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Unterhaltung => Rezensionen => Thema gestartet von: Tintagel in 22. September 2007, 19:17:15

Titel: Jeden Tag den Tod vor Augen - Volker Uhl
Beitrag von: Tintagel in 22. September 2007, 19:17:15
(http://ec1.images-amazon.com/images/I/51YKDNQVS1L._AA240_.jpg)

[isbn]3492247849[/isbn]

Wie schon in dem ersten Buch der Polizei – Poeten wird der Leser auch in diesem wieder von den Beamten mit auf Streife genommen. Ob es sich nun um einen Selbstmord handelt, der aufgenommen werden muss, oder ob es ein Amokläufer in einer deutschen Stadt in einer Kirche ist, hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Neben den erschreckend detaillierten Beschreibungen der Schauplätze zögern die schreibenden Polizisten auch nicht, ihre eigenen Empfindungen widerzugeben.

Dieser Band ist deutlich härter als sein Vorgänger. Wurden in dem anderen Buch noch über den ersten Dienst erzählt, oder die Ausbildung zum Polizisten an sich, nimmt dieses Buch eine Wendung zu den Erfahrungen, die die meisten Beamten lieber nicht machen möchten. Autounfälle, Kinder in voll gemüllten Wohnungen, Selbstmörder,... das sind die Dinge auf die sich der Leser einstellen muß. Und er wird nicht geschont. Das Grauen, dass einen Beamten überfällt, wenn er in den frühen Morgenstunden einen Teil einer Bahnstrecke abgeht um nach den sterblichen Überresten eines Selbstmörders zu suchen hat nichts mehr dem angenehmen gruseln zu tun, das einen bei der Lektüre eines Stephen King Buches überkommt. Es ist, als würde der Leser Seite an Seite mit dem Beamten diesen Dienst erfüllen.

Die weitaus amüsanteste Szene in dem ganzen Buch ist die, in der ein deutscher Komissar in Amerika kurz vor dem Start des Fluges nach Hause mit samt seinem Sohn aus dem Flugzeug geholt wird, weil etwas mit seinem Mitbringsel nicht stimmt. Und doch ist auch diese Episode nicht wirklich dazu angetan, lauthals zu lachen.

Dieses Buch macht einmal mehr deutlich, wie wichtig die Helden des Alltags sind, die in Uniform und Streifenwagen nichts anderes zu ihrem Ziel machen, als der Welt ein Stück ihres Schrecken zu nehmen. Egal ob man nun ein kleines Kind ist, das Angst vor dem Alleinsein hat, oder ein Erwachsener, dem die Beamten eine schlechte Nachricht überbringen müssen.

Menschlich sein und bleiben, das ist vielleicht noch das höchste Ziel, das diese Menschen sich in ihrem harten Beruf stecken. Und das ist sicherlich bei ihren Erfahrungen niemals einfach...

Note: 1
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