Wir Kinder von Bergen-Belsen von Hetty E. Verolme
Herausgeber: Beltz
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 344 Seiten
ISBN-10: 3407857853
Inhalt:ZitatHetty Verolme, 1944 zusammen mit ihren Eltern deportiert, lässt in ihrem Buch eine der bemerkenswertesten, weitgehend unerzählten Geschichten des Holocaust wieder aufleben: den ungewöhnlichen Kampf einer Gruppe von Kindern gegen ihre Vernichtung im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Ende des Jahres 1943 werden Hetty Werkendam, ihre beiden Brüder Max und Jackie sowie ihre Eltern bei einer nächtlichen Razzia in Amsterdam aufgegriffen und später ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Zuerst bleibt ihre Familie noch zusammen, doch dann werden ihr Vater und ihre Mutter, zusammen mit anderen Eltern unter den Augen der Kinder auf einen Transport mit unbekanntem Ziel geschickt. Zurück im Lager Bergen-Belsen bleiben etwa vierzig Kinder, zwischen 10 Monate und 16 Jahre alt. Von den anderen als "Ersatzmutter" akzeptiert, organisiert Hetty zusammen mit anderen Kindern und einer polnischen Aufseherin den Überlebenskampf der Gruppe.
Meine Meinung:,,Mama und Papa aßen ebenfalls ihre Kartoffeln, mit etwas Salz, das Mutter aus dem Koffer geholt hatte. Wie schwiegen, während wir in der jetzt verlassenen Baracke oben auf dem Bett saßen und aßen. Aber was war das? Ich schaute Mama überrascht an. Ich hatte nur eine halbe Kartoffel gegessen, als ich keinen Bissen mehr runterbrachte. Ich war satt. Mein Magen konnte nichts mehr aufnehmen. Dabei hätte ich geschworen, eine ganze Kuh aufessen zu können, so hungrig war ich gewesen."
Bücher wie ,,Wir Kinder von Bergen-Belsen" von Hetty E. Verolme sind schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil meines Lebens als begeisterte Leserin. Wie der Titel nicht anders erwarten lässt, ist dies ein Buch wie so viele der Erfahrungsberichte von Überlebenden des Holocaust, das nur schwer zu ertragen ist. Was Hetty und ihre Brüder zusammen mit ca. 40 weiteren Kindern im Konzentationslager von Bergen-Belsen erleben, durchleben mussten, getrennt von ihren Eltern, war einfach nur schrecklich und hat einen dicken Kloß in meinen Hals, meinem Buch, meinem Herzen hinterlassen. Bücher wie dieses, egal ob Erfahrungsberichte von Überlebenden oder Romane über die Zeit des zweiten Weltkriegs sind so wichtig, gerade weil die Stimmen der Zeitzeugen nach und nach verstummen und kürzlich mit Margot Friedländer eine so wichtige Stimme verloren haben.
Aber dieses Buch ist auch von der schriftstellerischen Leistung hervor zu heben, denn die Autorin hat ungemein fesselnd, intensiv und erschütternd ihrer Geschichte erzählt. Ich war sehr nah an Hetty dran, konnte den Hunger spüren, die Angst. Das gelingt bei weitem nicht bei jedem Erfahrungsbericht. Es ist sicherlich nicht einfach als Überlebende*r des Holocaust die eigenen Erfahrungen niederzuschreiben, da ist eine gewisse Distanziertheit, Nüchternheit durchaus verständlich. Hier war es für mich aber wie gesagt anders. Ich habe dieses Buch, so schwer es inhaltlich auch war, in wenigen Tagen beendet, da ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte. Ein wichtiges, gut erzähltes aber hartes Buch.
Bewertung: :Box1: :Box1: :Box1: :Box1: :Box1: