der handelnden Personen. Der Schreibstil ist mir hier viel zu unterkühlt und faktenbezogen, die Sozialkritik bleibt kommt an aber bleibt mir zu oberflächlich. Auch wenn mehrere Seiten beleuchtet werden, fehlt mir die Tiefe im Roman. Der vemeintliche Kriminfall bringt etwas Spannung hinein, verläuft sich dann aber auch immer wieder in ergebnislosen Recherchen. Ein nachdenklich machender Roman, der sich durchaus gut lesen lässt, für mich aber Schwächen in der Umsetzung hat.
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