Buchrebellin Forum

Unterhaltung => Rezensionen => Thema gestartet von: Inge78 in 02. Mai 2023, 14:02:04

Titel: Nina George: Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
Beitrag von: Inge78 in 02. Mai 2023, 14:02:04
ZitatDas schönste Buch des Jahres kommt von Nina die Fortsetzung des Weltbestsellers "Das Lavendelzimmer"!  Vier Jahre sind vergangen, seit der Buchhändler Jean Perdu sein Bücherschiff, die "Pharmacie Littéraire" verließ, und den Aufbruch in eine neue Liebe mit der Bildhauerin Catherine in der Provence wagte. Doch die in einer Zeitkapsel aufbewahrte letzte Bitte des Schriftstellers José Saramago an Monsieur Perdu lockt ihn zurück, in das Herz seiner Bücher und Menschen zusammen zu bringen, und für jede Seelen-Maladie die wirksamste Lektüre zu empfehlen. Auf der gemeinsamen Reise mit Max Jordan über die Kanäle Frankreichs nach Paris wird das Bücherschiff des Monsieur Perdu bald zu einer Arche, auf der sich Menschen, Kinder, Tiere – und Bücher! – begegnen, die einander für immer verändern. Und das große Abenteuer Leben hält für jeden von ihnen einen zweiten Anfang bereit – auch für Monsieur Perdu...

" Wenn es zuviel Welt ist, braucht der Mensch im Übergangstaumel eine Zeitmaschine aus Papier. Um sich eine Überblick zu verschaffen in dieser Zwischenwelt, um eine Anker zu spüren, bei diesem Fallen und Springen zwischen Es war und Es wird."
Monsieur Perdu ist wieder mit seiner literarischen Apotheke unterwegs. Nach "Das Lavendelzimmer" nun endlich die Fortsetzung von Perdu und seinen Freunden. Ich habe mich so gefreut, liebgewonnene Charaktere wieder zutreffen und den Weisheiten Jean Perdus zu lauschen. Wieder schafft Autorin Nina George eine ganz eigene Stimmung, sehr französisch, sehr literarisch, romantisch, manchmal fast kitschig aber immer zu Herzen gehend und wunderschön. Ich mag vor Allem Jean Perdus ,,Große Enzyklopädie der kleinen Gefühle" in der er Weisheiten des Alltags in literarische Tipps umsetzt. Eben perfekt für eine litarische Apotheke und immer seelenheilend. Ich mag die Wortschöpfungen in diesem Buch, denn wer leidet nicht schon mal unter "untiefen Gesprächen oder sucht seinen "Ankermenschen". Danke für dieses Stück Buchpoesie.

[note 1-]
Titel: Aw: Nina George: Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
Beitrag von: Sagota in 30. Mai 2023, 18:33:21
"Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" aus der Feder der wundervollen Schriftstellerin Nina George ist gewissermaßen der Anschluss an "Das Lavendelzimmer", das vielen bekannt sein dürfte und weltweit Anerkennung fand (eins meiner Lieblingsbücher). Der Roman erschien bei Droemer Knaur (HC, gebunden, 2023,München, 379 Seiten) und reiht sich auf wunderbare Weise in die mir bekannten "Bücher über Bücher" - und auch Menschen - Reihe ein. Ich würde empfehlen, "Das Lavendelzimmer" zuerst zu lesen, zwingend notwendig ist es jedoch nicht, um auch dieses Buch für Bibliophile (und solche, die es noch werden wollen) sehr empfehlen zu können!


Monsieur Perdu lebt seit 3 Jahren mit Catherine, einer leidenschaftlichen Bildhauerin, im Süden Frankreichs. Perdu ist leidenschaftlicher Buchhändler, der Bücher und Menschen, die zusammenpassen, liebend gerne zusammenbringt und an einem Buch gegen Seelenleiden schreibt; das er "Die große Enzyklopädie der kleinen Gefühle" nennen wird und dessen Einträge man im Romanverlauf verfolgen - und oftmals darüber schmunzeln kann. Lulu, sein Bücherschiff, hat er seinen Freunden gegeben; doch losgelassen hat ihn weder Schiff noch der eigentliche Ankerplatz in Paris nicht, wie man feststellen kann: So beschließt er nach über 4 Jahren, über die Champagne, die Marne und die Seine wieder seine "Pharmacie Littéraire" in Paris anzusteuern. Auf dem Weg, auf dem Max ihn begleitet, Freund von Perdu und Victoria (der Tochter von Manon, falls man den Vorgänger kennt) und werdender Vater, passieren natürlich viele unvorhergesehene Dinge und wir lernen einige sehr liebenswerte Menschen auf dieser Reise kennen:


Da ist Cuneo und Samy, die Perdu halfen, "Lulu" wieder flott zu bekommen und beste Freunde sind, ebenso wie Max und Victoria; Ella, die lange im Verlagswesen tätig war und Pauline, ihre zuerst recht mürrische 16jährige Nichte (eine meiner Lieblingsfiguren im Roman); Dominique, später "Oma Dommi" genannt und der kleine Theo, dem es die Sprache verschlagen hat und dem Perdu sehr gerne helfen möchte, sie wiederzufinden; die Eltern von Perdu - Lirabelle und Joaquin - sowie Emile, ein Hafenbrigadier, der sich heimlich wünscht, wieder Bücher zu lesen und seinen Vorgesetzten, LeRoy im Grunde nicht ausstehen kann.


Meine Meinung:


Wie in all' ihren Büchern, nimmt Nina George ihre Leserschaft von der ersten Seite an mit ("Liebe auf den ersten Satz" - ein Zitat aus dem Roman, die es wirklich gibt!) und man ist als literarische "Mitreisende" oftmals gefangen von der zauberhaften Wortakrobatik, die die Autorin bis zur Perfektion beherrscht (wenn sie z. B. von der Allesmöglichkeit spricht). LektorInnen sind für sie "Co-Bildhauer des Wortgesteins"; viele teils poetische und philosophische Betrachtungen zu allen Facetten des literarischen - und auch realen Lebens liest man erstaunt, verzaubert von der sprichwörtlichen Sprachdynamik: Stilistisch ist der Roman ein Lesegenuss, es sind schöne Sätze oder Worte zu Büchern und Menschen zu finden, die nur George so auszudrücken vermag. (Erinnerungsdiamanten, z.B.) Der Stil ist poetisch, atmosphärisch, auch mal kritisch (Handy-Nutzung und das direkte Gespräch, das verloren zu gehen droht), zuweilen herzerwärmend und auch mal schnodderig in der Sprache (alle naslang) sowie humorvoll. Anderes regt zum Nachdenken an oder zum Innehalten, z.B.


"Ein Buch richtet sich stets an das Innere, stellt Fragen und lebt mit dem Lesenden in die Antworten hinein" (Zitat S. 277).


Die Themen sind so vielfältig wie das Leben selbst (Freundschaft, Liebe, Ängste, Heimat, gutes Essen, Lieben und wieder lieben lernen, Loslassen können, Optimismus, Gedankenreisen, Älterwerden u.v.m.). Auch werden viele bekannte Romantitel und AutorInnen genannt, die BücherfreundInnen bekannt sein könnten - oder es noch werden.


Fazit:


Der Roman ist eine Wohlfühllektüre auf hohem Niveau und gleichzeitig eine Schiffs- und literarische Reise mit Lulu vom Süden Frankreichs zurück nach Paris, wo ein Fest gefeiert werden sollte, das unterstreicht, dass es auch eine Reise zu sich selbst für Monsieur Perdu gewesen ist: Gemeinsam mit FreundInnen versteht er, nun angekommen in seinem Leben, dieses gebührend zu feiern! Ein Chapeau von mir für die unglaublich schön zu lesende "Wortakrobatik" der Autorin und eine Empfehlung sowie 4* am Literaturhimmel!


Titel: Aw: Nina George: Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
Beitrag von: Kathrin in 02. Januar 2026, 15:17:53
Und hier jetzt auch meine Meinung zu "Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" von Nina George

,,Obgleich es auch Liebe auf den ersten Satz gibt – was sich aber zu Autorinnen herumgesprochen hat und sie diesen entsprechend sorgsam hinschnitzen....das ist ein bisschen so, als ob man sich Pheromone aufsprüht. Eine künstliche Verführung, um Ihnen zu gefallen, und möglichst noch einer halben Million anderer. Lesen Sie deshalb unbedingt den ersten Absatz des dritten Kapitels, der wird Ihnen mehr darüber verraten, ob das Buch und Sie einander verstehen."

Ich muss sagen...ja, der erste Abschnitt des dritten Kapitels und ich ... das matcht ... wobei das aber am unwiderstehlichen Charme von Napoleon, dem Kater des Käsebauern Dario liegt. Damit hatte Nina George mich, aber ich bin auch ein Katzenmensch, bzw. wohl eher die Sklavin zweier Katzenmajestäten.

Wie schon in ihrem Erfolgsroman ,,Das Lavendelzimmer" konnte mich Nina George auch mit ,,Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" aus meiner Realität auf das Bücherschiff Lulu entführen und am liebsten wäre ich von diesem Bücherschiff gar nicht mehr runter und an Land gegangen.

Meine Kritikpunkte sind im Prinzip die gleichen wie schon beim ,,Lavendelzimmer": manchmal ist die Autorin stilistisch etwas zu weit gegangen, die Sprache zu gewollt ausschweifend, zu gewollt schön, aber manchmal braucht Frau auch genau das! Es mag mitunter an Kitsch grenzen, war aber letztlich das perfekte Wohlfühlbuch nach der zuvor schweren, bedrückenden Lektüre. Gegen Ende des Romans hatte ich allerdings das Gefühl, dass es mit dem ,,oh wie schön" jetzt auch gut ist und das Buch vielleicht auch ein paar Seiten weniger hätte haben können.

Auch wenn von der Handlung selbst gar nicht soooo viel in meinem Kopf hängen geblieben ist (aber dafür lese ich wohl auch einfach zu viel) bin Ich froh, dass uns Nina George zumindest noch einmal mit ,,Die geheime Sehnsucht der Bücher" auf die Lulu entführt. Sicherlich wird auch dieses dritte Bucher der Monsieur-Perdu-Reihe kein Buch für jede Stimmung/ Leselaune sein, aber sicherlich ein Buch zu dem man greifen kann, wenn man Balsam für die geschundene Leser-Seele braucht. Und wenn ich mir von der Autorin etwas wünschen würde, dann eine komplette, gedruckte ,,große Enzyklopädie der kleinen Gefühle." Und bitte mit viel Platz für Anmerkungen und Buchtipps aus dem eigenen Leseleben.

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