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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Inge78 in 19. Dezember 2022, 14:51:08

Titel: Elizabeth H. Winthrup - Mercy Seat
Beitrag von: Inge78 in 19. Dezember 2022, 14:51:08
ZitatLouisiana, die 1940er-Jahre, ein elektrischer Stuhl wird in die kleine Stadt St. Martinsville gebracht für die geplante Hinrichtung eines jungen Schwarzen namens Will, der ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll. In Wirklichkeit ist sie seine Geliebte gewesen, die sich aus Verzweiflung umgebracht hat und ihm nun nicht mehr helfen kann. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes. Nach einer wahren Begebenheit, psychologisch fein und in einer an William Faulkner erinnernden multiperspektivischen Intensität erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse bis zum überraschenden Ende. Ein meisterhaftes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt und das niemanden kaltlassen wird.

    "Er sieht sein Leben mit jedem Bissen, den er isst. Er schluckt seine Erinnerungen herunter."
Will wurde verurteilt, auf dem elektrischen Stuhl zu sterben. Seine Schuld ist zweifelhaft.
Wir erleben die Geschichte anhand vieler Erzählperspektiven es kommen diverse Personen zu Wort, das Buch umfasst einen Zeitraum von vielleicht 12 Stunden. Wir erfahren wie der geplante Tod von Will das Leben von mehreren Menschen beeinflusst , wie diese Nacht Spuren hinterlassen wird. Die Atmosphäre ist bedrückend und ziemlich düster, es kommt wenig Hoffnung auf, auch wenn die ein oder andere Person versucht, Gutes zu tun. Doch alles wird überschattet von dem drohenden Ereignis um Mitternacht. Mich hat die Story ziemlich mitgenommen, auch wenn ich doch manchmal recht weit von den Personen entfernt war , was aber an den vielen Erzählern lag. Nicht jede Perspektive hat mir gleich gut gefallen wobei auch die Schicksale der anderen Charaktere teilweise dramatisch waren. Das Ende hat mich schockiert und überrascht. Mir fehlte es aber insgesamt etwas an Gefühl für die Personen. Dafür fand ich gut, dass die Autorin vieles nicht erklärt, oft auch keine Schuldzuweisungen verteilt, sondern den Leser selber urteilen lässt. Kein einfaches Buch, ein schwieriges bedrückende Thema, aber intensiv erzählt so dass ich es so schnell nicht vergessen werde.

[note 2]