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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Inge78 in 19. Mai 2023, 09:59:37

Titel: Esther Safran Foer - Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind
Beitrag von: Inge78 in 19. Mai 2023, 09:59:37
ZitatEsther Safran Foer ist die Mutter des Bestsellerautors Jonathan Safran Foer, der mit seinem weltweit gefeierten Debüt »Alles ist erleuchtet« den Grundstein legte für dieses mutige Memoir. Sie begibt sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Familie, die in der schrecklichen Dunkelheit des Nationalsozialismus begraben wurde. Ein Buch gegen das Vergessen. Als Esthers Mutter beiläufig offenbart, dass ihr Mann eine frühere Frau und Tochter hatte, die beide im Holocaust ermordet wurden, beschließt Esther herauszufinden, wer sie waren und wie ihr Vater überlebt hat. Nur mit einem Schwarzweißfoto und einer handgezeichneten Karte reist sie zusammen mit ihrem Sohn in die heutige Ukraine, um das Shtetl zu finden, in dem sich ihr Vater während des Krieges versteckt hatte. Diese Reise wird ihr Leben für immer verändern und sie wird es Esther ermöglichen, endlich richtig zu trauern. Sie findet in der Ukraine tatsächlich die Nachfahren der Menschen, die ihren Vater versteckt hatten und erfährt sogar den Namen ihrer Halbschwester. Eine bewegende Geschichte von einer Frau auf der Suche nach ihrer Familie, aber auch von vier Generationen von Überlebenden, Geschichtenerzählern und Gedächtniswächtern, die entschlossen sind, nicht nur die Vergangenheit am Leben zu erhalten, sondern auch die Gegenwart mit Leben zu füllen.

"Erinnerungen sind nicht statisch; sie ändern sich mit der Zeit, manchmal so sehr, dass sie nur noch entfernte Ähnlichkeit mit dem haben, was sich tatsächlich ereignet hat."
Esther Safran Foer erzählt in ihrem Roman autobiographisch über ihre Suche nach der Vergangenheit. Ihre Eltern überlebten den Holocaust, viele Familienmitglieder starben. Dieses Buch beschreibt ihre Recherchen und erzählt uns die erschreckende Geschichte eines Volkes, das ausgelöscht werden sollte. Der Schreibstil der Autorin ist recht speziell und hat es mir lange schwer gemacht, mit dem Buch warm zu werden. Die Autorin beschreibt ihre Recherchearbeit, dabei geht sie nicht immer chronologisch vor, erzählt Einzelheiten nicht immer zu Ende. Viele Verwandte werden kurz eingeführt und die Vielzahl der Namen hat es mir sehr schwer gemacht, alle Personen zuzuordnen. Interessant sind die persönlichen Eindrücke aber allemal und vor Allem die Recherchereise in die Urkaine hat mich dann doch gepackt. Das Buch macht neugierig auf weitere Recherche zu dem ausgelöschten Dorf Trochenbrod. Das Buch ist mit einigen Fotografien ausgestattet, die die Geschichte lebendig machen, und mit einem kleinen Stammbaum, der aber bei weitem nicht die Personen abbildet, die im Buch genannt werden. Mir fehlte allerdings ein Glossar, zur Erklärung der vielen jüdischen Begriffe im Buch. Kein einfaches Buch, aber eine unglaublich wichtige Geschichte zu einem dunklen Kapitel der Vergangenheit, dass bis heute nachwirkt.

[note 2-]
Titel: Aw: Esther Safran Foer - Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind
Beitrag von: SilkeS. in 31. Mai 2023, 09:12:46
Ich habe es ja mit Inge und Kathrin und ein paar anderen gelesen:
Meine Meinung

Ein Buch, über das ich auf Booktok gestoßen bin, vorgestellt von  Anja @Bookfriends4ever
Autorin ist Mutter von bekannten Autor Jonathan Safran Foer , dessen Buch  Tiere Essen  habe ich gelesen, als ich vegan wurde. Sein Buch ,,Wir sind das Klima" liegt hier noch angefangen rum
Esthers Buch habe ich als Leserunde mit 4 anderen Leserinnen entdecken dürfen. Das war wichtig, denn alleine, hätte es mir zum einen nicht so viel Spaß gemacht, zum anderen haben wir uns gegenseitig unterstützt, in  dem Plot geht es  um Schweres Thema der Kriegszeit, der Judenverfolgung und der Aufarbeitung von Vergangenheit und Traumas. Es war teilweise hart zu lesen, aber auch viel sehr sachlich Darstellen von Recherchen, erzählen von Erinnerungen... - teilweise las sich das Buch sehr distanziert und man kam schwer Zugang zu Esther als Person.

Wer das Buch lesen will, muss wissen, dass hier drin sehr viele Namen vorkommen und der Überblick trotz hinten abgedruckten Stammbaum  nicht einfach ist. Wir haben festgestellt, dass er viel umfangreicher sein müsste und viele Verbindungen oder eben Kosenamen, Bezeichnungen nicht mit aufgelistet werden. Auch ein Glossar mit Worterläuterungen wäre enorm hilfreich gewesen.

Erst im letzte Drittel der Handlung  wird durch Reiseberichten, Schilderungen von Erlebnissen, Eindrücken, anschaulichere Beschreibungen von z.B. Mahnmalen, dem Leser der Zugang erleichtert,  man fühlte die Geschichte mehr, bekam mehr Zugang und das lesen wurde Emotionaler, dass man auch mal einen Kloß im Hals hatte, mal schlucken musste und den Schrecken körperlich einfach spürte.
Wenn es auch kein Highlight war, hat mich das Buch doch stellenweise berührt, ich denke immer noch an das Buch zurück. Es gibt um die Geschichte von Trochenbrod sehr viel Recherchematerial, Filme und Dokumentationen. Und falls es meine Zeit und mein Leben mal zulässt würde ich das Buch  total gerne noch ein 2.mal lesen, und mit dem Hintergrundwissen aus den Rechercheergebnissen und dabei sicherlich nochmal mehr verstehen. 
Faszinierend ist, dass auch dieses Buch wieder einen neuen Blick auf die Zeit den 2. WK und die Zeit danach wirft und man einfach sich neuer Fakten bewusst geworden ist.
Titel: Aw: Esther Safran Foer - Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind
Beitrag von: Kathrin in 04. Juni 2023, 12:34:47
Und hier noch "meine Meinung" zu dem Buch:

,,Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind" von Esther Safran Foer ist die reale Familiengeschichte hinter dem erfolgreichen, aber fiktiven Roman ,,Alles ist erleuchtet" ihres Sohnes Jonathan Safran Foer. Die jüdische Familie der Autorin stammt aus einem kleinen Ort in der heutigen Ukraine, dessen fast ausschließlich jüdischen Bewohner von den Nazis getötet und der Ort ausgelöscht wurden. Aufgrund des großen Schweigens der Mutter, weiß die Autorin selbst nur wenig über die geglückte Flucht ihrer Eltern und war ihr ganzes Leben auf der Suche nach Antworten

Der Erfolg des Roman wie auch der späteren Verfilmung hat der Autorin viele Türen geöffnet. Wie sie selbst schreibt ,,lieferte der Roman zwar keine Fakten, wurde aber zum Schlüssel um Menschen mit Informationen zu finden, die dabei helfen würden, einige der tiefsten Geheimnisse meiner Familiengeschichte zu bergen." Besonders wichtig war ihr dabei, die Familie zu finden, die ihren Vater vor den Nazis versteckt hat.

Ich gestehe ich habe von dem Buch mehr erwartet und erhofft, als ich bekommen habe, ich sage aber gleich dazu, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem ,,Was" und ,,Wie" es erzählt wurde. Inhaltlich wird jeder, der sich mit der Geschichte des zweiten Weltkrieges und Nazideutschland auseinandersetzt meiner Meinung sein: Das sind Ereignisse und Schicksale, die nie vergessen werden dürfen, gerade auch weil Zeitzeugen und Holocaust-Überlebende immer weniger werden. Solche Bücher so ungemein wertvoll und wichtig. Und auch wenn man schon viele weiß, weil man vieles gelesen oder in Dokumentationen geschaut hat, so schockieren mich die Gräueltaten und Verbrechen der Nazis immer wider aufs Neue und auch hier hatte ich oft genug einen Kloß im Hals beim Lesen. Und es gibt auch immer noch genügend Dinge, von denen ich noch nicht gehört habe, auch was die Schikanen gegenüber den Juden nach dem Krieg angeht. Außerdem war es sehr spannend die Autorin bei ihrer Recherche zu begleiten. Auch hier zitiere ich sie noch  einmal gerne: ,,Die unerwartete Entdeckung einer Person führte zwangsläufig zu einer weiteren mit noch mehr Informationen, und doch merkte ich, je mehr ich erfuhr, desto weniger wusste ich."

Und letzteres konnte ich extrem nachvollziehen, denn sowohl die Umsetzung in Bezug auf Sprache und ergänzende Extras, die ich für ein Sachbuch-ähnliches Buch erwarte, haben mich eher enttäuscht. Oft war ich bzgl. der Satzkonstruktion, wenn sie in einem Satz die Sicht gewechselt hat komplett verwirrt. Sie spricht z.B. von ihren Großeltern aber im gleichen Satz auch von den Großeltern der Mutter ... da hätte sie auch einfach von ihren Urgroßeltern sprechen können. Und leider hat da auch der hinten im Buch abgebildete Stammbaum nicht geholfen, denn es werden so viele Familienmitglieder erwähnt, die man im Stammbaum aber nicht findet. Da hätte ich mir tatsächlich einen vollständigen Stammbaum oder von mir aus auch mehrere Stammbäume gewünscht, aber ich auch ein bissl Stammbaum-verrückt. Leider fand ich auch den Sprachstil für mich persönlich zu nüchtern, eine Verbindung zu Esther oder auch ihrer Mutter konnte ich leider so gut wie gar nicht aufbauen, auch wenn es gegen Ende besser wurde. Außerdem haben mir Karten der Region in der Ukraine und ein Glossar zu den jüdischen Begriffen im Buch gefehlt. Natürlich kennt man viele, aber eben nicht alle, die hier erwähnt werden.

Ich schwanke tatsächlich ein wenig zwischen 3,5 und 4 Sternen. Die genannten Kritikpunkte in der Umsetzung haben mich schon sehr gestört, aber es gab inhaltlich auch Aspekte, die ich wirklich grandios fand und wo ich dann doch bei Esther und ihrer Familie war, auf die ich aber ohne zu spoilern nicht näher eingehen kann.

Note 2- und knappe 4 Sterne
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