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Unterhaltung => Rezensionen => Thema gestartet von: Tintagel in 22. September 2007, 15:04:21

Titel: Mieses Karma - David Safier
Beitrag von: Tintagel in 22. September 2007, 15:04:21
(http://ec1.images-amazon.com/images/I/31H2WBZBCSL._AA240_.jpg)
[isbn]3463405083[/isbn]


Kim Lange ist die wichtigste Deutsche Polittalkshow Moderatorin und soll an diesem Abend mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet werden. Das ist gut. Weniger gut ist, dass sie für diesen Preis einen Preis zahlen muß: Die Verleihung findet dummerweise an dem Geburtstag ihrer kleinen Tochter statt. Kim muß sich entscheiden – wieder einmal. Und wieder einmal fällt ihre Entscheidung zu Gunsten ihrer Karriere aus...

Als Ameise beginnt das größte Abenteuer ihres Lebens

Trotz Kleiderpanne hat sie ihrem Fernsehpreis bekommen. Bekommen hat sie noch etwas anderes – nämlich ein verglühendes Waschbecken einer russischen Weltraumstation auf den Kopf. Für Kim bedeutet diese Waschbeckenkollision nicht nur das Ende des Tages und ihrer Karriere, sondern auch das Ende ihres Lebens. Jedenfalls als Mensch.
Karma sei Dank findet sie sich nach einer eher unschönen Begegnung mit einem gleißend hellen Licht und Tunnelblick reinkarniert im Körper einer Ameise wieder. Ein monströser Ameisenbuddah versucht die schockierte Ameisen-Kim zu trösten. Immerhin hätte sie auch als Darmbakterie wiedergeboren werden können. Aber soviel schlechtes Karma, wie dafür von Nöten wäre, hat Kim in ihrem Menschenleben nicht sammeln können. Doch was tun, wenn man nicht seine restlichen Leben als Ameise verbringen möchte? Richtig! Gutes Karma muß her. Nur leider ist das leichter gesagt als getan...

Ein Debütant der Spaß macht


Mit ,,Mieses Karma" hat David Safier seinen ersten Roman auf den Markt gebracht. Den Autor und seinen Humor kennen Fans schon aus TV-Serien wie ,,Berlin Berlin" und ,,Zwei Engel für Amor" um mal bei den aktuellsten zu bleiben. Seinem Humor ist er treu geblieben und so birgt auch der Roman den einen oder anderen Lacher, den David Safier mit seinem Wortwitz geschickt in die Reinkarnationsgeschichte einfließen lässt.

Der Roman bietet kurzweiliges Lesevergnügen und es fällt schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Zu groß ist die Neugier darauf, was Kim als nächstes widerfährt, ob nun als Mensch oder Ameise. Darüber hinaus wartet das Buch mit immer neuen Überraschungen auf, wie z.B. dem Auftauchen von Casanova. Auch wenn diese schillernde historische Persönlichkeit im Grunde nur zierendes Beiwerk darstellt, sind die Erinnerungen dieser Figur – im Roman als Fußnoten dargestellt – ein besonderes Schmankerl.

Humor und Ernst

Trotz der vielen Gags und Witze bietet dieser Roman aber noch mehr. Stellenweise wird David Safier sehr tiefgründig und er scheut auch nicht davor zurück, Themen aufzugreifen, die man in diesem Buch nicht unbedingt vermutet hätte. So regen manche Szenen durchaus auch mal zum nachdenken an.

Die Figuren sind durchweg sehr plastisch gezeichnet, es fällt nicht schwer, sich mit Kim zu identifizieren, auch wenn man vielleicht eine etwas andere Einstellung als die fiktive TV Moderatorin hat. Ihre Interessenskonflikte kommen wunderbar rüber und auch ihre Fehler, die sie von Natur aus hat bzw. die sie im Verlauf des Romans begeht, lassen sie nur noch echter auf den Leser wirken.
Auffallend ist, wie genau David Safier das Mysterium Frau in seinem Buch eingefangen hat und wie real Kim Lange rüber kommt.

Auch wenn man annehmen könnte, dass ,,Mieses Karma" auf eine spezielle religiöse Gemeinschaft schließen lässt, wird man einmal mehr eines besseren Belehrt. Der Autor schafft zwar eine Brücke zu den großen Religionen der Welt, enthält sich aber einer Wertung und verlangt auch nicht von seinem Leser, das er sich entscheiden muß. Viel mehr ist dieses Buch eine tolle Geschichte, die zeigt, was alles möglich sein könnte, wenn man bereit wäre, sich auf ein Abenteuer einzulassen.


Note: 2+

[note2+]
Titel: Re: Mieses Karma - David Safier
Beitrag von: Lannie in 24. Oktober 2007, 20:22:14
Meine Meinung

,,Mieses Karma" gehört eigentlich nicht in mein ,,Stammgenre", aber der Klappentext und die Leseprobe hatten es mir einfach angetan. Als ich dann auch noch herausfand, dass David Safier Drehbücher für die TV-Serie ,,Berlin, Berlin" geschrieben hat, musste ich das Buch einfach lesen und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Roman bietet eine unheimlich kurzweilige Unterhaltung, mit viel Witz und Originalität. In weniger als fünf Stunden hatte ich ,,Mieses Karma" verschlungen. Es war mir einfach nicht möglich das Buch auch nur für einen Moment aus der Hand zu legen. Fast die ganze Zeit hatte ich ein dickes Grinsen im Gesicht, so dass ich schon fürchtete, nie mehr einen normalen Gesichtsausdruck zustande bringen zu können.  Viele Sprüche erinnerten doch sehr an Lolle aus ,,Berlin, Berlin". Aber vielleicht war ich genau deswegen so begeistert von dem Roman. Ich zähle mich zu den großen Fans der TV-Serie und war seinerzeit doch sehr enttäuscht, als sie in die letzte Staffel ging. Allerdings ähnelt nur der Humor des Romans der Serie. Die Figuren haben ansonsten keinerlei Ähnlichkeit mit den Charakteren aus ,,Berlin, Berlin", weder optisch noch charakterlich.

Sehr gelungen finde ich, dass David Safier dem Leser wirklich keine Zeit lässt, sich erstmal langsam in den Roman einzulesen. Schon auf den ersten Seiten wird man mitten ins dramatische Geschehen geworfen. Und so dramatisch die Ereignisse eigentlich auch sein sollten, ich musste wirklich mehrmals laut lachen. Gerade das finde ich so gut an diesem Buch. So schlimm es Kim Lange auch ergehen mag, David Safier findet immer einen Spruch, um dem Leser ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern und ihm damit sagen, ist doch alles nur erfunden, nimm es nicht so ernst. Die Handlung ist originell, wenn auch hin und wieder mit zu vielen Zufällen gespickt. Jemand schrieb zu diesem Buch, dass eine bestimmte Szene unrealistisch sei, aber im Prinzip ist doch das ganze Buch unrealistisch und genau das macht es wohl unter anderem auch so komisch.

Kim Lange ist eine sehr einnehmende Person und es ist schwierig sich ihr zu entziehen. Aber sie ist keineswegs meine Lieblingsfigur. Vielmehr hat David Safier eine historische Figur eingeflochten, die genau wie Kim wiedergeboren wird und zwar auch nicht als Mensch. Und diese hatte mich vom ersten Moment an in ihren Fängen. Ich möchte über diese Figur nicht zu viel verraten, denn die erste Begegnung mit ihr ist so köstlich, dass ich sie keinem nehmen möchte.  Durch das gesamte Buch ziehen sich kleine Anekdoten als Fußnoten von dieser Persönlichkeit und diese gehörten für mich eindeutig zu den Highlights des Buches.

Aber, ich muss zugeben, zum Ende hin, hatte ich nicht nur Grund zum Lachen, sondern musste mir auch die eine oder andere Träne verkneifen. Das Ende selbst ist für manch einen vielleicht ein wenig zu kitschig und auch die Spritzigkeit und Komik nehmen zum Schluss ein wenig ab. Ich mochte es aber und freue mich schon auf den nächsten Roman von David Safier...

Bewertung

[note2]
Titel: Re: Mieses Karma - David Safier
Beitrag von: Carry in 30. Oktober 2007, 23:23:53
Schließe mich euch beiden an - Mieses Karma hat wahrhaftig einen ganz besonderen Unterhaltungswert. Auf den ersten Blick erschien mir die Geschichte zwar ein wenig seltsam, aber meine Neugierde war dann doch größer. Und wie schon gesagt wurde ist das Buch sehr facettenreich. Eine schöne leichte Lektüre für zwischendurch die schlechter Laune keine Chance gibt.