Bücherforum

Allgemeines => Kaffeekränzchen => Thema gestartet von: Steffi am 10. Oktober 2013, 02:56:52

Titel: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Steffi am 10. Oktober 2013, 02:56:52
Hallo Ihr Lieben!

In den letzten Wochen und Monaten bemerke ich bei mir eine unglaubliche Lese-Müdigkeit. Ich habe jedoch gemerkt, dass es nichts mit einer normalen Lesemüdigkeit zu tun hat, die wohl jeden ab und zu trifft, sondern dass mich einfach mein Lesestoff unglaublich angeödet hat. Obwohl das aktuelle Buch oft eigentlich ganz gut war, ist es mir schwer gefallen am Ball zu bleiben oder es zu beenden.

Für mich liegt es glaube ich auch daran, dass ich das Gefühl habe, in der Online-Welt wird nur noch das selbe gelesen und rezensiert. Facebook, Lovelybooks und die ganzen Bücherblogs, die mittlerweile anscheinend täglich wie Pilze aus dem Boden schießen, haben nur noch Young Adult, Dystopien und Fantasy im Kopf. Und dann darf man auf der Arbeitsstelle auch noch das neueste Katzenberger Buch auf den Aktuell-Tisch legen.   :gr: Und manche Blogger können nicht mal einen gerade Satz schreiben, aber hauptsache Rezensionsexemplare bei den Verlagen abgraben.

Vielleicht hat es auch was mit dem Alter zu tun bzw. wenn man Vielleser ist, dann brauchts vielleicht irgendwann einfach mehr als nur reine Unterhaltung oder zumindest irgendwie in anderen Dosen.

Jedenfalls habe ich in den letzten Wochen viel abseits meiner ausgetretenen Pfade gekauft und gelesen und das wird auch so bleiben. Ich werde ab sofort natürlich auch hier im Forum darüber berichten und bin mal gespannt, ob wie den "Shakespeare & Company" Bereich etwas aufmotzen können. Ich habe einige Klassiker gelesen, zeitgenössiche Literatur gelesen (besonders die Amerikaner und Briten) und finde es einfach super. Der SUB wächst... so wie immer halt!  :umfall:  :->

Vor zwei Wochen habe ich "Amon" von Jennifer Teege gelesen. In dem Buch erfährt die Autorin durch Zufall, dass ihr Großvater Amon Göth, der Kommandant des Konzentrationslagers Plaszow, war. Die meisten von Euch werden Göth aus Schindlers Liste kennen. Er war der Sadist, der aus purem Spaß von seinem Balkon einfach mal ein paar Juden erschossen hat. Er hatte eine Geliebte, die eine Tochter bekam, die Jennifers Mutter war. Jennifers Vater war ein Nigerianer, weswegen sie dunkelhäutig ist. Mit knapp 40 steht sie in einer Bibliothek und sucht etwas über Depressionen und hält plötzlich ein Buch in der Hand, auf dessen Cover sie ihre Mutter erkennt. Eine Mutter, zu der Jennifer so gut wie keinen Kontakt mehr hat und die sie zur Adoption freigab. In diesem Bibliotheksbuch geht es um Jennifer Großvater, von dem sie nichts gewusst hat. Eine Welt bricht für sie zusammen. Sie hat einige Jahre in Israel gelebt, dort studiert und Freunde gefunden. Freunde, deren Familienmitglieder in Konzentrationslagern gestorben sind. Vielleicht sogar durch die Hand ihres Großvaters. Das Buch ist zweigeteilt. Einmal die Geschichte von Jennifer und dann immer wieder Einschübe ihrer Co-Autorin, die dem Leser Hintergrundwissen vermittelt. Wer sich für so etwas interessiert, dem sei das Buch wärmestens empfohlen. Es ist sehr gut geschrieben, Jennifers Weg mit der Sache fertig zu werden sehr eindrücklich. Zumal es oft gar nicht so sehr um den Großvater, sondern allgemein um die zerrütte Beziehung zu ihrer Familie geht.

Das Buch hat dazu geführt, dass ich mit eingehender mit dem Nationalsozialismus beschäftigen möchte. Sowohl in Bezug auf Romane, als auch auf Sachbücher. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass mein Großvater immer mehr dem hier und jetzt entgleitet. Er leidet an zunehmender Demenz und ist ziemlich krank. Heute ist er z.B. mit hohem Fieber ins Krankenhaus gekommen. Eventuell hatte er sogar einen kleinen Herzinfarkt. Ich erinnere mich, wie er mir früher immer von seiner Kindheit in Rastenburg (Ostpreußen) erzählt hat und wie sie gegen Ende des Krieges nach Bremen geflohen sind.

Mein Großvater war ein kleiner Junge, als der Krieg ausbrach, aber trotzdem frage ich mich heute, wie viel zumindest seine Eltern wohl gewusst haben. Seine Erzählungen klangen immer wie bei Astrid Lindgren. Schlittschuhlaufen und Unsinn treiben mit den vielen Brüdern und Schwestern. Schwimmen im hiesigen See, aber nur einen Steinschlag weiter weg lag die Wolfsschanze, eines der Hauptquartiere Hitlers.

Ich denke heute, hätte ich doch mal mehr gefragt, mir Dinge aufgeschrieben. So erinnere ich mich nur an Bruchstücke. An das polnische Hausmädchen (dessen Herkunft bis zum Schluss von der Familie geheim gehalten werden konnte), die warmherzige Mutter, den korrekten Vater, den mein Großvater immer "der alte Herr" und nie Vater genannt hat.

Natürlich will ich nicht bis an mein Lebensende nun Dinge über den 2. Weltkrieg und den Nationalsozialismus lesen, aber insgesamt habe ich momentan das Gefühl, es macht mir mehr Spaß Bücher zu lesen, die mir irgendwie etwas sagen wollen. Also Bücher, in denen es um echte Menschen geht (auch wenn sie fiktional sind), die mich berühren und die nicht gerade vom Vampir gebissen werden.  :->

Komischerweise merke ich dadurch, dass ich einen Liebesroman oder einen Krimi (Saskia Berwein fand ich toll) auch wieder viel mehr genießen kann. Vielleicht macht es doch die Mischung und in den letzten Jahren war es einfach der absolute Overkill an Friede-Freude-Eierkuchen-Büchern?

Mich würde einfach mal interessieren, wie Ihr darüber denkt. Hat sich Euer Leseverhalten im Laufe Eures Lebens geändert? Vielleicht wegen anderer Lebensumstände, weil ihr älter geworden seid, etc.?

Ich mag zum Beispiel auch einfach nicht mehr so von Buch zu Buch hetzen. Das werde ich zwar in einigen Teilen weiterhin machen müssen, weil das z.B. die Rezensionsarbeit für den LoveLetter so mit sich bringt, aber ansonsten bin ich momentan froh, dass ein Buch zu lesen, nun mal so lange dauert, wie es eben dauert. Deswegen vermutlich für mich in nächster Zeit auch keine Leserunde mehr, dafür aber mehr Postings über meinen Lesestoff hier im Bücherkistenforum.

So - und nun ist glaube ich dieser Beitrag erstmal lang genug!  :meditate1:

Liebe Grüße,
Steffi

Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Kingsizefairy am 10. Oktober 2013, 09:57:39
Hallo Steffi,

du sprichst mir in vielen Dingen aus der Seele, so geht es mir schon recht lange.
Früher habe ich meist in zwei bis drei Büchern gleichzeitig gelesen, ohne den jeweiligen Handlungsstrang zu vergessen. Heute hingegen?
Mein Leben ist in den letzten Monaten und Jahren hier achterbahnmäßig rauf und runter gegangen, so dass mir stellenweise einfach die Muße fehlte, mich hinzusetzen und zu lesen. Gleichzeitig habe ich mein Hobby stricken wieder entdeckt, so dass ich also eher abends den Fernseher anhabe und dabei stricke, als zu lesen.
Das ärgert mich schon gewaltig, da ich doch einen großen SUB habe, der eher größer als kleiner wird.

Vielleicht war früher in Dland auch meine Motivation anders, wenn ich zu Thalia oder so ging und dort um die Büchertische schlich. War immer schwer, ohne ein neues Buch rauszugehen.
Hier in Schottland geht mir das leider vollkommen ab. Die großen Buchketten wie z.B. Waterstones etc. sind in den Großstädten und da komm ich leider so gut wie nie hin.

Durch den Kindle lese ich schon wieder mehr, aber dann halt immer nur ein paar Seiten abends im Bett, wenn ich die überhaupt schaffe. Meist bin ich so platt, dass auch das nicht mehr geht.
Auch nach 7 Jahren komme ich immer noch nicht so richtig in englischsprachige Bücher rein, es entspannt mich einfach nicht so wie ich möchte. Zu doof.

Aber wenn ich lese, möchte ich auch lieber Bücher, die eine Geschichte erzählen. Das, was so oft hochgejubelt wird, interessiert mich leider nicht die Bohne. Ich habe zwar eine unleugbare Schwäche für Nackenbeißer, aber wenn wir ehrlich sind, ist auch immer das Gleiche.

Ja, ich denke auch, dass es die Mischung macht. Hier in GB sind diese grausamen Bücher beliebt im Stil von "Wahre Geschichten", in denen - meist von Frauen - von ihrer grausamen Kindheit erzählt wird, von Missbrauch etc. Da klappen sich mir die Fußnägel hoch. Auf sowas hab ich keine Lust. Dann findet man noch Krimis. Kann ich auch nichts mit anfangen. Oder Kochbücher, ganz toll. Ansonsten bleiben mir nur noch die Charity Shops, aber da ist eben auch die Auswahl eher begrenzt und gute Bücher findet man eher selten. Bliebe nur noch Amazon und da entsprechend suchen. Kein Bock, wenn ich ehrlich bin.

ich hoffe, dass ich mich mal wieder richtig organisieren kann und wieder Lesezeit einbauen kann.

So wie es dir mit deinem Opa ergeht, ist es mir mit meinen Eltern ergangen. Meine Großeltern sind leider viel zu früh gestorben, was schade ist, denn da hätte ich im Nachhinein noch viele Fragen gehabt.
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: wingfoot am 10. Oktober 2013, 10:07:09
Liebe Steffi,

das ist mal ein schöner Beitrag, der lesemüden vielleicht Hoffnung macht. Und es sind Themen dabei, über die ich in letzter Zeit auch viel nachdenke.

Das Hetzen werde ich noch eine Weile nicht vermeiden können. Ich hab ja schon immer schnell gelesen, vielleicht zu schnell, aber ich lese Bücher immer lieber öfters als mich künstlich auszubremsen. Dass ich aber grad immer endlos scheinende Listen vor mir hab, die es abzuarbeiten gilt, das nimmt mir ein bisschen die Freude. Am Montag geht das Semester wieder los und ich hab nichtmal die Hälfte der Lektüren gelesen. Einen Teil schaff ich noch, aber alles bestimmt nicht. Das ist unvermeidbar, das ist "Arbeit". Aber im privaten Lesen beschließe ich auch immer wieder, mich nicht so stressen zu lassen. Die Bücher sind da, die laufen nicht weg. Und sogar wenn sie ein eigenes Leben haben und gelesen werden wollen- wer kriegt schon immer, was er will?

Mein Leseverhalten hat sich sehr gewandelt in den letzten Jahren. Ich kann noch nur zum Spaß lesen, habe ich diesen Sommer beglückt festgestellt, kann sogar noch Spaß an "Schund" haben, aber ich tue es halt seltener und lese auch in meiner Freizeit gern was, was ich Wort für Wort genießen und mir auch was dabei denken kann. Wenn ich das Gefühl hab, ich fange an, mir mehr Gedanken über den Text zu machen als der Autor/Übersetzer wird's halt manchmal frustrierend. Deswegen lese ich tendenziell immer hochwertiger- um dann wieder festzustellen, dass ich jetzt aber zur Entspannung was brauche, wo ich wenig oder nix denken muss.

Sehr entspannend habe ich diesen Sommer die Lektüre von Fachbüchern gefunden (v.a. Pferdegenetik). De habe ich ja früher immer zu den anstrengenderen Büchern gerechnet und lieber einen Fantasy-Roman in die Hand genommen. Jetzt waren es plötzlich Bücher, die nur ihre Fakten vermitteln möchten und wo Sprache nur ein Werkzeug ist- und ich mal über was anderes nachdenken kann (auch wenn ich noch im Hinterkopf hab, was eigentlich ein "Fakt" ist, und wie seine Halbwertszeit aussieht und warum wir die DNA nur als "Text" denken können, etc.).

Die Liebe zur Phatastik werd ich allerdings wohl nie verlieren, ich finde immer noch, dass es das Genre ist, das Autor und Leser die größten Freiräume bietet. Wie die dann genutzt werden... Nun ja. Aber prinzipiell sehe ich das so und werde auc nicht aufhören, nach literarischer Fantasy Ausschau zu halten (mit der Kingkiller-Trilogie bin ich ja zu meiner großen Freude mal wieder fündig geworden) und die Klassiker des Genres wiederzulesen.

Ich glaube, im allgemeinen Überangebot und all den Verführungen muss man einfach ein stabiles Gefühl dafür entwickeln, was man grade braucht, worauf man wirklich Lust hat. Und die ausgetretenen Pfade mal verlassen. Ich hatte Western eigentlich endgültig als (für mich) pubertär abgeschrieben, als da in der Giselastraße in einem Haufen, den einer der Buchverkäufer abends frustriert hat liegenlassen, eins von diesen blaugelben 80er-Jahre Heyne-Büchlein namens "Der Blaue Mustang" herumlag... Musste mit und hat nicht nur für eine S-Bahnfahrt Nostalgie gereicht sondern auch ein Anwendungsgebiet für die Theorie des Helden geboten, die mich grad beschäftigt. Für solche Zufälle möcht ich trotz aller Qualitätsansprüche offen bleiben.

So, auch reichlich lang, aber was soll's.  :meditate1:
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Steffi am 10. Oktober 2013, 12:26:24
Hallo Ihr Beiden!

@Fairy - das mit dem Englischen kann ich gut verstehen. Ich kann die Sprache an sich gut lesen, aber ich käme nicht im Traum drauf, dies zum Vergnügen zu tun. Mir fehlen einfach die kleinen Zwischentöne, die ich oft nicht verstehe und die für mich beim Lustlesen aber so wichtig sind.
Dadurch, dass ein Bücherkauf bei Dir immer mit einer längeren Reise verbunden ist, kann ich auch nachvollziehen, dass Dein Kaufverhalten sich verändert hat. Ich arbeite halt an der Quelle. Da ist das per se einfach anders, weil ich dauerverführt werde!  :->

Ich glaube es ist tendenziell wichtig, nicht zu einseitig zu lesen. Wie Du schon sagst, im Prinzip sind alle Nackenbeißer doch irgendwie gleich. Genauso ist es halt mit Dystopien und vielen Young Adult Titeln, wo die Heldin den Held als neuen Schüler in der Klasse trifft und ich mich frage, gibt es keine andere Art und Weise wie die beiden sich kennenlernen? Ich weiß auch nicht, wie man den fünfhundersten Erotikroman lesen kann, in dem der Held der Heldin zeigt wie die Welt funktioniert (unter anderem natürlich im Bett). Das Problem ist glaube ich auch, dass man, wenn man in einem Genre zu Hause ist, extrem wählerisch wird und dabei wahrscheinlich gar nicht mal so schlechten Büchern oft Unrecht tut. Es braucht dann eben schon etwas besonderes um den Leser noch zu packen, während Gegelegenheitsleser das Buch total klasse gefunden haben.

Das ist eben das was ich meine, ich glaube die Mischung macht es. Zumindest wenn man Vielleser ist und nicht nur alle paar Wochen/Monat ein Buch liest.

@Wing - es ist immer problematisch, wenn man Dinge lesen muss (Studium, etc.). Mir hat es damals das Lesen im Germanistikstudium sehr verleidet. Komischerweise bekomme ich aber jetzt, wo ich keinen Druck habe, immer mehr Lust einige deutsche Klassiker zu lesen. Ich glaube, ich bin da aber auch komisch. Ich habe mich in der Schule schon immer gesträubt.

Damit wir uns richtig verstehen, ich habe auch immer noch eine Menge Spaß an Fantasy, Krimis, historischen Romanen etc. und würde nicht so weit gehen, es als Schund anzusehen. Manche sind halt weniger anspruchsvoll und dienen nur der Unterhaltung als andere. Ich will da auch gar keine Diskussion vom Zaun brechen, Unterhaltung ist und was nicht. Das hat nämlich meistens dazu geführt, dass Leser die nur das eine oder das andere lesen mit den anderen streiten. Wie oft sehen Leser auf andere herab bzw. wie oft machen sich z.B. Liebesromanleser aus Selbstschutz über die lustig, die eher anspruchsvolle Literatur lesen. Ich für meinen Teil habe nie verstanden, wieso sich das gegenseitig ausschließt. Darf ich kein Dan Brown lesen und danach Thomas Mann? Kommt dann der Literaturgott vom Himmel und haut mir eins mit der Werkausgabe von Shakespeare?

Bei Dir klingt das so, wie es sein sollte. Lesen, wo einen gerade die Lust packt. So wird man nämlich jedem Buch gerecht und genau das erlebe ich auch gerade.

Liebe Grüße,
Steffi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: DG7NCA am 10. Oktober 2013, 13:27:33
Hallo,

bei mir ist es andersrum. Bis vor drei vier Jahren hab ich halbe halbe gelesen, Ein Teil Sach-Fachbücher und der andere Belletristik aber nicht die Nackenbeißer. Mittlerweile lese ich fast nur noch Liebesromane und eher die wirklich leichte Sparte von historischen. Ich hab einfach nicht mehr den Nerv was anspruchsvolleres zu lesen. Da meine Psyche und die Familie mir soviel Kraft abverlangt auch Denken beansprucht ist mir heile Welt und Liebelei einfach angenehmer zum flüchten.

Natürlich hoffe ich aus diesem Tief auch einmal wieder aufzusteigen und mich an einem Grass oder Paläontologiebuch mit Lust zu freuen .
Doch bis dahin reicht mir der nächste Historical vollauf.  :zwinker:

LG Carola
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Kingsizefairy am 10. Oktober 2013, 17:31:29
Carola,
das geht mir genauso. Einfach zu viel um die Backe. Wenn ich lese, will ich mich entspannen und dazu reicht mir grad mal leichte Kost.
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: illi am 10. Oktober 2013, 20:41:57
Hallo liebe Steffi und ihr anderen Lieben :rollen:

ich kann dich sehr gut verstehen, auch ich habe in meiner Lese-"laufbahn" die ein oder andere Leseflaute bei mir erlebt. Jede Flaute fühlte sich allerdings ein bisschen anders an, besonders nach einem besonders gutem Buch fiel es mir immer wieder sehr schwer ein nächstes in die Hand zu nehmen.
Ich habe immer quer Beet gelesen, wie du weißt habe ich Krimis,  Liebesgeschichten in allen Jahrhunderten, Erotikgeschichten in fast allen Facetten, Historisches, Fantasy und Jugendliteratur gelesen. Manchmal war der Sprung in ein anderes Genre schon genug, um mich wieder zum Lesen aufzuraffen, manchmal war es der innere Zwang ( :hau:) lesen zu MÜSSEN und oft habe ich Bücher angefangen und nach ein paar Seiten wieder weggelegt, weil sie mich angeödet haben. Das schaffte aber auch Frust bei mir, nicht "mitreden" zu können.
Dieses Frustgefühl habe ich einfach abgeschafft, ich lese dann halt nicht und akzeptiere das auch für mich. Meistens werde ich durch Kleinigkeiten auf ein Buch aufmerksam, obwohl ich nicht mehr auf der Suche nach einem bin. Meistens habe ich Glück und es gefällt mir auch und habe im Anschluss aber nicht das Gefühl jetzt wieder unbedingt wieder ein Buch zu lesen.
Ich bin sozusagen eine Teilzeitleserin geworden und bin glücklich damit. Wenn es irgentwann wieder Vollzeit wird, ist es aber auch okay für mich.
Das Bedürfniss nach guter Literatur habe auch ich, dem gebe ich auch nach, aber auch da ist irgentwann eine Sättigung vorhanden bzw ich benötige nach "Hardcore"-Stoff (sorry für den Ausdruck) immer eine Zeitspanne und lese lange danach nichts, weil ich das Gefühl habe, dem Buch sonst nicht gerecht zu werden :dong: (verstehts du, was ich meine?)

Alles um die Zeit des dritten Reiches ist im Moment ein riesen Thema bei uns zuhause. Zum einen hat Torben (Sohn) Leistungskurs Geschichte und entsprechendes Thema wird gelehrt und wird bei uns häufig besprochen. Zum anderen können mein Mann und ich aus vielen Erzählungen der Verwandtschaft aus der Generation berichten. Wir haben mit diesem Thema auch keine Berührungsängste und entsprechende Literatur gibt es auch bei uns.

Insgesamt gesehen hat sich mein leseverhalten in den letzten acht Jahren deutlich verändert.

LG  illi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Xandi am 10. Oktober 2013, 22:16:18
Hallo Steffi! Hallo Alle!

Das mit der Leseflaute ist bei mir heuer auch ein immer präsentes Thema.
Ich nehme mir ja jedes Jahr vor 24 Bücher zu lesen. Das sind 2 im Monat. Da ich eigentlich nur
vorm Einschlafen und am Wochenende zum Lesen komm,  ein schaffbares Ziel.
Die letzten Jahre hier im Forum, wo ich Listen schreiben gelernt hab, SUB's posten und
Neuerrungenschaften, haben gezeigt, daß es mehr als machbar ist. (es waren immer so zwischen 30
und 40 Büchern).
Heuer allerdings, schaff ich nicht mal mein Minimum.

Ich brauch E W I G für ein Buch. Die meisten nerven mich oder langweilen.  :nixweiss1:
Mir fehlt auch das Gewisse Etwas. Irgendeine neue Idee, eine schillernde Hauptfigur oder eine
komplette Überraschung, mit der ich nie gerechnet hätte.

Als meine Mann vor einigen Jahren zu lesen aufgehört hat, hat er gemeint, und das sagt er jetzt
auch noch, "ich hab schon alles gelesen, es gibt keinen Erzählstrang, der mir nicht bekannt vorkommt.
Egal von welchem Autor."
Mittlerweilen bin ich seiner Meinung. Und wenn ich die posts so lese, geht es Steffi da genauso.

Ich kann keinen Krimi mehr lesen, weil ich meist nach 50 Seiten weiß, wer der Mörder ist.  :schnarch:
Ich lese keine Frauenromane mehr, weil die alle wie deutsche Verfilmungen eines Rosamunde Pilcher-
Romans sind.  :wuschig:
Ich mag keine Histos mehr, weil mich die Zustände von damals nerven. (Krankheiten, Sterblichkeit, Gewalt usw.)  :fechten:
Ich lese aus Prinzip keine Tatsachen, weil die eben so traurig ist (Mißbrauch, Krebs, Entführung)
da kann ich gleich die Tageszeitung aufschlagen.  :tempo:
Ich lese keine Klassiker, weil mir das in der Schule abgewöhnt wurde.  :dong:

Drum bleibt nur Fantasy. Und da ist es jetzt auch schon so, daß mich viele Bücher nerven.  :gruebel:

Es war neu, als DG anfing mit der Zeitreise und so herrliche Figuren entstehen hat lassen.  :schmacht:
Es war neu, als Kerstin Gier in einer rotzfrechen Art Mütter auf die Schaufel nahm.  :teufel:
Es war neu, als Kathy Reichs so brutale Morde beschrieben hat.  :ballern:
Es war neu, als Ilona Andrews Kampfszenen beschrieben hat, die im Hirn, wie ein Film ablaufen.  :geil:


Vielleicht , liebe Steffi, ist die NS Zeit für Dich jetzt gerade das Passende. Vielleicht brauchst Du jetzt
gerade diese Schicksale zum Lesen, oder um Dich an was zu erinnern, oder jemanden festzuhalten,
ihn in Erinnerung zu behalten.

Vielleicht befassen wir uns auch schon zu lange zu intensiv mit Büchern. Gut, bei vielen hat es mit
dem Beruf zu tun.
Aber, ich spreche jetzt von mir, mich interessiert es heuer überhaupt nicht Listen zu schreiben,
Bücher zu posten, die ich mir gekauft hab, meinen SUB zu aktualisieren oder gar eine Rezi zu schreiben
oder zu lesen. Drum bin ich auch nicht wirklich oft hier.  :rotwerd:
Ich warte, bis der Funke wieder überspringt!

 :spinnen:  Xandi




Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Hans am 10. Oktober 2013, 22:55:11
Tach zusammen,

ich glaube das mit der Übersättigung ist/war bei mir auch der Fall. So hab ich in den 90ern und Anfang der 2000er ja sehr viele Star Wars Romane gelesen und irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Star Wars. Dazu meine relativ einseitige fixierung auf Fantasy und irgendwann war es einfach genug. Die Bücher standen zwar im Regal aber mehr auch nicht. Der SUB wuchs zwar weiter, aber eben nicht mehr so stark. Dann kam der eine oder andere Blog dazu, der auch immer jede Menge Zeit beanspruchte so dass die Bücher im Regal blieben, - oder in der einen oder anderen Ecke, wo gerade Platz war...  :wuschig:
Dann bin ich ja auch noch so ein "komischer Vogel" ( :gruebel:), der auch viele Sachbücher zu Themen kauft, die mich zwar grundsätzlich interessieren aber keine besonders hohe Priorität haben um das Thema mal intensiver zu bearbeiten. Motto: "Hauptsache die Bücher sind da, bevor man sie nicht mehr kriegen kann." Das kommt ja auch oft vor, obwohl es bei Romanen eher der Fall ist. Bei einigen Sachbüchern hatte ich dagegen eher schon den Eindruck, das die mit leicht geändertem Titel und anderem Cover dann wieder neu erscheinen, obwohl sich am Inhalt nichts geändert hat.
Ach ja und weil ich auch nie der schnellste war und nach wie vor nicht bin, brauch ich natürlich auch immer länger als der Durchschnitt, um ein Buch zu lesen... 

Was das Englische angeht, so hab ich hin und wieder ja auch mal Romane im Original gelesen, aber in letzter Zeit hab ich irgendwie auch keine Lust mehr drauf. Selbst wenn ich irgendwo in einem "Zeitungsartikel" auf einen englisch sprachigen Abschnitt stosse, dann überspring ich den lieber, als das ich ihn lese. Nur wenn es für das weitere Textverständnis nicht vermeidbar ist, dann les ich ihn auch.
Andrerseits nervt es mich dann wieder, wenn ich englisch lesen muss, was bei den "Gebrauchsanleitungen" von Elektronikbauteilen, also den Datenblättern, eher die Regel ist, weil es die fast nur noch auch englisch gibt. Selbst von deutschen Herstellern; nur die Japaner, Koreaner und Chinesen juckt das nicht so, so dass die auch immer Datenblätter in ihrer jeweiligen Landessprache heraus geben. Das sieht dann immer interessant aus, wenn da einerseits die asiatische "Bilderschrift" dominiert, in den Tabellen mit technischen Daten dann aber lateinische Zeichen stehen.

Soweit mal mein Senf...  :meditate1:

:winken:
Hans
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Kingsizefairy am 10. Oktober 2013, 23:01:52
mal laut gedacht...

ich glaube, ich weiß, wo bei mir der fehlende Motor abgeblieben ist.

Meine Mutter hat immer sehr viel gelesen, und jedesmal, wenn sie ein gutes Buch hatte, hat sie mir davon erzählt und es dann an mich weitergereicht. dann konnten wir uns hinterher darüber unterhalten. Umgekehrt genauso.

Nach ihrem Tod hab ich nur noch ein Buch gekauft, von dem ich wusste, dass sie ihm entgegenfieberte. Es war der letzte Band aus einer Nora Roberts Trilogie. Ich hab es gelesen, weil ich das gefühl hatte, sie steht hinter mir und liest mit und ich konnte ihren erleichterten Seufzer hören, als ich das Buch aushatte.

Ein Buch hatte sie sich noch bestellt, das kam dann mit der Post und ich habe es bis heute nicht gelesen (ich glaub, es war ein Hauch von Schnee und Asche)

Aber seit sie nicht mehr da ist, les ich auch nicht mehr so viel, weil mir ihre Gesellschaft fehlt und auch die Gespräche.

Als meine Tochter dann ein paar NR las, hatten wir auch diese Gespräche, aber sie liest eher Krimis und sowas. Wir müssen uns da noch aufeinander einspielen, glaub ich. Dann geht das mit dem Bücherdiskutieren bestimmt auch  :bang:
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Hans am 10. Oktober 2013, 23:04:11
Aber, ich spreche jetzt von mir, mich interessiert es heuer überhaupt nicht Listen zu schreiben,
Bücher zu posten, die ich mir gekauft hab, meinen SUB zu aktualisieren oder gar eine Rezi zu schreiben
oder zu lesen. Drum bin ich auch nicht wirklich oft hier.  :rotwerd:


@Xandi: was glaubst du wohl, warum viele meiner Posts nur in der Spieleecke zu finden sind??   :zwinker:
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Steffi am 11. Oktober 2013, 16:15:07
Hallo Ihr Lieben!

Toll, dass Ihr alle so ausführliche Antworten gebt. Habe wohl in ein Wespennest gestochen!  :->

@Carola - wenn man eine richtig miese Zeit hat mit unglaublich viel Stress, dann kann ich durchaus nachvollziehen, wenn man sich mit leichter Kost zurückzieht. Finde ich vollkommen normal. Bei mir persönlich führt das immer dazu, dass ich gar nicht lese.

By the way... mir könnte es noch so gut gehen und ich könnte noch so viel Zeit und Muße haben, ich glaube, ich werde nie einen Grass lesen. Mir ist der Typ einfach so unsympathisch... ne... muss nich. Jedenfalls gibt es vorher einen Haufen Literaten, die ich vorher mal antesten werde. Außerdem gibt es ja doch noch was anderes als ganz harte Kost und Nackenbeißer. Also irgendwie was dazwischen! :-)

@Illi - was Du beschreibst, kann ich wohl für mich ausschließen. Einfach weil ich als Buchhändlerin arbeite und täglich von Büchern und Neuerscheinungen umgeben bin. Ich muss sie also nicht suchen, sie finden mich!  :-> Ich beschäftige mich aber auch wirklich gerne mit Neuerscheinungen und Co. Wälze Vorschauen und so weiter. Das hat aber auch sicher etwas mit der Homepage, dem LoveLetter und wie gesagt meinem Beruf zu tun. Wenn einem diese Berührungspunkte fehlen, kann man sich glaube ich leichter davon lösen.

Manchmal wünschte ich, ich wäre noch mal 16 und hätte höchstens nach meinem Geburtstag und nach Weihnachten einen kleinen SUB und würde einfach nur das lesen, über das ich stolpere. Das war schon irgendwie toll.

Was das dritte Reich angeht... ich war schon immer sehr geschichtlich interessiert, aber so in Richtung Amerika (Bücherkrieg, Unabhängigkeit) oder England. Vermutlich lag das aber auch an einer Überdosierung Nationalsozialismus in der Schule. Wobei ich widerum sagen muss, was ich dort gelernt habe, ist überhaupt nicht haften geblieben. Klar, grobe Umrisse weiß ich, aber diese ganzen Zusammenhänge fehlen mir, weswege ich halt auch gerne mal ein paar Sachbücher lesen möchte. Auch über das 19. Jahrhundert.

@Xandi - also ich weiß oft gar nicht, wer der Mörder ist, aber trotzdem lese ich und am nächsten Tag lese ich einfach nicht weiter. Ich kann das nicht mal benennen, warum das so ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass direkt daneben schon wieder 10 weitere Bücher warten. Vermutlich ist es eine Mischung aus Übersättigung und übermächtigem SUB!  :->

Zitat
"Ich hab schon alles gelesen, es gibt keinen Erzählstrang, der mir nicht bekannt vorkommt.
Egal von welchem Autor."

Daran glaube ich widerum nicht. Dazu gibt es einfach viel zu viele Autoren und Bücher. Wenn man an so einem Punkt ist, muss man einfach nur mal was abseits dessen lesen, was man sonst so liest.

Zitat
Ich lese aus Prinzip keine Tatsachen, weil die eben so traurig ist (Mißbrauch, Krebs, Entführung)
da kann ich gleich die Tageszeitung aufschlagen.
Diese sogenannten Erfahrungsbücher hasse ich auch wie die Pest. Biographien, etc. finde ich jedoch schon interessant oder eben politische und geschichtliche Sachbücher. Ich hatte gestern das neue Buch von Todenhöfer (Du sollst nicht töten) in der Hand, in der er seine monatelange Reise durch Ägypten, Syrien, etc. beschreibt. So was finde ich halt schon interessant und wichtig, weil in den Tageszeitungen und Nachrichten oft nur die halbe Wahrheit steht.

Ich glaube letzteres hat auch etwas mit meinem neuen Lesegeschmack zu tun. Die Medien wollen einem eine Sichtweise einreden und sie als allgemeingültig erklären. Ich glaube nur mittlerweile vieles eben nicht mehr einfach so. Aber um wirklich mitreden und Dinge hinterfragen zu können, muss ich eben auch etwas darüber wissen. Bis dato war ich eigentlich immer ein total unpolitischer Mensch, weil mich das ganze nur angeödet hat. Mittlerweile sehe ich das etwas anders. So viele Menschen geben sich mittlerweile mit Promi-Bigbrother und allem möglichen anderen scheiß zufrieden, so als hätten sie irgendwann noch mal ein anderes Leben. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich mit offenen Augen durch die Welt gehen möchte und das geht nur mit Wissen.

Zitat
Ich lese keine Klassiker, weil mir das in der Schule abgewöhnt wurde.
Probier es einfach mal. So ging es mir nämlich auch. Es ist aber was völlig anderes, wenn man keinen Druck hat oder merkwürdige Interpretationen verfassen muss. Und Du musst ja nicht die Klassiker lesen, die Du damals gelesen hast. Einfach mal schauen, was es da so gibt.

Zitat
Es war neu, als DG anfing mit der Zeitreise und so herrliche Figuren entstehen hat lassen.  :schmacht:
Es war neu, als Kerstin Gier in einer rotzfrechen Art Mütter auf die Schaufel nahm.  :teufel:
Es war neu, als Kathy Reichs so brutale Morde beschrieben hat.  :ballern:
Es war neu, als Ilona Andrews Kampfszenen beschrieben hat, die im Hirn, wie ein Film ablaufen.  :geil:

Gerade im Falle von DG ist es schon blöd, wenn wirklich ALLE Nachahmer nicht ihr Niveau erreichen können. Im deutschsprachigen Bereich ist bei Kerstin Gier genauso. Ich kenne keine deutsche Autorin, die so schreibt. Mir fällt da ansonsten immer nur noch Kinsella ein, aber die ist nun mal Britin. Zu Reichs und Andrews kann ich nicht viel sagen.

Zitat
Aber, ich spreche jetzt von mir, mich interessiert es heuer überhaupt nicht Listen zu schreiben, Bücher zu posten, die ich mir gekauft hab, meinen SUB zu aktualisieren oder gar eine Rezi zu schreiben oder zu lesen
Ich LIEBE Listen und das wird wohl immer so bleiben und was ich gekauft hat, poste ich immer noch gerne. Mit Rezis tue ich mich momentan aber durchaus auch schwerer.

Aber wie Du schon sagst, irgendwann wird der Funke auch bei Dir sicherlich wiederkommen.

@Hans - das mit den Sachbüchern kann ich verstehen. Gefühlstechnisch würde ich sagen, die sind auch eher mal vergriffen und danach schwerer zu bekommen als Romane.

@Fairy - die Geschichte mit Deiner Mutter ist wirklich schön. Ich habe die letzten Wochen auch schon mal daran gedacht einen Lesezirkel zu gründen. Habe vor kurzem mal wieder "Der Jane Austen Club" gesehen und irgendwie ist es ja schon toll, wenn man mit ein paar Freundinnen auf der Couch rumgammelt und sich über Bücher unterhält.

Liebe Grüße,
Steffi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: ClaudiC am 13. Oktober 2013, 06:56:57
Hallo Steffi,
hast du schon davon gehört?
[isbn]9783896674647[/isbn]

Bei mir ist es meist so, dass ich nicht so gerne Bücher aus der NS-Zeit lese. Nein, eigentlich kann ich meist gar nicht sagen, ob ich Romane über diese Zeit gerne lese, weil ich mich in der Regel gar nicht traue, sie zu lesen. Ich möchte beim Lesen nämlich nicht gern Schreckliches miterleben müssen. Als Geschichtslehrerin begegnet mir dieses Thema natürlich auch immer wieder, aber wenn ich privat lese, dann mag ich doch noch am liebsten unterhalten werden, gerne auch mit einer heilen Welt.
Allerdings habe ich in letzter Zeit auch festgestellt, dass ich mich gerne etwas mehr auskennen würde in der aktuellen Literatur. Die Titel der "Unsere 100 besten Taschenbücher" kenne ich meist dem Namen nach. Diese Bücher lese ich auch sehr gerne und genremäßig bin ich auch überhaupt nicht festgelegt. Aber außer belletristischer Trivialliteratur und den "alten" Klassikern wie Goethe, Schiller und Mann (in der Schule) habe ich in letzter Zeit kaum etwas dazwischen gelesen. Von daher: Ich schließe mich dir an und würde in nächster Zeit gerne auch etwas anspruchsvollere Romane lesen.
LG
Claudi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Meike am 13. Oktober 2013, 20:53:04
Huhu,
ich wollte mal die andere Seite beschreiben, nämlich wenn das Lesen, das Listen führen und Rezensionen schreiben wieder anfangen Spaß zu machen und ein Hobby werden  :-> Bei mir ist es nämlich etwas anders. Sicher hat sich mein Lesegeschmack geändert, ich bin die momentan Mainstream-Leserin hier (also LiRos, Young Adult, Dystopien, Erotik, die volle Hausfrauen-Bandbreite halt), dafür kann ich momentan kaum noch was mit Krimis und historischen Romanen anfangen, weil die mich eher anöden. Zudem ist es mir auch herzlich egal, was andere darüber denke was ich lese, hauptsache ich lese es gern.
Als ich die Kinder bekommen habe, hatte ich viel weniger Zeit zu lesen. An Leserunden, Rezensionen schreiben, Listen führen war echt kaum zu denken. Aber seit gut 1,5 Jahren habe ich wieder Spaß daran und freue mich an meinen Büchern und dem ganzen Drumherum. Es ist für mich momentan eine perfekte Ergänzung zu meinem Alltag.

Ich kann dich schon verstehen und glaube, dass sowas auch normal ist. Du schreibst ja selbst, dass du dich jetzt wieder mehr an "normalen" Büchern freuen kannst, vielleicht brauchtest du diesen krassen Gegensatz einfach. Von "Amon" hatte ich auch schon gehört und überlegt es Dirk zu schenken, das hört sich wirklich gut an und ist was für ihn  :flirt:

Ich denke einfach, dass man das lesen und tun sollte waroauf man Lust hat, sich von niemanden diktieren lassen darf ob das gut ist oder nicht, es ist ja wirklich ein Hobby. Für mich immer noch eins der schönsten!

Liebe Grüße,
Meike
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Steffi am 13. Oktober 2013, 21:35:58
Hallo Süße!

Zitat
Zudem ist es mir auch herzlich egal, was andere darüber denke was ich lese, hauptsache ich lese es gern.

Das ist ohnehin ein ehernes Gesetz. Ich finde es schlimm, wenn sich jemand verteidigen muss und zwar egal in welche Richtung. Erst gestern habe ich bei uns im Laden einen Weihnachtsroman von Christine Feehan und ein Buch über den 1. Weltkrieg (Die Schlafwandler) gekauft. Das passt ja nun auch gar nicht zusammen. Ja und? Who cares? Ich glaube aber wir gerade hier im Forum sind durchaus auch selbstbewusst und stehen darüber. Leider gibt es ja immer noch Leserinnen, bei denen das nicht so ist.

Ich weiß z.B., dass in unserer Weltbild Filiale Nackenbeißer außergewöhnlich gut laufen, weil wir sie eben nicht verstecken und auch keiner doof angeguckt wird. Im Gegenteil, bei dem ein oder anderen LYX Titel sag ich dann beim Kassieren schon mal, dass der richtig gut ist. Passiert Dir glaube ich nicht so oft, weil die wenigsten Buchhändler zugeben, dass sie so was lesen.

Das Du jetzt wieder so richtig drin bist, finde ich großartig. Es gibt nicht schöneres, wenn es so richtig fluppt beim Leben und man einfach nur Spaß am planen, lesen und schreiben hat.

Liebe Grüße,
Steffi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Steffi am 13. Oktober 2013, 22:19:14
Hallo Claudi!

Den Titel habe ich auch schon auf dem Zettel. Klingt ein bisschen so wie der Film "Ist das Leben nicht schön". Kennst Du den?

Wir hatten ja mit Gina Mayer dieses Jahr auch schon einen guten Fang. Ich werde morgen mal eine kleine Liste machen, was ich demnächst so lesen möchte. Vielleicht ist da ja was für dich dabei.

Liebe Grüße,
Steffi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: ClaudiC am 14. Oktober 2013, 06:24:46


Das Du jetzt wieder so richtig drin bist, finde ich großartig. Es gibt nicht schöneres, wenn es so richtig fluppt beim Leben und man einfach nur Spaß am planen, lesen und schreiben hat.

Liebe Grüße,
Steffi
Da hast du dich aber nett vertippt. Ich kann auch am besten lesen, wenn im LeBen gerade alles fluppt, ich keinen Stress oder sorgen habe.
Im übrigen sehe ich das genauso wie ihr: Jeder darf lesen, was gefällt. Meinen Schülern muss ich natürlich manche Dinge anbieten, damit sie Literatur kennenlernen - und manche auch lieben lernen. Bei der Leseförderung lege ich aber schon Wert darauf, dass es egal ist, was sie lesen. Hauptsache sie lesen überhaupt und gern.

Den Film habe ich noch nicht gesehen, eben aus den schon genannten Gründen.

Meike, bei mir ist es gerade ähnlich und doch anders: Ich lese gerade unheimlich gerne und freue mich über jede Rezi, die hier erscheint. Wie du. Zum Listen machen, Neukäufe posten etc. habe ich aber gerade gar keine Lust und meist auch nicht, die entsprechenden Threads zu lesen.
LG
Claudi
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Benni am 07. November 2013, 11:04:52
Und meinen Senf auch noch dazu...
In der Schule wurden mir die Klassiker wirklich bis zum erbrechen verleidet... (schreibt man das so  :kopfkratz: ) Ich hatte die Klassiker zwar noch im Regal, doch seit über zwanzig Jahren nicht mehr angeschaut... Ebenso die fremdsprachigen Bücher aus Schulzeiten. Als wir umgezogen sind, hat mich der Ehrgeiz gepackt und die Angst, ich müsse meine 1'200 Stück selber tragen  :umfall: Darum habe ich über ein Jahr vor dem Umzug angefangen, die Bücher zu sortieren und in die Brockenstube zu bringen. Rund 800 Bücher haben dann den Weg mit uns ins neue Zuhause geschafft, darunter auch alle Bücher aus der Schule. Nun bin ich daran, alle Bücher nochmals zu lesen und miste radikal aus. Im Moment sind immer noch rund 900 in den Regalen, doch ich habe in den letzten Jahren viele gelesen und nach kurzer Zeit entschieden, dass meine Zeit zu kostbar ist, um Bücher zu lesen, die mich nicht packen... Viele Klassiker haben den Weg zu Kollegen mit schulpflichtigen Kindern gefunden, denn die Bücher haben mich noch immer nicht gepackt  :rotwerd: Auch die fremdsprachigen sind oft gewandert, weil ich neben dem Job eben nicht noch unheimlich den Kopf anstrengen will beim lesen  :rotwerd: :rotwerd:
Bezüglich Genres bin ich immer noch breit gefächert und schäme mich für kein Buch, das ich im Regal habe (ausser es sei von GöGa  :elch: )
Wirklich geändert hat sich also nur meine Sammelwut was Bücher anbelangt, ich bin schneller darin, sie auch mal aus der Hand zu legen und weg zu geben...
Tube ausgepresst  :->
Titel: Re: Wenn sich das Leseverhalten ändert... (Achtung - langer Beitrag)
Beitrag von: Paula am 22. November 2013, 17:06:49
Ich habe gerade diesen Thread entdeckt und möchte auch ein paar Zeilen dazu schreiben…

In den letzten Monaten habe ich festgestellt, dass ich plötzlich angefangen habe Bücher zu kaufen, die von meinem „normalen“ Lesestoff abweichen. Vielleicht liegt es daran, dass ich in der vergangenen Zeit immer öfter Fehlgriffe hatte. Entweder war der Inhalt viel zu vorhersehbar oder der Roman stellte sich im Nachhinein als allzu seichte Lektüre heraus. Und so etwas nervt und langweilt mich. Für mich ist das verschwendete Zeit. Ich suche ganz einfach etwas Neues. Geschichten die mich fesseln, überraschen oder über die ich nachdenken kann.

Langsam aber sicher strecke ich meine Fühler in andere Richtungen aus und werde manchmal gerade von den Genres überrascht, die ich vorher gar nicht auf dem Plan hatte. Zum Beispiel schrecken mich Klassiker nicht mehr ab und ich taste mich vorsichtig an sie heran. Ich finde sie sogar teilweise recht unterhaltsam. Früher (während der Schulzeit) gab es für mich nichts Schlimmeres als Klassiker. Es lag wahrscheinlich daran, weil man es lesen musste und alles bis ins kleinste Detail durchgekaut und analysiert wurde. Das hat mir die Freude daran genommen. Und ich gebe zu, ich mag Dystopien, habe ich vorher einen großen Bogen herum gemacht. Reiseberichte oder Berichte über andere Länder/Kulturen lese ich seit einiger Zeit auch gerne, vor allem wenn es mit Afrika zu tun hat. Da ich ohnehin gerne verreise und andere Länder und fremde Kulturen kennenlerne, passt das gut. Man sieht vieles in einem anderen Licht und nimmt nicht mehr alles als selbstverständlich hin. Sogar politische Bücher schließe ich nicht mehr vollkommen für mich aus (kommt auf das Thema an). Dazu muss ich sagen, dass mich Politik früher nicht interessiert hat. Aber seit einigen Jahren ändert sich das – ich ärgere mich über die politische Situation allgemein. Ich rege mich auf, empöre mich und bin wütend. Keine Ahnung warum, aber vor zwei/drei Jahren hat es bei mir geklickt; jetzt will ich mehr wissen und lese. Es ärgert mich inzwischen, dass es vielen Menschen anscheinend egal ist, was in der Welt passiert und ihre Augen einfach davor verschließen. Was ich sagen will: ich kann nicht glauben, dass sich viele Leute damit zufrieden geben, wenn irgendein sogenannter Promi mal wieder ein unterdurchschnittliches Buch herausbringt und das als literarisches Meisterwerk feiern, während Bücher, die von Menschen geschrieben wurden, die wirklich etwas zu sagen haben, nicht beachtet werden.

Ich lese nach wie vor überwiegend Krimis/Thriller oder historische Romane und daran wird sich wahrscheinlich auch nicht viel ändern. Obwohl ich zugeben muss, dass ich Krimis inzwischen meistens als zu unspektakulär empfinde, wenn man das so sagen kann. Außerdem weiß ich meistens schon früh, wer der Täter ist. Ich habe das Gefühl alles schon einmal gelesen zu haben und finde das sehr frustrierend. Von daher schwenke ich immer mehr zu Thrillern rüber. Dabei merke ich, dass die Thriller, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, immer blutrünstiger bzw. psychologisch perfider werden. Interessanterweise verschlinge ich solche Bücher regelrecht, je mehr ich unter Stress stehe. :-> Ich habe gemerkt, dass mich in stressigen Situationen solche Bücher eher wieder runterbringen und entspannen, als irgendwelche platten „Heile Welt“-Romane. Bei historischen Romanen ist es schwierig und ich überlege mir den Kauf vorher gut (wahrscheinlich, weil ich bisher keinen Schriftsteller gefunden habe, der es mit DG aufnehmen kann), denn die Handlung darf nicht zu seicht sein oder in einer triefenden Liebesschmonzette enden. Leider ist dies bei historischen Romanen viel zu oft der Fall. Aber manchmal sind auch richtige Glücksgriffe dabei, die mich wirklich begeistern. Aber insgesamt sind das die Genres, die mir am ehesten liegen und wo ich mich wohlfühle.

Was ich beim besten Willen nicht lesen kann, sind generell Liebesromane oder sonstige Frauenbücher. Den „Friede-Freude-Eierkuchen“- und „schwache Frau findet starken Helden“-Geschichten kann ich persönlich absolut nichts abgewinnen. Es ist mir zu unrealistisch und banal. Außerdem regen mich die weiblichen Hauptfiguren extrem auf. Horrorbücher mag ich gar nicht. Da bekomme ich die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf… :rotwerd: Fantasy mag ich nur bedingt, bisher konnte ich mich noch nicht ganz damit anfreunden. Ratgeber, Sach- und Fachbücher interessieren mich nicht unbedingt.

Generell denke ich, dass das Lesen vor allem Spaß bereiten soll und einem das Gefühl sagt, was für ein Buch man gerade braucht. Ob es sich um Liebesromane, Sachbücher, Krimis oder was auch immer handelt. Hauptsache, es bereitet einem Freude und man kann in eine andere Welt abtauchen.

Liebe Grüße
Paula