Sturmvögel von Manuela Golz
Herausgeber : DuMont Buchverlag
Gebundene Ausgabe : 336 Seiten
ISBN-10 : 3832181377
Inhalt:
Emmys Leben umspannt fast ein ganzes Jahrhundert. Ihre Kindheit auf einer kleinen Nordseeinsel ist geprägt von Ebbe und Flut und von ihrer verbitterten Großmutter Alma, die Schulpflicht für Unsinn hält. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Emmys Schullaufbahn ohnehin beendet, noch bevor sie richtig begonnen hat. Alles, was ihr bleibt, ist ein Leben als Dienstmädchen im Tollhaus der Zwanzigerjahre: Berlin. Schnell lernt sie Hauke, einen Sohn aus reichem Hause, kennen. Der »eingebildete Fatzke« zeigt ihr das Leben und so einiges mehr. Es folgen drei Kinder und die harten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Doch Emmy bietet dem Schicksal die Stirn und verliert nie den Humor – und jetzt, im reifen Alter von sechsundachtzig, schon gar nicht. Bis ihre erwachsenen Kinder auf mysteriöse Aktenordner im Keller stoßen, und zu ahnen beginnen, dass Emmy womöglich nie das naive Mädchen von der Insel gewesen ist, für das sie immer gehalten wurde. Könnte es tatsächlich sein, dass ihre Mutter auf einem Vermögen sitzt? Die beiden Ältesten lassen bereits die Sektkorken knallen. Aber noch hat Emmy ein Wörtchen mitzureden.
Meine Meinung:
,,Von den neumodischen Dingen hielt sie nichts. Eine Nachbarin hatte ihr empfohlen, nach 18 Uhr keine Kohlenhydrate mehr zu essen, doch Emmy glaubte nicht, dass Nudeln die Uhrzeit kannten. Sie hatte nichts besonderes getan, um alt zu werden. Sie hatte einfach nur gelebt und immer versucht, sich selber treu zu bleiben."
Ich gebe zu, ich habe mir von dem Roman ,,Sturmvögel" von Manuela Golz irgendwie mehr erwartet, oder vielleicht nicht unbedingt mehr, sondern eher was anderes. Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin, dass dies ein weiteres Buch über die grausamen Zeiten des Zweiten Weltkrieges und das Nazi-Regime in Deutschland sei. Ist es nicht.
Es ist ein Buch über eine starke Frau, um ihr Leben und ihre Geschichte. Eine starke Frau, die das Leben in die Hand nimmt, Schicksalsschläge, die das Leben ihr bereitet, zu meistern weiß. Eine Protagonistin, die definitiv das große Plus des Romans ist, auch wenn sie vielleicht an der ein oder anderen Stelle doch zu modern eingestellt ist bzw. war. Aber das war nicht gravierend, im Gegesatz zu den anderen Figuren im Buch, die ziemlich klischeehaft dargestellt sind. Gerade gegenüber zwei Figuren habe ich eine derartige Abneigung empfunden, sie dermaßen gehasst, dass sie meine Bewertung runtergedrückt haben. Das ist total schade, denn die Autorin kann tolle Figuren entwerfen und hätte diese Unsympathlinge durchaus nicht nötig gehabt. Zumal sie zu der Geschichte nicht wirklich was beigetragen haben, sie im Gegenteil sogar eher vorhersehbar gemacht haben, weil man genau wusste, wie sie agieren und reagieren würden. Ohne diese beiden Figuren hätte ,,Sturmvögel" ein echtes Wohlfühlbuch werden können und das darf ja zwischendurch auch gerne sein!
Was das Buch gut zeigt, ist, wie Menschen wie Du und ich in schlimmen Kriegszeiten mit den Herausforderungen des Lebens umgehen, allen Widrigkeiten trotzen, sich nicht unterkriegen lassen, sondern eher gestärkt aus schlimmen Situationen herausgehen – echte ,,Sturmvögel" halt, die gebeutelt worden sind, aber auch dem stärksten Sturm getrotzt haben. Von daher ein toller Name für das Buch!
Der Schreibstil der Autorin hat sich gut und flüssig lesen lassen, auch wenn sie Emmys Geschichte unchronologisch erzählt und das sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist. Meiner auch nur bedingt.
Da ich das Buch fast abgebrochen hätte, relativ wenig von der Geschichte behalten habe und mir Hilde und Otto Emmys Geschichte echt versaut haben, ist es leider kein allzu große Empfehlung von mir.
Bewertung:
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