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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Inge78 in 05. Oktober 2022, 08:01:28

Titel: Celeste Ng - Was ich euch nicht erzählte
Beitrag von: Inge78 in 05. Oktober 2022, 08:01:28
Zitat»Lydia ist tot.«

Der erste Satz, ein Schlag, eine Katastrophe. Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint sie nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei Lydias Leiche. Mord oder Selbstmord?

Die Lieblingstochter von James und Marilyn Leewar ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass der gutaussehende Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht manisch auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat

   "Vorher war ihr nicht klar gewesen, wie brüchig Glück war und wie leicht man es umstoßen und zerstören konnte, wenn man achtlos war."

Als die 16-jährige Lydia stirbt sucht die Familie die Gründe und den Schuldigen für ihren Tod. Doch was geschah wirklich?

Celeste Ng erzählt von einer dysfunktionalen Familie hinter deren Fassade es bröckelt. Der Vater ist Sohn chinesischer Einwanderer und fühlt sich immer noch ausgeschlossen aus dem "normalen" Leben, die Mutter ist unzufrieden mit ihrer Mutterrolle, der älteste Bruder will nur sein Zuhause verlassen, die jüngste Tochter verschwindet fast zwischen ihren Familienmitgliedern. Lydia war der Fixstern, um den sich alles drehte, in den die Eltern ihre ganze Hoffnung setzten. So viel Tragik, so viel Dramatik, so viel Leid. Ich hatte viel Mitleid mit allen handelnden Personen während des Lesens, war oft wütend ob ihrer Gedanken und Handlungen. Sie hätten sich selber so viel Leid ersparen können wenn sie doch nur mehr geredet hätten. Der Aufbau des Romans ist toll , es gibt Rückblicke und wir Leser erfahren, was wirklich mit Lydia geschah. Zum Ende hin ist die Geschichte rund wenn auch nicht in allen Belangen wirklich "gelöst"
Es geht um die Suche nach Zugehörigkeit, nach der eigenen Identität, um Wünsche und Sehnsüchte, um Liebe und zerstörte Hoffnungen. Ganz ruhig erzählt aber sehr eindringlich

[note2]