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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Kathrin in 07. Juni 2026, 11:41:36

Titel: Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling
Beitrag von: Kathrin in 07. Juni 2026, 11:41:36
Inhalt:
Sieben Jahre sind vergangen seit Ivo aus ihrem Leben verschwunden ist. Ivo, ihr Halbbruder, ihr Spielgefährte aus Kindertagen und viel mehr als das. Denn Ivo und Stella, Wahlverwandte und Schicksalsgenossen seit frühester Kindheit, sind in leidenschaftlicher Liebe miteinander verbunden. Jeder Versuch, ohne einander zu leben, sich dem Reigen wilder erotischer Begegnungen und hasserfüllter Streite zu entziehen, ist zum Scheitern verurteilt; es ist eine namenlose Gier, die die beiden immer wieder zueinander treibt. Nino Haratischwilis Roman erzählt die Geschichte dieser großen Liebe und fatalen Leidenschaft und enthüllt dabei, Schritt für Schritt, Schicht für Schicht, ein Familiendrama, das wie ein Schatten über Ivos und Stellas Leben liegt.

Meine Meinung:
,,Mein sanfter Zwilling" ist inzwischen der fünfte Roman von Nino Haratischwili und leider, leider, leider muss ich mich jetzt gedulden, bis ich wieder etwas von meiner Lieblingsautorin lesen kann – es sei denn ich lege Re-Reads ein, denn eine Neuerscheinung ist aktuell meines Wissens noch nicht in Aussicht gestellt. Und was soll ich sagen, ein Re-Read ihrer Romane ist nun wirklich nicht auszuschließen. Es ist inzwischen ein Dreiviertel Jahr her, dass ich die Geschichte von Stella und Ivo gelesen habe, aber als ich das Buch vorhin in die Hand nahm, um mich endlich an die Rezension zu wagen, bin allein durch die von mir markierten Stellen schon wieder komplett in der Geschichte und von Nino Haratischwilis Erzählkunst und Sprache gefangen, die ich – da bin ich mir sicher – aus tausenden Erzählstimmen heraushören würde.


Dabei ist die Geschichte von Ivo und Stelle wirklich heftig, harter Tobak, teilweise kaum auszuhalten. Es ist sicherlich kein Buch für jeden und wenn sich jemand aufgrund meiner Meinung an das Buch heranwagen sollte, dann bitte nur, wenn ihr bereit seid und schwere Kost aktuell nicht abschreckt.


Ich war kurz davor, das Buch als Wanderbuch in meine Wanderbuchrunde zu schicken, aber das Buch sollte man ,,freiwillig" lesen und nicht, weil es auf Wanderschaft durch unser Forum geht, zumal auch die Charaktere schwierig sind. Man hadert so sehr mit manchen Entscheidungen, Handlungen. Wie oft wollte ich in das Buch reinspringen und vor allem Stella durchschütteln, anschreien, aber auch so oft in den Arm nehmen und festhalten. Und auch wenn Stella als ProtagonistIN des Romans auch extrem weit von mir und meinem Leben weg ist und wir wirklich nicht viel gemeinsam haben, ihr Handeln nicht nachvollziehen nicht gut heißen konnte, so, war ich trotzdem extrem nah an ihr dran, habe gefühlt, was sie gefühlt hat, habe gelitten, war entsetzt, wütend, verzweifelt. Neben der Sprachgewalt liegt die Kunst der Autorin eindeutig in der Zeichnung und Charakterisierung der handelden Figuren, der Haupt- aber auch der Nebenfiguren. Die sind einfach so echt, so tief, so komplex, auch wenn sie nicht immer sympathisch sind.


Ein Roman mit absoluter Sogwirkung und einer explosiven Atmosphäre und der heftigsten toxischen Beziehung, die ich je lesender Weise ,,miterlebt" habe. Es ging mir an die Substanz, war aber auch dank der wunderbaren Leserunde ein absolutes Lesehighlight!

Note 1,  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:
Titel: Aw: Nino Haratischwili: Mein sanfter Zwilling
Beitrag von: Inge78 in 08. Juni 2026, 08:04:33
Ich glaube ich sollte das Buch doch auch mal näher ins Auge fassen