"Léon und die Frau im blauen Kleid" von Alexander Oetker ist der Auftakt einer neuen Krimireihe des Bestseller-Autors, der bereits mit der "Luc Verlain-Reihe" in der Leserschaft punkten konnte und erschien im Atlantik Verlag (brosch., 301 S.) 2026.
Worum geht's?
Nizza, im Sommer – ausgerechnet hier, wo die Reichen und Schönen unter Palmen flanieren, prunkvolle Yachten ausfahren und den Apéro an der Promenade genießen, spült das Meer die Leiche einer jungen Frau in einem blauen Kleid an den Strand. Nachts gab es keinen Schiffsverkehr – was hat sich also auf dem Wasser zugetragen? Die Ermittlungen führen Commissaire Léon de Cavallier und seine zupackende Kollegin Nadia Bentaleb ins Innere der High Society, wo Geld und Macht eine unheilige Verbindung eingehen mit Sex, Drogen und Korruption. Bestsellerautor Alexander Oetker schickt ein neues Ermittlerduo, das gegensätzlicher nicht sein könnte, vor der mondänen, sonnengefluteten Kulisse der Côte d'Azur auf die Spur eines eiskalten Verbrechens. (Quelle: Verlagsklappentext)
Meine Meinung:
In dieser neuen Krimireihe entführt uns der Autor und Frankreichkenner (sowie Restaurantkritiker und Weinkenner, was man seinen Büchern durchaus entnehmen kann) an die Côte d'Azur, wo in Nizza Léon de Cavallier und sein Kollege Guillaume Hoche ermittelt haben; doch Hoche geht in Rente und statt Loic, einem bretonischen Kollegen (der mir mit die sympathischste Figur im Krimi war) wird Léon, der sich stets gut kleidet, teure Uhren sammelt und einen roten Ferrari fährt - vorzugsweise auch als Dienstwagen - und vor allem sein Image als Snob pflegt, mit Nadia Bentaleb konfrontiert: Die Commissaire aus Paris, die sich 'aus Gründen' in den Süden versetzen ließ und durch Abstammung und Ausbildung toughe Methoden und u.a. Durchsetzungsfähigkeit und Selbstbewusstsein mitbringt, kommt directement vom anderen Ende der sozialen Leiter: In den Pariser Banlieus aufgewachsen und mit dieser Welt vertraut, legte sie dort so manchem Kriminellen das Handwerk, stieg auf und wurde mit Bestnoten und Meisterin im Sprint Commissaire. Die "Welt der Reichen und Schönen" sowie altem Adel, dem Léon entstammt, ist ihr demzufolge gänzlich unbekannt, was sich nun in diesem ersten Fall, den die beiden sehr ungleichen Ermittler gemeinsam zu lösen haben, ändern sollte.... Spuren führen in oberste Kreise und bis nach Monaco, dem Steuerparadies, in dem sich die Superreichen gerne ansiedeln. Hier fand ich die Unterschiede im Polizeiwesen, die Oetker beschreibt, sehr interessant und dass es Hürden gibt für die französische Polizei, dort ermitteln zu dürfen. So besucht man z.B. ein Institut für Meeresforschung, erfährt von dem Bal de l'Été, dem Sommerball, dem Léon am liebsten fernbleiben würde, da selbst er den dort zur Schau getragenen Reichtum als dekadent empfindet und besuchen das Casino in Monaco, um am Spieltisch den Verdächtigen auflauern zu können... Wer hat mit dem Mord an der jungen Frau zu tun, deren Leiche am Strand von Nizza angespült wurde?
Der Stil des Autors ist durchaus unterhaltsam, die Dialoge humorvoll und die Handlung wie auch der Plot stimmig; zudem versteht es Oetker hervorragend, eine atmosphärische Beschreibung zu schaffen, die den Leser in der Tat in den (wunderschönen) Süden Frankreichs zieht: Mir persönlich war die Extravaganz in der Figurenbeschreibung Léons auf den fast ersten 100 Seiten fast zu viel; auch wurden immer wieder Klischees am Rande gestreift. Allerdings fehlt nicht (bei genauerem Hinsehen) eine gewisse Kritik an Polizeigewalt in Frankreich, Korruption von Polizisten und auch an denjenigen, die es sich überhaupt leisten können, den 'Bal de l'Été' besuchen zu dürfen:
"Die Reichen der Côte feierten einfach sich selbst und ihre Großartigkeit" (Zitat S. 217)
Nach dem ersten Drittel nahm der Kriminalroman dann auch an Spannung auf und konnte bei mir persönlich dann noch Punkte sammeln; die Wendungen sind nicht vorhersehbar und das Buch endet mit einem Cliffhanger, der Fans von Alexander Oetker bereits auf Band 2 gespannt sein lassen dürfte! Ein spannendes, da sehr gegensätzliches Ermittlerteam ist sozusagen die "Herznote" dieser neuen Krimireihe (um es mit den Worten eines Weinkenners zu sagen) :)