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Storica => Rezensionen => Thema gestartet von: Annette B. am 31. Oktober 2010, 18:52:02

Titel: Der Bund der Hexenkinder - Michael Wilcke
Beitrag von: Annette B. am 31. Oktober 2010, 18:52:02

[isbn]3746626560[/isbn]

Zitat von: Amazon de.
Die Rache der Kinder. Ein Aufstand der Ausgestoßenen lehrt die Salzburger Obrigkeit das Fürchten. Salzburg im Jahr 1658: In einer eisigen Nacht wird die schwangere Sybilla von ihrer Mutter in eine Kutsche gesteckt, die sie nach Rosenheim bringen soll. Bevor die Kutsche abfährt, raunt die Mutter ihr noch zu, dass ihr Kind des Teufels ist. Sybilla hingegen hat sich längst entschieden, für ihr Kind zu sorgen. Zwanzig Jahre später beschließt dieses Kind nach Salzburg zurückzukehren, um seine Mutter zu rächen.


Meine Meinung:

In diesem Buch greift der Autor ein Thema auf, dass kaum bekannt ist.
Man kennt die Hexenprozesse, in den Heilerinnen, Kräuterfrauen oder besonders eigensinnige Frauen, meist mit roten Haaren grausam gefoltert und verbrannt wurden.

Das die Kirche und die Obrigkeit aber auch Kinder, im Alter von 5-14 Jahren verfolgten und der Hexerei angeklagt haben, darauf wäre ich nie gekommen!
Michael Wilcke hat jedoch genau diese Grausamkeiten bei seinen Recherchen entdeckt und thematisiert in diesem Roman.
Warum konnte es zu diesen furchtbaren Prozessen und Hinrichtungen kommen?
Eingebunden in einer spannenden Handlung, in der alles vorhanden ist was man als Leser von einem historischen Roman erwartet, erzählt der Autor die Geschichte der Hexenkinder.

Die Atmosphäre in diesem Roman ist sehr dunkel und überaus traurig.

Die Hauptdarsteller sind vom Autor mit facettenreichen Charakteren ausgestattet worden, aber auch mit Herz und Verstand.
Der Einstieg in diese Handlung fällt dem Leser nicht schwer. Der Autor erzählt fesselnd und mit einem fast rasanten Tempo, die Geschichte des Hauptdarstellers Robert, der ein Bankert-Kind ist.

Robert ist knapp 20 Jahre alt, leicht jähzornig und eine echte Spielernatur.
Nach einem furchtbaren Schicksalsschlag muss er seine Heimatstadt Rosenheim verlassen und sein Weg führt ihn in die Alpen bis nach Salzburg.
Robert erlebt und sieht auf seinem Weg so viel Grausames, dass ich als Leser, dass Buch zwischenzeitlich beiseite legen musste, weil ich es nicht mehr ertragen konnte.
Das spricht jedoch auch wieder für den Autor, der mit einem sehr flüssigen Schreibstil und einer überaus bildhaften Sprache, diese grausamen Bilder vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden lässt.

Zusammen mit Helene und ihrem Sohn Adam, wandert Robert nach Salzburg.
Sie treffen auf ihrem Weg einige interessante Wanderer und Reisende. Mit Helene konnte ich so gar nicht richtig warm werden. Ihr Denkschema und ihr Handeln habe ich wirklich nicht nachvollziehen können.
An anderer Stelle wiederum lässt der Autor weitere weibliche Protagonisten in Erscheinung treten, die mir sofort ans Herz gewachsen sind.

Auch wenn der Autor die Landschaft und die ärmeren Menschen sehr genau beschreibt, so kommen dabei niemals langatmige oder zähe Passagen im Roman vor. Die Beschreibungen sind geschickt in die Handlung eingefügt. Auch die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung hat der Autor sehr schön geschildert.
Genauso deutlich beschreibt der Autor aber auch die Standesunterschiede und die Ungerechtigkeiten die sich daraus für die ärmeren Menschen ergaben. Die Sprache und die Dialoge hat Michael Wilcke der Zeit und dem historischen Hintergrund wunderbar angepasst.

Wer auch die anderen Bücher dieses Autors kennt, wie ich, der kommt zu dem Schluss: Dieses Buch ist ein typischer > Wilcke-Roman <!

Spannend, Temporeich, Lebendig und fesselnd geschrieben.

Eine Landkarte vorne im Buch und ein ausführliches Nachwort des Autors, habe ich als sehr hilfreich und interessant empfunden.

Titel: Re:Der Bund der Hexenkinder - Michael Wilcke
Beitrag von: nirak am 05. November 2010, 15:44:06
Meine Meinung

„Der Bund der Hexenkinder“ ist mein zweiter Roman den ich von Michael Wilcke gelesen habe. Er hat einen leicht zu lesenden Schreibstil. Die Seiten fliegen nur so dahin und so brauchte ich nur wenige Tage bis die letzte Seite gelesen war.

Das Thema der Hexenkinder aus dem Salzburgerland hat einen realen Hintergrund. Ich habe schon einiges über Hexenverfolgung gelesen, dass aber auch Kinder von 5 – 14 Jahren verfolgt und auch hingerichtet wurden war mir so nicht bekannt. Michael Wilcke ist es gelungen seine fiktiven Charaktere glaubwürdig in diese historische Geschichte einzubinden.
Es entstand ein lebhaftes Bild des 17 Jahrhunderts in meinem Kopf.

Gleich zu beginn lernte ich Robert kennen, einen jungen Heißsporn. Durch unüberlegtes Handeln muss Robert seine Heimat verlassen und sich ein neues Leben aufbauen. Robert war mir von Anfang an sympathisch. Er macht sich auf den Weg nach Salzburg. Auf seiner Wanderung lernt er Charlotte kennen. Eine junge Frau die Probleme mit ihrem Gatten hat. Sie geraten mitten hinein in die Verfolgung der Hexenkinder und kämpfen ums eigene Überleben.

Der Autor hat einige sehr unterschiedliche, facettenreiche Charaktere geschaffen von denen mir nicht alle sympathisch waren. Dadurch bekam die Handlung aber seine Glaubwürdigkeit. Zeitweise war sie schon recht schonungslos und ging auch mit den positiven Charakteren hart einher. Es war nicht immer etwas für schwache Gemüter. Ich fand die Mischung aber gut und überzeugend. Auch wenn Herr Wilcke die Greultaten nicht im Einzelnen beschreibt so werden diese eben doch in Knappen Sätzen geschildert, so dass man genau wusste was gemeint war.
Es ging in diesem Buch immer auf und ab und ich konnte kaum eine Lesepause einlegen aus Angst irgendetwas zu verpassen.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass sich in dieser TB-Ausgabe eine kleine Karte der Handlungsorte befindet. Außerdem geht der Autor in einem Nachwort auch noch einmal auf Fiktion und Wahrheit ein. Das Nachwort beinhaltet einige interessante Details und hat mir gut gefallen.

„Der Bund der Hexenkinder“ war für mich ein durch und durch gelungener, solider historischer Roman und ich freue mich schon darauf wieder etwas von Michael Wilcke zu lesen

Bewertung: